Unternehmen / Schweiz

Bund lehnt vorzeitige Aufhebung der befristeten Betriebsbewilligung ab – Einfluss auf Erfolgsrechnung – Bewertungsprämie reduziert

Michael Romer

Das Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) ist die wichtigste Produktionsstätte der BKW FMB Energie. Die 1972 in Betrieb genommene Anlage deckt mit über 800 Gigawattstunden (GWh) Jahreserzeugung mehr als 20% der selbst bzw. 10% der insgesamt über Beteiligungen und Bezugsrechte produzierten Strommenge der Bernischen Kraftwerke ab. Entsprechende Bedeutung hatte der Entscheid des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation Uvek und dessen Chef, Bundesrat Moritz Leuenberger, in der abgelaufenen Woche: Es lehnte ein Gesuch um vorzeitige Aufhebung der befristeten Betriebsbewilligung bis 2012 (für 40 Jahre) ab.
2010 muss der Fall klar sein
Die BKW hatten im Januar 2005, wenige Tage vor Inkrafttreten des neuen Kernenergiegesetzes (KEG), eine unbefristete Konzession verlangt, wie sie alle anderen Schweizer Kernkraftwerke (KKW) bereits haben (vgl. Tabelle). Zuletzt hatte die zur Axpo gehörende NOK für das KKW BeznauII im Dezember 2004 nach knapp drei Jahren in einem ordentlichen Verfahren (aber noch nicht unter dem neuen KEG) eine entsprechende Bewilligung erhalten. Wollen die BKW das KKM über 2012 hinaus betreiben, so müssen sie gemäss Uvek ein «atomrechtliches Bewilligungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung» beantragen.
Ob die BKW diesen Weg einschlagen werden, ist nicht sicher. Sie haben auch die Möglichkeit, den Entscheid des Uvek vor der zuständigen Rekurskommission für Infrastruktur und Umwelt anzufechten und notfalls bis vor das Bundesgericht zu ziehen. Dazu müssten sie sich allerdings bis Mitte Juli entscheiden. Unklar ist, welche Haltung die Rot-Grüne Mehrheit in der Berner Regierung einnimmt und wie sich die beiden Regierungsvertreter des Kantons (Hauptaktionär mit 52,9%) im Verwaltungsrat der BKW verhalten werden. Spätestens bis 2010 sollte das Unternehmen jedoch Rechtssicherheit erlangt haben, weil dann notwendige Ersatzinvestitionen gesprochen werden müssten.
Eine Verlängerung der Betriebsbewilligung ist für die BKW finanziell vorteilhaft. Wie und wann sich eine von 40 auf beispielsweise 50 Jahre verlängerte Betriebszeit auf die Rechnung auswirken könnte, lässt sich gemäss BKW-Finanzchef Christian Sahli jedoch nicht genau beziffern. Gegenwärtig steht das KKM (zusammen mit zehn Wasserkraftwerken) noch mit insgesamt 129,5 Mio. Fr. in den Büchern der BKW. Der Buchwert von Mühleberg allein wird nicht offen gelegt. Der Abschreibungssatz für das KKM ist derzeit auf 40 Jahre ausgelegt, womit dieses bis 2012 auf null abgeschrieben ist. Die Anlage würde mit einer Verlängerung der Betriebsdauer ohne Amortisationen auf einen Schlag mehr Gewinn schreiben.
Sahli gibt allerdings zu bedenken, dass der aktuelle Restbuchwert über den neuen längeren Zeitraum abzuschreiben wäre, falls BKW rechtlich eine unbefristete Betriebsbewilligung erkämpft oder auf ordentlichem Weg erhält. Damit würde der Abschreibungsaufwand bereits im Jahr des Entscheids abnehmen und der Gewinn entsprechend höher ausfallen. Dem stehen jedoch Ersatzinvestitionen von rund 100 Mio. Fr. für einen zehn Jahre längeren Betrieb gegenüber. Wird das berücksichtigt, so wäre der Einfluss auf den Gewinn neutral.
Aktien nach Korrektur gefragt
Die Aktien BKW haben auf die Nachricht weniger reagiert als auf die allgemeine Schwäche des Gesamtmarkts. BKW haben sich nach der Korrektur der vergangenen Wochen dem europäischen Stromindex genähert (Vgl. Chart). Die Titel weisen zum Kurs-Gewinn-Verhältnis 18 für 2006 gemessen an europäischen Vergleichswerten nur noch eine leichte Prämie auf. Die Aktien der beiden anderen Schweizer Kernkraftwerkbesitzer, der Axpo-Töchter EG Laufenburg und CKW, sind günstiger (vgl. Tabelle). Lombard Odier Darier Hentsch stuft BKW trotz der Mühleberg-Verzögerung wieder als Kauf ein und setzt sie neu auf ihre Schweizer Empfehlungsliste.

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.