Märkte / Aktien

SMI schliesst über 12’300

Die Schweizer Börse legt weiter zu. Luxusgüteraktien sind gesucht. Der Ölpreis büsst weiter ein. Der Euro überschreitet 1.03 Fr.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag an seine freundliche Vortagestendenz angeknüpft und klar fester geschlossen. Der Leitindex SMI (SMI 10'823.12 +3.54%) gewann bei Eröffnung 0,6%, baute seine Avancen im weiteren Handel aus und schloss über 12’300. Andere europäische Aktienmärkte stiegen sogar noch deutlicher.

Auch an Wallstreet zeigten die Kurse nach oben. Alle drei wichtigen New Yorker Indizes legten bei Handlesende in Zürich zu. So stieg der S&P 500 0,7%. Der Dow Jones avancierte ebenfalls 0,7%. Etwas deutlicher fielen die Gewinne an der Technologiebörse aus. Der Nasdaq Composite notierte 1,2% im Plus.

Zuvor war gemeldet worden, dass Russland seine «militärischen Aktivitäten» in der Ukraine bei Kiew deutlich reduzieren will. Der Schritt solle dazu dienen, gegenseitig Vertrauen aufzubauen und die Bedingungen für weitere Verhandlungen zu schaffen, sagte der russische Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin. Mit den Aussagen hat sich an den Finanzmärkten die Nachfrage nach riskanteren Anlagen wie Aktien spürbar verstärkt, während die Anleger einen Bogen um sichere Anlagen machten.

Der Ölpreis knüpfte am Dienstag an seine deutlichen Vortagesverluste an. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 107 $. Als Grund dafür nannten Marktbeobachter den strengen Lockdown in Schanghai. Die Massnahme zur Eindämmung von Covid-19 betrifft in zwei Phasen insgesamt 26 Mio. Einwohner. Die Wohnung darf nicht verlassen werden, nicht essenzielle Unternehmen wurden geschlossen. Das wird nicht nur das chinesische Wirtschaftswachstum belasten, sondern auch internationale Folgen haben – etwa für die Lieferketten: In Schanghai befindet sich der grösste Hafen Chinas. Angesichts der Risiken einer schwächeren Nachfrage werden sich die Mitgliedländer des Ölkartells Opec und Partnerländer wie Russland (Opec+) kaum auf einen schnelleren Anstieg der Förderquoten als geplant einigen. Die Förderländer treffen sich am Donnerstag. Es wird erwartet, dass die Quotenerhöhung um 432’000 Fass pro Tag beibehalten wird. Die russische Regierung liess verlautbaren, dass man das Öl wegen der zurückgehenden Nachfrage aus dem Westen nun vermehrt in Südostasien verkauft. Neben Indien und China kauft Indonesien russisches Öl.

Luxusgüteraktien gesucht

Richemont (CFR 102.15 +4.28%) zogen klar an. Auch die Aktien von Konkurrent Swatch Group (UHR 232.40 +4.68%) legten erneut zu, nachdem der Uhrenhersteller bereits am Vortag von der Moonswatch einen kräftigen Kursschub erhalten hatte.

Mit Aufschlägen waren auch Finanzwerte wie Partners Group (PGHN 895.00 +3.76%) oder die Banktitel UBS (UBSG 16.00 +6.03%) und Credit Suisse (CSGN 5.72 +5.15%) wieder stärker gefragt. Gerade Finanzwerte gelten als mögliche Nutzniesser steigender Zinsen. Während in den USA die Zinserwartungen weiter stiegen, werde auch mit Blick auf die EZB mehr und mehr auf Zinserhöhungen gewettet, hiess es in einem aktuellen Kommentar.

Holcim (HOLN 43.72 +1.86%) weiteten die Gewinne aus, nachdem der Zementkonzern mitgeteilt hatte, sein Geschäft in Russland verkaufen zu wollen. Auch andere Zykliker legten zu, wie Avancen in Geberit (GEBN 477.00 +4.74%) oder Sika (SIKA 227.30 +3.08%) zeigten.

Dass der Markt im Vergleich zu seinen europäischen Pendants etwas verhaltener stieg, war vor allem den drei Schwergewichten geschuldet. So hinkten Nestlé (NESN 111.64 +2.91%) sowie Roche und Novartis (NOVN 80.60 +3.03%) dem Markt hinterher. Alcon (ALC 66.14 +2.16%), ein anderer defensiver Wert, schlossen derweil deutlich im Plus.

Sonova (SOON 309.00 +2.45%) und Adecco (ADEN 33.86 +1.83%) profitierten

Mit Nachrichten zogen Sonova und Adecco an. Der Hörgerätespezialist hatte ein im letzten Juni gestartetes Aktienrückkaufprogramm bereits abgeschlossen. Gleichzeitig wurde ein neues Programm mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren angekündigt.

Der Personalvermittler Adecco wiederum bestätigte am Investorentag seine Mittelfristziele und nennt neu Ziele für alle drei Geschäftsbereiche. Er sieht sich ausserdem auf Kurs, die für das erste Quartal genannten Eckwerte zu erreichen.

Kühne + Nagel (KNIN 226.10 +3.76%) büssten stark ein, nachdem die Experten der Deutschen Bank die Daumen für den Logistiker gesenkt und Rating und Kursziel gekappt hatten.

Die Aktien von Aryzta (ARYN 1.08 +1.51%) kratzten von unten an der Kursmarke von 1 Fr. Händler erklärten sich das Interesse am Backwarenhersteller mit einem Kommentar aus dem Hause UBS. Darin berichtet der Autor von weitreichenden Preiserhöhungen im Schlüsselmarkt Deutschland.

Im breiten Markt stachen die Aktien von Börsenneuling Talenthouse (THAG 0.1900 -2.56%) hervor, die ein starkes Plus aufwiesen. Sie sind seit dem heutigen Dienstag an der SIX Swiss Exchange kotiert und zum Handel zugelassen. Talenthouse war früher ein Portfoliounternehmen der SIX-kotierten Beteiligungsgesellschaft New Value.

Asiens Börsen mit Avancen

In Asien bewegten sich die Börsen am Dienstag mehrheitlich nach oben. In Tokio stieg der Nikkei 225 um 0,8% und der breiter gefasste Topix 0,6%. Der Hongkonger Hang Seng gewann 0,5%, wogegen auf dem chinesischen Festland der CSI 300 um 0,4% sank. Der koreanische Kospi legte 0,2% zu. In Taiwan verlor der TWSE 0,1%.

Euro über 1.11 $ und 1.03 Fr.

Der Kurs des Euro legte am Dienstag nach Signalen der Entspannung im Ukraine-Krieg deutlich zu. Am Abend stieg die Gemeinschaftswährung über 1.11 $ und erreichte ein Tageshoch bei 1.1137 $. Am Morgen hatte der Eurokurs noch unter der Marke von 1.10 $ gelegen. Auch zum Schweizer Franken legte der Euro im bisherigen Tagesverlauf deutlich zu und übersprang die Marke von 1.03 Fr. Zwischenzeitlich kletterte er auf 1.0352 Fr. Bei Börsenschluss in Europa kostete ein Euro 1.0338 Fr. Der Dollar wurde derweil klar leichter zu 0.9312 Fr. gehandelt.

Gold zeitweise unter 1900 $

Gold tendierte zeitweise klar abwärts und rutschte unter die Marke von 1900 $. Die Feinunze lag bei Börsenschluss in Europa aber bei einem Stand von 1912 $ wieder darüber.

Bitcoin setzte seinen Aufwärtstrend fort. So stand die grösste Cyberwährung bei knapp 48’000 $.