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Vorsorge-Mindestzins bleibt auf 1% stabil

Der Bundesrat belässt den Zins für Vorsorgeguthaben bei Pensionskassen im 2021 unverändert. Die Versichererbranche kritisiert.

(AWP/TH) Die Pensionskassen-Guthaben sollen gleich hoch verzinst werden wie bisher: Der Bundesrat hat am Mittwoch beschlossen, dass der Zinssatz im kommenden Jahr bei 1% bleibt.

Die Vorsorgeeinrichtungen müssen den BVG-Mindestzins lediglich auf dem Basisteil der Vorsorgegelder gewähren (BVG-Obligatorium). Auf übersteigenden Sparguthaben der Erwerbstätigen (Überobligatorium) dürfen die Pensionskassen die Zinsgutschrift jedes Jahr abhängig von der Finanzlage eigenständig festlegen.

Kassen behalten Ermessensspielraum

Dies erlaubt den Vorsorgeeinrichtungen, Rücksichten zu nehmen auf ihre individuelle finanzielle Lage. Sie hängt auch ab vom jährlichen Anlageergebnis. Im laufenden Jahr zeigen die Vorsorgegeld-Indizes von Pictet eine Performance von etwa -1% an.

Die jährliche Zinsgutschrift ist für pensionsversicherte Angestellte wesentlich. Sie bestimmt, in welchem Mass das Zwangsgesparte der zweiten Vorsorgesäule durch den Vermögensertrag wächst und hat so indirekt Auswirkung auf den späteren Anspruch auf Rente.

Fachratschlag nicht berücksichtigt

Die Eidgenössische Kommission für berufliche Vorsorge (BVG-Kommission), in der Versicherungen und Sozialpartner vertreten sind, hatte dem Bundesrat Ende August empfohlen, den Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge 2021 von 1% auf 0,75% zu senken. Der Bundesrat sei nun aber darüber informiert worden, «dass eine Überprüfung des Mindestzinssatzes in der beruflichen Vorsorge in diesem Jahr nicht notwendig ist», heisst es in einer Mitteilung.

Versichererbranche kritisiert

Für den Schweizerischen Versicherungsverband ist die Entscheidung der Regierung sachlich nicht haltbar und rein politisch motiviert, wie der SVV in einer Sofortstellungnahme mitteilt. Seines Erachtens sollte der BVG-Mindestzinssatz für 2021 bei 0,25% liegen. Auch der Pensionskassenverband ASIP mahnt, der bundesrätliche Entscheid setze viele Einrichtungen der beruflichen Vorsorge unter Druck, weil sie bereits im laufenden Jahr auf Reserven zurückgreifen müssten.

Einflussfaktoren für die Festlegung des Mindestzinssatzes sind die Entwicklungen der Rendite der Bundesobligationen sowie die Werte der Investments in Aktien, Anleihen und Liegenschaften. Der BVG-Zins ist in den vergangenen Jahren mehrmals angepasst worden. Von 1985 bis 2002 betrug er 4%. Per 2012 wurde er auf 1,5% gesenkt. 2014 erhöhte der Bundesrat den Mindestzinssatz wieder auf 1,75%, 2015 senkte er ihn auf 1,25%. Seit 2017 beträgt der Satz 1%.