Unternehmen / Ausland 09:38 - 21.04.2017

Börsenspekulation wohl hinter BVB-Anschlag

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Dieser wollte offenbar den Aktienkurs beeinflussen und von einem Kurssturz profitieren.
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Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
B-Aktien
Titel chinesischer Unternehmen, die an der Börse Schanghai oder Shenzhen kotiert sind. Sie lauten auf Dollar in Schanghai und auf HK-Dollar in Shenzhen. Die Werte können anders als A-Aktien von einheimischen und ausländischen Anlegern gehandelt werden.
GS
Gewinnbeteiligungspapier, das keine Mitgliedschaftsrechte, sondern nur Vermögensrechte (z. B. Dividende , Anspruch auf den Bezug neuer Titel, Liquidationserlös) verleiht. Das wichtigste Beispiel sind Roche GS.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Option
Das Recht – nicht aber die Pflicht –, innerhalb einer bestimmten Zeit (Laufzeit ) eine feste Menge eines bestimmten Basiswerts zu einem im Voraus fixierten Ausübungspreis zu kaufen (Call ) oder zu verkaufen (Put ). Für dieses Recht zahlt der Optionär dem Verkäufer der Option eine Optionsprämie . Optionen können individuell zwischen den Parteien (OTC-Option ), in einem Warrant verbrieft oder an Terminbörsen gehandelt werden.
Optionsschein
In einem Wertpapier verbriefte Option , deren Übertragbarkeit dadurch erleichtert wird. Warrants werden von einem Derivathaus begeben und in der Regel kotiert. Auch die zusammen mit einer Optionsanleihe begebenen Optionsscheine werden als Warrants bezeichnet.

(Reuters) Die Polizei hat anderthalb Wochen nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund (BVB 5.755 2.69%) einen Tatverdächtigen festgenommen. Es handele sich um den 28-jährigen deutschen und russischen Staatsangehörigen Sergej W., teilte die Bundesanwaltschaft am Freitagmorgen mit. Er sei durch Spezialkräfte des GSG 9 im Raum Tübingen festgenommen worden.

Der Mann handelte offenbar aus Habgier: Er habe mit dem Anschlag den Kurs von BVB-Aktien beeinflussen und von einem Kurssturz profitieren wollen. Am Dienstag vergangener Woche waren neben dem Mannschaftsbus der Fussballer drei mit Metallstiften bestückte Sprengsätze explodiert. Der Spieler Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt.

Dem Festgenommenen werde versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit. Am Mittag (12.30 MESZ) werde sie über den Stand der Ermittlungen informieren. Der Festgenommene habe sogenannte Verkaufsoptionen in Bezug auf die BVB-Aktie – insgesamt 15.000 Stück – erworben.

Der Kauf sei über die Internet-Adresse des Mannschaftshotels von Borussia Dortmund erfolgt – dort hatte sich der Verdächtige einquartiert. Bei einem massiven Verfall der Aktie hätte der Gewinn ein Vielfaches des Einsatzes betragen. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn in Folge des Anschlags Spieler schwer verletzt oder gar getötet worden wären, hiess es weiter. Darauf habe der Verdächtige offenbar gesetzt. Finanziert habe der Verdächtige die Optionsscheine über einen Kredit.

Zimmer mit Blick auf den Anschlagsort

Sergej W. habe im Mannschaftshotel des BVB in Dortmund ein Zimmer (ZBH 118.1 -5.76%) mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen. In Nähe des Hotels waren die Sprengsätze bei der Abfahrt des Busses zum Spiel der Borussen gegen den AS Monaco detoniert. Sie waren in einer Hecke an einer Strasse nahe des Hotels angebracht, die der Mannschaftsbus auf der Fahrt Richtung Stadion nahm.

Zwei der Sprengsätze befanden sich der Mitteilung zufolge in Bodennähe, ein Dritter war in einer Höhe von etwa einem Meter platziert – zum Glück für die Mannschaft des BVB: «Damit war er zu hoch angebracht, um seine Wirkung voll entfalten zu können», teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe weiter mit.

Die Sprengsätze waren mit Metallstiften bestückt, sie wurden über Funk gezündet. Durch die Wucht der Detonationen bohrte sich einer der Stifte in eine Kopfstütze des Mannschaftsbusses. «Wir können von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist», hatte eine Sprecherin der Anklagebehörde gesagt.

Bislang war unklar, welches Motiv hinter der Tat steckt. Die Behörden hatten erklärt, sie ermittelten in alle Richtungen und schlossen auch einen islamistischen oder rechtsextremen Hintergrund nicht aus. Am Tatort waren drei Bekennerschreiben gefunden worden, die auf radikal-islamistische Motive verwiesen. «Die Bekennung wurde islamwissenschaftlich geprüft», hiess es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft weiter: «Danach bestehen an einem radikal-islamistischen Ursprung erhebliche Zweifel.» Auch Bekennerschreiben, die am 13. April beim «Tagesspiegel» und bei «Welt»/N24 eingegangen waren und auf einen rechtsextremistischen Hintergrund verwiesen, stammten wohl nicht vom mutmasslichen Täter, hiess es weiter.

Kurz nach der Tat war ein 26-jähriger Iraker festgenommen worden, gegen ihn erging dann Haftbefehl. Dem Iraker wirft der Generalbundesanwalt die Mitgliedschaft in der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) vor. Mit dem Anschlag habe er aber nichts zu tun, hatte die Behörde zudem mitgeteilt.

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