Märkte / Makro

Deutschland im Minus-Club

Deutsche zehnjährige Staatsanleihen rentieren zum ersten Mal negativ. Es ist das dritte Land mit einer Rendite unter null.

Die Flucht in sichere Staatsanleihen setzt sich fort. Heute Dienstag sind die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen zum ersten Mal unter null gefallen. Am Vormittag wurden sie für kurze Zeit zu –0,0037% gehandelt. Schweizer Pendants weisen derzeit eine Marktrendite von –0,528% auf.

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Die Unsicherheit an den Finanzmärkten ist nach wie vor gross: Immer mehr Umfragen deuten darauf hin, dass Grossbritanniens Wähler mehrheitlich einen Ausstieg aus der EU (Brexit) befürworten.

Morgen Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed über den weiteren geldpolitischen Kurs. Die Märkte warten gespannt, ob die Notenbank das wirtschaftliche Umfeld immer noch so robust einschätzt wie vor dem Erscheinen des enttäuschenden Arbeitsmarktberichts vor zehn Tagen.

Bondrenditen weltweit im Sinkflug

Nach der Schweiz und nach Japan ist Deutschland das dritte Land in der Geschichte, deren lange Anleihenrenditen unter null liegen. Über 70% der deutschen Staatsanleihen weisen jetzt eine Rendite unter null auf. Bei 45% liegt sie sogar unterhalb von –0,40%. Das ist die Schwelle, ab der die Anleihen nicht mehr von der Europäischen Zentralbank im Rahmen des Wertschriftenprogramms gekauft werden können.

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Die Nachfrage nach sicheren Obligationen hat in den vergangenen Wochen die Marktzinsen über sämtliche Laufzeiten weiter nach unten gedrückt. Damit sind Anleihen in diesem Jahr die Anlageklasse mit der besten Performance. Wer Ende Mai eine dreissigjährige deutsche Anleihe erworben hat, hat einen Kursgewinn von rund 8% erzielt. Selbst mit negativ rentierenden Schweizer zehnjährigen Bundesanleihen haben Anleger durch die Aufwertung von 113,2 auf über 118% seit Anfang Jahr 5% gewonnen.

Franken und Yen werten sich auf

Im Zuge der allgemeinen Tendenz zum Abbau riskanter Positionen (Risk-off) werten sich die traditionell als sichere Häfen geltenden Währungen auf. Der Euro-Franken-Kurs ist unter 1.085 Fr./€ gefallen.

Der Yen hat gegenüber dem Dollar dieses Jahr mehr als 10% Wert gewonnen und notierte heute früh zum ersten Mal seit 2014 unter 106 Yen/$.

Yen und Franken sind Tiefzinswährungen und werden zur Finanzierung von Zinsdifferenzgeschäften (Carry Trades) genutzt. Werden diese Geschäfte aufgelöst, steigt die Nachfrage nach Yen und Franken sprunghaft an und verstärkt die Aufwertungstendenz.