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Britischer Mobilfunkkonzern schliesst Semester besser ab als erhofft – 8,1 Mrd.£ Goodwillamortisation – Aktien sind noch immer kein Kauf

London

«Den harten Preiskampf mit der Konkurrenz und den Druck der Regulatoren in Europa haben wir dank unserer erstklassigen Performance in den Schwellenländern und den USA ausgeglichen», stellte Arun Sarin, der Chief Executive Officer (CEO) des britischen Mobilfunkgiganten Vodafone, anlässlich der Präsentation des jüngsten Halbjahresabschlusses zufrieden fest. Von den vier Kernmärkten Deutschland, Spanien, Grossbritannien und Italien steigerte jedoch nur Spanien den Umsatz (+15%).
Konzernweit verbesserte Vodafone den Erlös im ersten Semester per Ende September um 7,2% auf 15,6 Mrd.£ (36 Mrd. Fr.). Der Betriebsgewinn stieg vor Goodwillabschreibung und Sonderaufwand (Ebitda) um 5,7% auf 6,24 Mrd.£, was deutlich über den Erwartungen der Analysten lag. Vor allem wegen eines Goodwillabschreibers von 8,1 Mrd.£ resultierte unter dem Strich jedoch ein Vorsteuerverlust von 3,3 Mrd.£. Die Wertberichtigungen sind in erster Linie auf das Deutschlandgeschäft und damit auf die Akquisition von Mannesmann zurückzuführen, die Vodafone vor mehr als sechs Jahren 186 Mrd.$ gekostet hatte.
Der Verkauf des japanischen und des schwedischen Geschäfts füllte die Kasse von Vodafone im ersten Semester mit über 15 Mrd.$. Es ist zu erwarten, dass sich das Unternehmen aus weiteren Märkten zurückziehen wird, deren Wachstum ausgereizt ist.

Sarin erwägt Swisscom-Verkauf

In Europa will der Mobilfunkspezialist die Profitabilität vor allem durch besseres Kostenmanagement steigern. Die Auslagerung von Diensten wie dem Unterhalt der IT-Plattformen und der Entwicklung von Applikationen an Partner wie IBM und EDS soll in diesen Bereichen 25 bis 30% Kosten sparen. Zudem sollen Netzwerke, wie in Spanien bereits geschehen, mit Konkurrenten geteilt werden.
Mit Blick auf das Engagement in der Schweiz verdichten sich die Anzeichen, dass Vodafone ihren Anteil von 25% an Swisscom Mobile dem Schweizer Telecomkonzern veräussert. Für die Kapitalverflechtung hatte Vodafone einst 4,5 Mrd.£ auf den Tisch gelegt. Swisscom-CEO Carsten Schlotter liess jüngst durchblicken, dass der Erwerb des Vodafone-Anteils nur eine Frage der Zeit sei (vgl. FuW Nr.89 vom 11.November). Sarin erklärte am Dienstag gegenüber Journalisten, den Verkauf zu erwägen, sobald eine vollständige Offerte auf dem Tisch liege.
In Europa will Vodafone die Rentabilität ausser durch Einsparungen durch die Zusammenführung von Aktivitäten im Festnetz- und Mobilfunkgeschäft steigern. Mit Vodafone At Home werden dem Kunden beide Netze auf einem Telefon angeboten. Erfreulich ist, dass in den Kernmärkten immer weniger Kunden zur Konkurrenz abwandern. Durch die Aufkündigung der Kooperation mit dem Handyverkäufer Carphone Warehouse in Grossbritannien und der Bindung an den Partner Phones4U erhofft sich Vodafone eine weitere Verbesserung der Profitabilität (vgl. Kasten). Ungeklärt bleibt, ob und wann Vodafone die französische Mobiltelefongesellschaft und Vivendi-Tochter SFR kauft.
Während in Europa das Ziel gilt, den Umsatz und die Margen möglichst zu halten, wächst Vodafone in Märkten wie Ägypten (+40,2%), Indien (+50%) und Südafrika (+20,8%) noch immer rasant. In Indien haben derzeit weniger als 10% der Bevölkerung ein Handy. Auch in Rumänien (31,3% mehr Umsatz) und Tschechien (+14,4%) läuft das Geschäft rund. Vodafone schlägt sich in all diesen Märkten deutlich besser als erwartet.

Wertvolle US-Beteiligung

Ausgezeichnet läuft das Geschäft in den USA. Vodafone hält 45% an Verizon Wireless, der Mobilfunksparte von Verizon Communications. Seit Monaten wird über den Verkauf der Beteiligung spekuliert. Doch angesichts der Wachstumsraten und der hohen Margen in den USA müsste ein Interessent einen hohen Preis zahlen, um Vodafone von einem Verkauf zu überzeugen. Die Rede ist von über 50 Mrd.$.
Der jüngste Semesterausweis stärkt die Position von Arun Sarin. Trotzdem hat der vor drei Jahren engagierte Konzernchef die ihn gesetzten hohen Erwartungen bis jetzt nicht vollständig erfüllt. Die Aktien des Mobilfunkkonzerns sind weiterhin kein Muss. In den vergangenen zwölf Monaten haben sie 30% an Wert eingebüsst. Der Abwärtstrend dürfte dank des Wachstums in den Schwellenländern und des erfolgreichen Kostenmanagements in Europa zwar gestoppt sein. Grosse Avancen sind jedoch nicht zu erwarten.

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