Märkte / Aktien

SMI schliesst im Minus

Die Schweizer Börse erholt sich von anfänglich klaren Verlusten. Lonza stemmen sich gegen den Trend. Dormakaba und Bossard sacken ab.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag nachgegeben. Er erholte sich aber vom Tagestief, das der SMI (SMI 12'529.56 -0.82%) klar unter der Marke von 12’100 markiert hatte. In New York gingen die Aktienkurse deutlicher zurück. Blue Chips und auch Technologiewerte standen bei Handelsende in Zürich unter Druck. Der S&P 500 büsste 1,4% ein. Der Dow Jones gab 1,5% nach. Einen Rückgang von 1,4% verzeichnete die Technologiebörse Nasdaq Composite.

«Mit dem Auftauchen der Omikronvariante des Coronavirus hat die Stimmung an der Börse komplett gedreht», attestierte denn auch ein Händler. «Der Optimismus der vergangenen Wochen hinsichtlich eines nahenden Endes der Pandemie ist aus dem Markt.» Dieser Stimmungswandel wurde aktuell noch durch Aussagen vom Moderna-CEO Stephane Bancel befeuert. In einem Interview zweifelt er an der Wirksamkeit der existierenden Impfstoffe gegen die neue Variante und meint, dass die massenweise Verabreichung eines angepassten Vakzins an die Bevölkerung bis zu ein Jahr brauchen könnte. «Omikron könnte damit die Börsen länger im Würgegriff halten als bislang gedacht.»

Letztlich warte der Markt immer noch darauf, einige der wichtigsten Informationen über diesen neuen Stamm zu erfahren, heisst es immer wieder von Expertenseite. Entsprechend sei vorerst mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen. «An einem Tag kommen gute Nachrichten, die am Aktienmarkt einen Kurssprung nach oben auslösen, am nächsten schlechte, die einen Einbruch mit sich bringen», hiess es in einem Kommentar. So hätten die Moderna-Aussagen aktuell die Märkte veranlasst, eine der drei für das nächste Jahr geplanten Zinserhöhungen des Fed zu streichen.

Angesichts der hohen Inflation fasst die US-Notenbank Fed einen schnelleren Abbau ihrer Anleihenkäufe auf dem Weg zu einer Zinserhöhung ins Auge. Es sei angemessen, darüber nachzudenken, den als Tapering bekannten Prozess einige Monate früher abzuschliessen, sagte Fed-Chef Jerome Powell am Dienstag vor einem Kongressausschuss. Die Wirtschaft sei sehr stark und zugleich der Inflationsdruck hoch. «Und ich denke, das Risiko höherer Inflation hat zugenommen», sagte Powell.

Wenige Gesundheitswerte fester

Die Gewinnerliste im Schweizer Leitindex wurde von Lonza (LONN 647.00 -2.53%), dem Hersteller eines Coronaimpfstoffs, angeführt. Auch die Medtech-Werte Straumann (STMN 1'568.00 -6.36%) und Sonova (SOON 321.60 -1.86%) sowie gewannen.

Die Finanzwerte erholten sich von deutlichen Verlusten und schlossen sich teilweise sogar auf der Gewinnerseite. Das gilt für die Aktien von UBS (UBSG 17.75 -1.28%) und Credit Suisse (CSGN 9.2040 -1.35%) sowie die Versicherer Swiss Re (SREN 97.88 +0.91%), Zurich Insurance (ZURN 438.70 -0.20%) und Swiss Life (SLHN 612.00 +0.10%). Auch Partners Group (PGHN 1'309.50 -3.61%) notierten im Plus.

Unter den grössten Verlierern waren vor allem konjunktursensible Titel zu finden. Holcim (HOLN 51.66 -1.67%), ABB (ABBN 33.52 -1.82%), SGS (SGSN 2'872.00 -1.07%) büssten ebenso ein wie die Vertreter im SMIM (SMIM 3'211.68 -2.01%), VAT Group (VACN 386.00 -4.97%), Adecco (ADEN 48.89 -1.53%). Temenos (TEMN 117.75 -1.75%) oder AMS-Osram. Die aktuellen Coronanachrichten schürten die Sorge um neue restriktive Massnahmen, hiess es am Markt. Das wiederum könnte die ohnehin angespannte Lage bei den Lieferketten nochmals verschärfen.

