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Bossard-Kurs bricht nach Analystenkommentar ein

Die Bank Vontobel passt die Prognosen für den Verbindungstechniker an. Die Erwartungen bezüglich der Lieferungen an Tesla waren zu hoch.

Um fast 15% ist der Aktienkurs des Schweizer Schraubenhändlers Bossard (BOSN 142.3 2.23%) am Mittwochnachmittag eingebrochen. Dann nutzten Anleger die Chance für einen günstigen Einstieg, was den Kurs wieder leicht steigen liess. Der Grund für den Kursverlust: ein Analystenkommentar der Bank Vontobel (VONN 54.1 -0.46%), der pessimistischer ausfiel als zuvor. Vontobel reduzierte die Wachstums- und Gewinnprognosen für Bossard für das laufende Jahr und die nächsten Jahre.

Tesla-Modell 3 bringt Wandel

Der Analyst verwies als Begründung auf Bossards grössten Einzelkunden, Tesla. Der Elektroautohersteller macht bei Bossard geschätzte 7% des Umsatzes aus. Bossard wuchs lange mit Tesla mit. Doch Teslas neues Modell 3 bringt einen Wandel: Die Einführung des Modells 3 beeinträchtige das Umsatzpotenzial von Bossard, heisst es in dem Analystenkommentar. Der Umsatz in US-Dollar, den Bossard beim Modell 3 pro Stück erziele, sei rund viermal geringer als bei den Modellen S und X. Zwar dürfte Tesla künftig mehr Fahrzeuge verkaufen. Das Wachstum sei aber ausschliesslich auf das Modell 3 zurückzuführen, was für Bossard ungünstig sei, so der Analyst.

Dass Bossard für das Modell 3 weniger Komponenten liefern kann, liegt in der Natur des Geschäfts des Schweizer Unternehmens. Das Modell 3 wird in grösserer Stückzahl hergestellt. Wegen des höheren Volumens kann Tesla die benötigten Schrauben zunehmend direkt beim Hersteller einkaufen und ist weniger auf Händler wie Bossard angewiesen. Zudem wird beim Modell 3 mehr geschweisst und weniger geschraubt, was den Bedarf an Schrauben ebenfalls reduziert. Diese Entwicklungen sind allerdings nicht wirklich überraschend. Bossard kündigte schon länger an, für das Modell 3 weniger liefern zu können als für die Modelle X und S.

Konjunktursorgen bremsen ebenfalls Fantasie

Die Herabstufung durch Vontobel muss folglich auch als Korrektur ihres zuvor eher optimistischen Ausblicks gewertet werden. Dazu kommt das veränderte Makroumfeld. Die Nachfrage sei in Europa und Asien in den letzten zehn Monaten erheblich zurückgegangen, heisst es in dem Kommentar: «Wir halten es für unwahrscheinlich, dass Bossard das starke Geschäftsjahr 2018 in naher Zukunft wesentlich übertreffen wird.»

Vontobel rechnet für 2019 neu mit einem Umsatz von 880 Mio. Fr., was 3,3% unter der bisherigen Prognose liegt. Die Schätzung für den Reingewinn liegt neu 5,9% tiefer bei 80,4 Mio. Fr. Das Kursziel der Aktie wird von bislang 185 auf 140 Fr. gesenkt, die Empfehlung von «Hold» auf «Reduce» herabgestuft.

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