Unternehmen / Finanz

Buhlen um andrer Leute Geld

Die Versicherer forcieren die Vermögensverwaltung und liefern sich mit Banken einen Wettbewerb um Kundengelder.

Swiss Life (SLHN 492.5 -0.46%) ist mit 17 Mrd. Fr. Anlagegeldern zehntgrösster Anbieter von Publikumsfonds in der Schweiz. Der Versicherer hat bei den sonst von Banken dominierten Kollektivanlagen im vergangenen Jahr an Volumen gewonnen, obschon der Gesamtmarkt 4% auf 1,04 Bio. Fr. schrumpfte. Im ergänzenden Markt der Pensionskassenfonds ist Zurich Insurance (ZURN 349 0.06%) mit 18,6 Mrd. Fr. drittgrösster Anbieter, nur wenig hinter den Grossbanken UBS (UBSG 11.825 -0.8%) und Credit Suisse (CSGN 12.14 -1.14%).

Bei den Fonds für Vorsorgeeinrichtungen – im Fachbegriff Anlagestiftungen genannt – machen weitere Versicherer den Banken Konkurrenz. Swiss Life betreut für Vorsorgeinstitutionen 8 Mrd. Fr. Baloise (BALN 181.9 -0.05%) kommt gemäss der Anbieterstatistik auf 1,7 Mrd. Fr., Helvetia (HELN 127.1 -0.78%) auf 0,9 Mrd. In diesen Summen zusammengefasst sind gemischte Anlagefonds wie auch Gefässe für gesonderte Anlageklassen wie bspw. Frankenobligationen, Fremdwährungsanleihen oder Hypothekenportefeuilles.

Ambition 100 Mrd. Fr.

Swiss Life hat in der Vermögensverwaltung für Dritte besonders hohe Ambitionen. Werden Mandate mit grossen institutionellen Anlegern mitgezählt, sind bereits 66 Mrd. Fr. zusätzlich zum eigenen Versicherungsvermögen von 162 Mrd. Fr. an den Anlagemärkten investiert. Konzernchef Patrick Frost hat für den Zeitraum bis 2021 das Ziel gesetzt, die auf Honorarbasis betreuten Anlagegelder auf 100 Mrd. Fr. auszuweiten.

Pensionskassen und andere Institutionen hätten einen vergleichbaren Investmentbedarf, sagte Frost im Dezember zu «Finanz und Wirtschaft». Für diese Kundschaft seien Versicherer glaubwürdigere Anlagepartner als die Banken. Mit der Avance in der Vermögensverwaltung wird das Geschäftsmodell der einstigen Rentenanstalt weiter umgekrempelt.

Honorare treiben Aktienkurs

Seit einigen Jahren steigen die Kommissionseinnahmen aus Vermögens-, Makler- und Immobiliendiensten rascher als das Prämienvolumen des Stammgeschäfts Lebensversicherung. Nicht zuletzt deshalb lassen die Aktien Swiss Life die Papiere der Wettbewerber hinter sich.

Der Versicherer Helvetia hat eben erst den für Pensionskassen aufgelegten Immobilienfonds durch Emission von Anteilen im Wert von 110 Mio. Fr. auf über 700 Mio. Fr. vergrössert. Gemäss Investmentchef Ralph Honegger wird zwar «nicht eine generelle Positionierung als Vermögensverwalter auf Honorarbasis» gesucht: «Es ergibt sich aber eine Win-Win-Situation. Anlagekunden profitieren dank unserer Grössenvorteile von tieferen Fondsgebühren, und Helvetia erzielt ergänzende Einnahmen.»

Identisch ist die Situation für Zurich Insurance. Der grösste Schweizer Versicherer verwaltet in der Schweiz 35 Mrd. Fr. für Dritte, berichtet Martin Gubler, Chef der zuständigen Tochtergesellschaft Zurich Invest. Zusammen mit den rund 200 Mrd. Fr. konzerneigenen Vermögensanlagen würde ein günstiger Skaleneffekt erreicht, der über günstige Verwaltungskommissionen an die Anlagekunden weitergegeben werde. Eigene Spezialisten konzentrierten sich auf Fonds und Mandate mit Immobilien- und Hypothekenportefeuilles, erklärt Gubler: «Die Vermögensverwaltung hat für den Konzern den Vorzug, nur wenig Eigenkapital zu binden.»

Der Westschweizer Versicherer Vaudoise bietet über die Tochtergesellschaft  Berninvest Anlagefonds für private und institutionelle Anleger an. Dieser Geschäftsteil umfasst rund 2 Mrd. Fr. Anlagegelder. Er soll gemäss Sprecherin Carole Morgenthaler die Einnahmen diversifizieren und dazu beitragen, den Gruppengewinn zu stabilisieren.

Schweiz auf Platz vier

Im Oktober lancierte Baloise erstmals einen Immobilienfonds für institutionelle Anleger. Er wird ab Frühling als Element anlagegebundener Lebensversicherungspolicen auch Privaten offen stehen. Investmentchef Matthias Henny betreut seit zwei Jahren zudem ein Portfolio besicherter Unternehmensdarlehen. In diesen Fonds mit Senior Secured Loans dürfen auch externe Investoren anlegen. Bei Obligationen und Aktien positioniert sich Baloise mit einem aktiven Konzept, das regelbasiert mit System mehr als herkömmliche Indexanlagen abwerfen soll.

Die Versicherer beanspruchen einen massgeblichen Teil des schweizerischen Kuchens der Vermögensverwaltung. Die Asset Management Plattform Schweiz, die sie zusammen mit der Bankbranche als Interessenvereinigung betreiben, verglich zusammen mit der Hochschule Luzern die Wettbewerbsfähigkeit des hiesigen Asset Management mit ausländischen Standorten: Nach Bewertung von 68 Kriterien steht  Zürich auf dem global vierten Platz, nach Singapur, London und New York.

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