Meinungen

Bulle oder Bär?

Der Bullenmarkt ist per Definition zurück. Das ist aber kein Grund, die Vorsicht über Bord zu werfen. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Nichts fühlt sich so an wie der Optimismus, der einen normalen Bullenmarkt begleitet. »

Unglaublich, aber wahr: Der Aktienmarkt hat es am Donnerstag in einen Bullenmarkt geschafft. Das gilt zumindest für den US-Blue-Chip-Index Dow Jones (Dow Jones 25383.11 -0.07%) Indus­trial, der von seinem Tief mittlerweile 20% zugelegt hat. Gemäss Definition bedeutet das, der Bärenmarkt ist ­offiziell zu Ende; ein neuer Bullenmarkt beginnt.

Nur elf Tage hat das Zeitalter des Pessimismus und der schlechten Stimmung ­gedauert. Jetzt ist wieder alles gut. Natürlich ist das ­Unsinn. Die puristischere und derzeit sinnvollere Definition eines Bullenmarktes fordert, neben der Kurs­bewegung von 20%, auch ein neues Höchst. Davon sind wir weit entfernt. Die Schwankungen am Aktienmarkt sind weiterhin enorm. Ob der Markt nun munter zwischen Bulle und Bär hin und her hüpft, sollte die Anleger nicht gross kümmern.  

Nichts fühlt sich im Moment so an wie der Optimismus, der einen normalen Bullenmarkt begleitet. Pessimismus, Verunsicherung, Ziellosigkeit und teilweise Panik dominieren den Markt. Die Psychologie hat die Anleger im Griff, und das ist schlecht. Nur ein rationaler Markt, in dem Bewertungen und Prognosen zählen, wird Sicherheit und irgendwann einen richtigen Bullenmarkt zurückbringen.

Ein Blick auf den SMI (SMI 9831.49 -0.95%) zeigt ein realistischeres Bild. Unser Leitindex ist von seinem Tief rund 10% avanciert. Einige Anleger kehren im Schlepptau der Bewegungen in den USA in den Markt zurück. Doch richtig davon überzeugt, dass es ab jetzt nur noch aufwärtsgeht, ist kaum jemand. Das ist gut so. Wer dennoch auf Kurs­gewinne spekuliert, der muss das in vollem Bewusstsein tun, dass er Rückschläge aussitzen kann, und bereit sein, lange auf Gewinne zu warten.