Die da unten wählen die da oben: die Biedermänner in den niedrigen Bürgerhäuschen die Berufspolitiker im hohen Hause. Die Leute im Strassburger Quartier Wacken – wie in der ganzen EU – sind vom 23. bis 26. Mai zur Wahl der 751 Abgeordneten des Europäischen Parlaments aufgerufen. Die EP-Mitglieder treten jährlich zu zwölf jeweils viertägigen Plenarsitzungen in der Elsässer Metropole zusammen. Die Kommissionen und Fraktionen des auf fünf Jahre bestimmten EP tagen in Brüssel, wo zudem weitere Plenarsitzungen stattfinden; das Generalsekretariat des EU-Parlaments wiederum werkelt ungefähr inmitten, in Luxemburg. Eine weitere Besonderheit ist, dass das EP keine Gesetze vorschlagen kann – das Initiativrecht liegt bei der EU-Kommission. Ohne das Einverständnis des EP geht jedoch legislativ nichts, immerhin. Weil der Brexit, falls überhaupt jemals, erst am kommenden 31. Oktober vollzogen wird, muss das Vereinigte Königreich an den Wahlen teilnehmen. Sobald es ausscheidet, werden einige seiner 73 Sitze an bislang unterrepräsentierte Länder fallen und wird der Rest für Beitrittskandidaten freigehalten. Das ausgerechnet jetzt, da die englische Sprache den Begriff «the spitzenkandidat» eingebürgert hat. (Bild: Daniel Kalker/DPA/Keystone)