Überdurchschnittlich schwach präsentietren sich auch die Uhrenhersteller Richemont (CFR 134.10 -1.29%) und Swatch Group (UHR 289.50 -0.89%). Beide hatten an den vorangegangenen zwei Handelstagen einen volatilen Lauf gehabt. Am Freitag noch waren sie im Zuge des ersten Omikron-Ausverkaufs verstärk unter die Räder gekommen, bevor sie am gestrigen Montag dann Erholungstendenzen aufzeigten.

Dass sich der Schweizer Markt etwas besser hält als seine europäischen Pendants, lag auch an Roche. Novartis (NOVN 82.10 -0.42%) gaben derweil nach. Novartis-Präsident Jörg Reinhardt will sich nicht festlegen, wenn es um die Zukunft der Generika-Sparte Sandoz geht. Mit Blick auf die derzeit laufende strategische Überprüfung sei «alles eine Option», sagte er in der TV-Sendung «CEO Talk» auf Tele Züri am Dienstagabend. Derweil belasteten Nestlé (NESN 122.38 +0.36%) den Markt.

Hausgemacht waren derweil die Abgaben bei Dormakaba (DOKA 547.50 -1.26%). Bei dem Unternehmen kommt es schon wieder zu einem Wechsel an der Konzernspitze.

Bossard (BOSN 299.50 -4.92%) gaben klar nach. UBS stufte die Aktien des Verbindungstechnikspezialisten auf «Sell» zurück.

Evolva (EVE 0.1302 -1.36%) vollzogen einen kleinen Gipfelsturm. Auslöser ist der Einstieg der Investmentgesellschaft Veraison. Sie erhält durch eine Privatplatzierung von Evolva-Aktien 6,2% an dem Biopharmaunternehmen. Evolva selbst fliesst dabei ein Gesamtvolumen von rund 7,5 Mio. Fr. zu, das für die weiteren Tätigkeiten genutzt werden soll.

Molecular Partners (MOLN 24.05 +2.78%) zogen massiv an. Das Virostatikum Ensovibep des Biotech-Unternehmens behält seine Wirksamkeit auch gegen die neu entdeckte Omikronvariante des Coronavirus. Dies hätten Untersuchungen im Reagenzglas (in vitro) belegt, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Verluste in Asien

Die asiatischen Börsen tendierten mehrheitlich negativ. Der japanische Nikkei 225 sank bis Börsenschluss 1,6%, der Topix gab 1% nach. Der Hang Seng in Hongkong verlor 2,2%. In China stagnierte der Shanghai Composite. Der koreanische Kospi schloss bei 2839, was ein Minus von 2,4% bedeutet.

Euro unter 1.04 Fr.

Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell versetzten am Dienstagnachmittag die Devisenmärkte in Aufregung. Der Dollar gewann an Wert. So notierte nun das Währungspaar EUR/USD (EUR/USD 1.1319 -0.78%) wieder markant unter der Schwelle von 1.13 (bei 1.1256 $). Zum Franken schwankte der Dollar und lag um 17.30 Uhr MEZ wenig verändert bei 0.9222 Fr. Die allgemeine Nervosität hatte auch Folgen auf den Euro-Franken-Kurs. Er rutschte unter die Marke von 1.04 und markierte bei 1.03885 ein Jahrestief.

Ölpreis unter Druck

Der Ölpreis fiel am Dienstag kräftig und knüpfte damit an die rasante Talfahrt vom vergangenen Freitag an. Damit konnte sich die Notierung zu Beginn der Woche nur vorübergehend ein Stück weit erholen. Nach wie vor wird der Handel am Ölmarkt durch die Sorge um die als besorgniserregend eingestufte neue Omikronvariante des Coronavirus belastet. Bei Börsenschluss in Europa kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 70 $.

Gold tendierte insgesamt seitwärts. So lag die Feinunze am Abend bei 1780 $.

Bitcoin gab nach und notierte bei 57’000 $.