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Boris Eykher: Frischer Wind in einer konservativen Branche

Der Gründer und CEO des preisgekrönten Unternehmens Open Mineral hat sich zum Ziel gesetzt, den verstaubten Rohstoffhandel zu modernisieren.

Rasch mal eben übers Internet ein Hotel gebucht, Tickets gekauft oder Kleider bestellt. Was für Konsumenten seit Jahren zum digitalen Alltag gehört, ist vielen Bereichen im Business-to-Business-Markt weiterhin fremd. «Man stelle sich vor: Trotz der enormen Bedeutung der Rohstoffindustrie werden die meisten Geschäfte noch immer auf altertümliche Weise abgewickelt – über Telefonanrufe und Papierdokumente, die physisch in der Weltgeschichte herumgeschickt werden», sagt Boris Eykher gegenüber «Finanz und Wirtschaft».

Mit Open Mineral hat sich der 39-Jährige zum Ziel gesetzt, diesen Missstand zu beheben und das Potenzial der Digitalisierung auch im Rohstoffhandel voll auszuschöpfen: Auf der Onlineplattform des in Baar domizilierten Unternehmens werden Käufer und Verkäufer zusammengeführt, was letztlich der Transparenz und der Effizienz des Marktes zugutekommt.

Eykher, der inzwischen die US-Staatsbürgerschaft besitzt, kann auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Geboren in Taschkent, Usbekistan, besuchte er später die Universität von Kalifornien in Berkeley, wo er Elektrotechnik und Informatik studierte. Nach dem Abschluss übernahm er zwischenzeitlich einen Job in der Private-Equity-Branche, dem er den MBA an der Harvard Business School folgen liess.

Seine Laufbahn nahm eine Wende, als ihm der Schweizer Rohstoffhändler Glencore die Möglichkeit eines Praktikums offerierte. «Nach dem Internship wurde ich gefragt, ob ich nicht eine Stelle im Hauptquartier übernehmen wolle», erzählt Eykher. Der Umzug in die Schweiz habe nicht nur ihm gepasst, sondern auch seiner Partnerin: «Als grossem Naturfan gefielen ihr Zug und Umgebung gleich von Beginn weg. Die Region ist zentral gelegen und doch international geprägt. Wir geniessen es sehr hier.»

Bei Glencore durchlief Eykher verschiedene Positionen. «Die Komplexität des Geschäfts überstieg alles, was ich bis zu diesem Zeitpunkt kennengelernt hatte.» Ende 2011 übernahm er die Stelle des Finanzchefs bei Kazzinc, einem bedeutenden Zinkförderer in Kasachstan, an dem Glencore eine Mehrheitsbeteiligung hielt. «Meine Zeit bei Kazzinc war die beste Ausbildung, die ich mir wünschen konnte», erzählt Eykher. «Angesichts einer Belegschaft von über zwanzigtausend Arbeitnehmern und komplexer Geschäftsprozesse profitierte ich als Turnaround-Manager extrem.»

In dieser Zeit reifte in ihm auch die Idee für Open Mineral. «Ich fragte mich: Weshalb nicht eine globale onlinebasierte Handelsplattform lancieren, die die Käufer- und die Verkäuferseite zusammenbringt und beiden Seiten bessere Entscheide ermöglicht?» Gesagt, getan. «Bereits acht Monate nach dem Start von Open Mineral hatten sich bei uns Hunderte von Unternehmen registriert, die rund 40% aller weltweiten  Verkäufer und Käufer repräsentieren.»

Rasch wurde jedoch klar, dass sich das Interesse nicht so einfach in Volumen konvertieren lässt. «Wir haben begriffen, dass wir Kunden die volle Servicepalette bieten müssen – also beispielsweise auch den Transport, das Hedging oder die Handelsfinanzierung.» Denn viele Rohstoffunternehmen würden sich davor scheuen, diese Aufgaben selbst zu übernehmen – entweder wegen Risikoaversion oder fehlendem Know-how. «Vieles basiert in der Branche auf Vertrauen. Du musst ein Insider sein, den die beteiligten Akteure kennen. Nur eine IT-Plattform auf die Beine stellen reicht nicht.»

Dass sich das Unternehmen an vorderster Front befindet, den Handel effizienter und profitabler zu machen, hat zu Wochenbeginn auch das World Economic Forum anerkannt: Am Montag kürte die Stiftung Open Mineral zusammen mit mehr als fünfzig anderen Start-ups weltweit zum «Technology Pioneer» – einem Unternehmen also, das laut Wef das Potenzial besitzt, die eigene Branche tiefgreifend zu transformieren. «Eine grosse Ehre. Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung», sagt Eykher stolz.

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