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Britische Regierung auf Kollisionskurs mit der Notenbank

Die Bank of England warnt vor Zinserhöhungen, falls der starke Inflationsdruck anhalten sollte. Premierminister Boris Johnson verspricht gleichzeitig höhere Löhne.

Am Montag ist in Grossbritannien die von Premierminister Boris Johnson angekündigte «Operation Escalin» angelaufen. Rund 200 Soldaten befinden sich im Einsatz. Mindestens die Hälfte von ihnen als Fahrer für Tanklastwagen, um die Zapfsäulen des Königreichs wieder mit Benzin und Dieselkraftstoff aufzufüllen. Die Lage hatte sich bereits zuvor etwas entspannt. Der Branchenverband teilt mit, dass nur noch etwa jede fünfte Tankstelle in London und im Südosten des Landes ohne Treibstoff sei. In maximal zehn Tagen habe sich die Lage normalisiert.

Der Benzinnotstand legt die wirtschaftspolitischen Herausforderungen offen, mit denen Grossbritannien nach dem Brexit zu kämpfen hat. Die Regierung hat alle Hände voll zu tun, Schlimmeres zu vermeiden. Die Folgen ihrer Entscheidungen tangieren mehr und mehr die Bank of England und den Kurs der künftigen Zinspolitik.

«Noch vor Ende Jahr»

In Grossbritannien sind die Sorgen um eine zu hohe Inflation grösser als in den Partnerstaaten. Ende des Jahres dürfte sie 4% erreichen. Während die Spitzen des Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank weiterhin betonen, dass es sich um ein temporäres Phänomen handle, das 2022 verschwinde, und man sich deshalb vor überstürzten geldpolitischen Kurskorrekturen hüten solle, klingt es aus London ganz anders. An der Sitzung der Bank of England (BoE) vergangene Woche erklärte die gesamte Spitze, dass sie sich vorstellen könne, bereits vor Ende des Jahres, wenn sie die Anleihenkäufe einstelle, die Leitzinsen zu erhöhen.

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