Märkte / Makro

Banken müssen wieder mehr Eigenmittel für Hypotheken halten

Der Bundesrat führt mit Unterstützung von SNB und Finma den antizyklischen Kapitalpuffer wieder ein. Er ist zu Beginn der Coronakrise deaktiviert worden.

(AWP) Der Bundesrat reaktiviert auf Antrag der Schweizerischen Nationalbank (SNB (SNBN 7'000.00 -0.28%)) den wegen der Corona-Pandemie ausgesetzten antizyklischen Kapitalpuffer. Mit einem Niveau von 2,5% fällt er um einen halben Prozentpunkt höher aus als vor der Deaktivierung im März 2020.

Die Banken werden damit verpflichtet, ab dem 30. September 2022 zusätzliche Eigenmittel zu halten, wie Mitteilungen von Bundesrat und SNB vom Mittwoch zu entnehmen ist. Der Entscheid sei aufgrund der Entwicklungen an den Immobilien- und Hypothekarmärkten erfolgt. Seit der Deaktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers hätten sich die Verwundbarkeiten an den Märkten erhöht.

So seien sowohl das Hypothekarkreditvolumen als auch die Wohnliegenschaftspreise stärker gestiegen als es Fundamentalfaktoren wie Mieten oder Einkommen erklären könnten, schreibt die SNB in ihrer Mitteilung. Die Tragbarkeitsrisiken verharrten auf hohem Niveau oder stiegen im Segment der Wohnrenditeliegenschaften weiter. Eine starke Korrektur an diesen Märkten würde den Bankensektor respektive die Wirtschaft in der Schweiz spürbar belasten.

Keine Anzeichen für Kreditverknappung

Der antizyklische Puffer war im März 2020 zu Beginn der Coronakrise deaktiviert worden. Damit sollte den Banken den grösstmöglichen Spielraum bei der Kreditvergabe an Unternehmen gewährt werden. Die Gründe, die zur Deaktivierung führten, seien aber heute nicht mehr gegeben – auch dank der behördlichen Massnahmen, hält die SNB fest. «Es gibt keine Anzeichen einer Kreditverknappung bei Unternehmen.»

Mit der Reaktivierung des antizyklischen Puffers solle in erster Linie die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors aufrechterhalten und wo nötig gestärkt werden, so die SNB. Damit könnten die negativen Folgen einer starken Korrektur am Schweizer Hypothekar- und Wohnliegenschaftsmarkt für den Bankensektor und die Schweizer Wirtschaft beschränkt werden.

«Die Nationalbank wird die Entwicklungen am Hypothekar- und Immobilienmarkt weiterhin aufmerksam beobachten und prüfen, ob weitergehende Massnahmen notwendig sind, um die Risiken für die Finanzstabilität einzudämmen», schreibt die SNB in ihrer Mitteilung weiter.

Finma begrüsst Massnahme

Auch die Finanzmarktaufsicht Finma befürwortet die Reaktivierung des Kapitalpuffers, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Die Immobilien- und Hypothekarmärkte zeigten für Wohnliegenschaften klare Überhitzungstendenzen, die Tendenz habe sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie gar noch akzentuiert. Es handle sich daher um einen «richtigen Schritt zu mehr Sicherheit und Stabilität des Finanzsystems». Die Finma werde die Umsetzung des Entscheids bei den Banken eng begleiten.