Märkte / Makro

Pfund kommt nach Zinsentscheid unter Druck

Die Bank of England prüft mit Blick auf den Brexit verschiedene Optionen, auch Negativzinsen sind kein Tabu.

(Reuters) Wenige Monate vor der endgültigen Abspaltung Grossbritanniens von der EU denkt die Notenbank laut über eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik nach. Die Währungshüter um Notenbankchef Andrew Bailey beliessen den Leitzins am Donnerstag zwar bei 0,1%.

Doch eine Senkung in den negativen Bereich ist kein Tabu: Der geldpolitische Ausschuss hat sich bereits ein Bild davon gemacht, wie ein Leitzins unterhalb der Nulllinie bei Bedarf effizient umgesetzt werden könnte. Negativzinsen gelten als unkonventionelles Instrument, um in Krisenzeiten die Kreditvergabe der Banken an die Wirtschaft anzuschieben.

Aus Furcht vor der Einführung negativer Zinsen in Grossbritannien zogen sich Anleger aus dem Pfund Sterling zurück. Es verbilligte sich um jeweils etwa ein halbes Prozent auf 1,29 $ und 1,0930 €.

Die Londoner Währungshüter gehen davon aus, dass das Volumen ihres laufenden Wertpapierkaufprogramms zur Stützung der Wirtschaft im Umfang von 745 Mrd. £ gegen Jahresende ausgeschöpft sein dürfte. Da sie den Wirtschaftsausblick für «ungewöhnlich unsicher» halten, stehen sie bereit, ihren geldpolitischen Kurs bei Bedarf anzupassen. Viele Ökonomen erwarten, dass das Bond-Programm im November aufgestockt wird.

Kommt harter Brexit?

Die Währungshüter betonten mit Blick auf die nächste Sitzung, sie wollten die mit dem Brexit zusammenhängenden wirtschaftlichen Aspekte mit ins Kalkül nehmen. Vorerst muss die Notenbank weiter mit der Ungewissheit leben, ob es zum Jahresende zu einem insbesondere von der Wirtschaft gefürchteten harten Brexit kommt oder doch noch eine Einigung mit der EU gelingt. «Die heutige Mitteilung der Bank of England entspricht den Erwartungen und belässt der Zentralbank die Möglichkeit, der Wirtschaft inmitten der Unsicherheit Schub zu verleihen», so die Einschätzung von Douglas Grant von der Bank Conister.

Grossbritannien ist zwar Ende Januar aus der EU ausgetreten, bis Jahresende gilt aber noch eine Übergangsphase. Die Verhandlungen mit der EU über die künftigen Beziehungen stecken in der Sackgasse, seit Premier Boris Johnson mit einem geplanten Gesetz für einen neuen Streit sorgte. Das bereits von einer Parlamentskammer gebilligte Binnenmarktgesetz soll der britischen Regierung die Möglichkeit für einen Bruch des bereits ratifizierten Vertrags zum Austritt aus der EU geben.

In dem Abkommen ist geregelt, dass es keine sogenannte harte Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland geben darf. Auch künftig soll in Nordirland der EU-Zollkodex gelten. Doch das geplante Gesetz hätte zur Folge, dass diese Regelung zu grossen Teilen ausgehebelt würde.