Im Haus zum Schlossgarten sass von Frühling bis Herbst 1798 unsere Regierung. Die Schweiz hiess damals Helvetische Republik, geführt wurde sie von einem fünfköpfigen Direktorium, Aarau war kurzzeitig Hauptstadt. Innere Un­ruhen und der Einmarsch französischer Truppen hatten die überlebte Alte Eidgenossenschaft dahingefegt. Der Einheitsstaat nach französischem Muster und von Frankreichs Gnaden hatte jedoch keinen Bestand; 1803 machte Napoleon die Schweiz mit der Mediationsakte wieder zum Staatenbund. In der Geschichtsschreibung kommt die gescheiterte Helvetik zu schlecht weg. Diese kurzen fünf Jahre waren aussergewöhnlich. Die führenden Köpfe des neuen Staats waren Aufklärer, Idealisten, Erneuerer – keine Jakobiner und Vaterlandsverräter. Sie stiessen mit ihren vielen Reformen einen überfälligen Modernisierungsschub an. Doch alles ­Bemühen trug den Makel der Importware. Der Historiker und frühere Zürcher Stadtpräsident Sigmund Widmer sagte es so: «Als ganz besonders unsympathisch empfand der nüchterne Schweizer … das von der Französischen Revolution übernommene überschwängliche Pathos.» Heutzutage ist EU-Inbrunst nicht beliebter.(Bild:Gaetan Bally/Keystone)