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PostFinance könnte an die Börse gehen

Der Bundesrat will PostFinance teilweise privatisieren. Künftig soll die Post-Tochter auch Kredite und Hypotheken vergeben dürfen. Grund für den Entscheid ist der einbrechende Ertrag.

(AWP/VA) PostFinance soll nach dem Willen des Bundesrats in Zukunft Kredite vergeben dürfen und teilprivatisiert werden. Die Landesregierung hat am Mittwoch beschlossen, eine entsprechende Gesetzesänderung ausarbeiten zu lassen. Ihrer Meinung nach würden Konsumentinnen und Konsumenten vom Eintritt von PostFinance in den Kredit- und Hypothekarmarkt profitieren, weil das zu mehr Wettbewerb führt.

Zusätzliche Risiken für die Finanzmarktstabilität sieht der Bundesrat nicht. Der Markteintritt erfolge in kleinen Schritten über mehrere Jahre hinweg, schreibt er in einer Mitteilung. Er betont, dass PostFinance keine Staatsgarantie geniesst und verpflichtet ist, die Grundversorgung im Zahlungsverkehr zu erbringen. Ungerechtfertigte Wettbewerbsverzerrungen sind daher laut Bundesrat nicht zu erwarten.

Börsengang möglich

Die Öffnung des Aktionariats hält er für nötig, um das zusätzlich notwendige Eigenkapital zu beschaffen und um die Beteiligungsrisiken des Bundes zu reduzieren. Auf die Frage, ob damit ein Gang der PostFinance an die Schweizer Börse gemeint ist, sagt eine Sprecherin des Kommunikationsdepartements zu «Finanz und Wirtschaft»: «Das wäre eine Möglichkeit.» PostFinance soll aber trotzdem Teil des Postkonzerns und mehrheitlich in der Hand des Bundes bleiben.

Für die Teilprivatisierung gibt es laut Wirtschaftsjurist Peter V. Kunz von der Universität Bern diverse Möglichkeiten. Denkbar wäre die Ausagbe von Partizipationsscheinen wie bei diversen Kantonalbanken. «Das wären dann in erster Linie Liebhaberpapiere», sagte der Professor. Einen eigentlichen Börsengang mit Aktien wie bei der Swisscom (SCMN 563.8 -0.84%), an der die Eidgenossenschaft eine Mehrheitsbeteiligung hält, sieht er hingegen weniger. «PostFinance wäre für Investoren wohl zu wenig attraktiv», sagte Kunz. Denn im Gegensatz zur Swisscom sei die Posttochter kein dominanter Platzhirsch im Kredit- und Hypothekargeschäft und biete somit zu wenig Fantasie.

Die beste Variante wäre laut Kunz, wenn PostFinance im Rahmen der Teilprivatisierung aufgesplittet würde – in einen privaten Teil mit dem Kredit- und Hypothekargeschäft sowie einen öffentlichen Teil mit dem Zahlungsverkehr. In einem solchen Szenario wäre der Staat seiner Meinung nach idealerweise nur am öffentlichen Teil beteiligt, weil es dort keinen wirklichen Markt gebe.

Schrumpfende Margen

Mit seinem Entscheid vollzieht der Bundesrat eine Kehrtwende. Mit dem neuen Postorganisationsgesetz erhielt PostFinance zwar eine Bankenlizenz. Den Einstig ins Kredit- und Hypothekargeschäft schloss der Bundesrat in der Botschaft von 2009 aber kategorisch aus. Damals beurteilte er die Tätigkeit des Unternehmens im inländischen Markt noch als Risiko. Zudem gebe es bereits ein ausreichendes Angebot, hiess es.

Mit der Finanzkrise und der darauffolgenden Tiefzinsphase hat sich diese Beurteilung geändert. Der Ertrag von PostFinance ist eingebrochen. Der Bundesrat geht davon aus, dass das Betriebsergebnis bis 2021 weiter zurückgeht. Der Grund dafür liegt im heutigen Geschäftsmodell.

PostFinance hält einen hohen Anteil des Vermögens in Wertpapieren. Das Unternehmen verdient sein Geld also vor allem mit der Differenz zwischen dem Zins auf diesen Wertpapieren und dem Zins, den es Kunden auf Einlagen zahlt. Diese Marge ist als Folge der Finanzkrise stark geschrumpft.

Dadurch vermindere sich der Unternehmenswert und die Fähigkeit von PostFinance, Eigenkapital aufzubauen oder Dividenden auszuschütten, schreibt der Bundesrat. Die Finanzierung der Grundversorgung werde erschwert. Diese Entwicklung stehe im Widerspruch zu den Erwartungen des Bundesrats in den strategischen Zielen für die Post.

Parlament wird entscheiden

Ende August hatte PostFinance einen Gewinneinbruch um zwei Drittel im ersten Halbjahr 2018 vermeldet. Als Grund gab sie die Schwierigkeiten im Zinsgeschäft an. PostFinance hat deswegen auch schon Stellen abgebaut. Im Juni wurde bekannt, dass bis Ende 2020 rund 500 Stellen verschwinden werden.

Vor diesem Hintergrund fordert PostFinance-Chef Hansruedi Köng schon lange, dass PostFinance selbständig Kredite und Hypothekten vergeben darf. «Das Kreditverbot ist schädlich für PostFinance, die Politiker sollten die Rahmenbedingungen überdenken», sagte er Ende 2017 dem Wirtschaftsmagazin «Eco» von Schweizer Fernsehen SRF.

Die Politik ist nun gefordert. Der Bundesrat wird seine Vorschläge zunächst in die Vernehmlassung schicken, danach ist das Parlament am Zug. Alle Vorstösse, die eine Teilprivatisierung von PostFinance und die Zulassung zum Kreditgeschäft verlangten, sind bisher gescheitert.