Meinungen

Buyback – ein Sündenbock

In den USA erwägen die Demokraten ein Gesetz gegen Aktienrückkäufe. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Auch wenn man die Bedenken über die soziale Ungleichheit in den USA teilt, muss man diesen Vorschlag als Aktionismus einschätzen. »

Es sind gewaltige Summen. Seit den Entlastungen durch die US-Steuerreform im Dezember 2017 haben die Aktionariate kotierter Gesellschaften den Rückkauf von Aktien in Höhe von mehr als 1 Bio. $ genehmigt. Damit wird Liquidität aus den Kassen der Unternehmen an die Anteilseigner ausgeschüttet, ohne dass eine Dividende ausgezahlt wird.

Die Demokraten haben das als riesiges Problem ausgemacht. In der «New York Times» schreiben die Senatoren Bernie Sanders und Chuck Schumer: «Die Management-Etagen in den Unternehmen waren in den vergangenen Jahrzehnten obsessiv damit beschäftigt, die Einnahmen für Aktionäre zu maximieren, zum Nachteil der Angestellten und der langfristigen Stärke ihrer Unternehmen.» Und: «Eine Art, wie sich dieses umfassende Unternehmensethos manifestiert, ist die Explosion an Aktienrückkäufen.»

Aktionismus

Das Hauptargument der beiden: Die Aktienrückkäufe seien nicht zum Nutzen des allergrössten Teils der Amerikaner, denn das Geld fliesse an Aktionäre – und die gehörten eher zu den Vermögenden. «Wir planen einen mutigen Gesetzesvorschlag, um diese Krise anzugehen.»

Unternehmen sollten demnach nur noch Aktien zurückkaufen, wenn sie allen Angestellten einen Stundenlohn von mindestens 15 $ bezahlen sowie Krankheitsabsenzen, Pensionen und eine bessere Gesundheitsvorsorge gewährleisten. Man müsse in einem zweiten Schritt auch die Besteuerung von Dividenden überdenken, da Unternehmen nach dem Gesetzesbeschluss auf diese Weise Kapital an die Aktionäre ausschütten könnten.

Auch wenn man die Bedenken über die soziale Ungleichheit in den USA teilt, muss man diesen Vorschlag als Aktionismus einschätzen. Es macht niemanden reicher oder ärmer, wenn Geld aus Unternehmen an die Anteilseigner ausgeschüttet wird. Den Aktionären gehört das Geld auf dem Unternehmenskonto. Nun ist es entweder in ihrem Depot als höherer Kurswert oder, wenn sie die Aktie verkaufen, als Geld auf ihrem Privatkonto.

Aktienrückkäufe sind keine Auswüchse eines ausufernden Kapitalismus. Es ist der Entscheid eines Unternehmens, dass es mit weniger Eigenkapital auskommt. Das kann jeweils ein guter oder ein weniger guter geschäftspolitische Entschluss sein. Es ist aber kein Mittel der gesellschaftlichen Umverteilung von unten nach oben oder zum Nachteil der Arbeitnehmer.

Es ist grundsätzlich gut, wenn ein Management erkennt, dass es mit dem Kapital der Aktionäre nichts anzufangen weiss. Sonst wäre die Versuchung gross, mit überschüssigen Mitteln durch wenig durchdachte Investitionen oder Zukäufe «Imperien» zu schaffen. Oder man sitzt auf einem riesigen Berg an Liquidität, wie ihn etwa Apple und Google angehäuft haben.

Eine Corporate Governance, bei der Aktionäre zu wenig Gewicht haben – etwa in Japan oder Korea –, führt daher regelmässig dazu, dass die Ausschüttungen zu gering sind. Aktivistische Investoren setzen zu Recht Manager unter Druck, wenn sie das Geld im Unternehmen schlecht angelegt sehen. Weder das Unternehmen noch die Aktionäre oder die Gesellschaft profitieren davon, wenn überflüssige Mittel in der Bilanz gehalten werden.

Kein Entzug von Mitteln

Gesetzliche Einschränkungen würden wohl dazu führen, dass man wieder mehr Gelder anhäuft – und damit sinnvollere Investitionen in anderen Unternehmen beschränkt. Es ist unsinnig, wenn Kritiker das Argument vorbringen, mit Aktienrückkäufen würden der Wirtschaft Mittel entzogen – als würden sie nach der Ausschüttung nicht anderweitig investiert.

Das alles heisst nicht, dass Aktienrückkäufe immer zu begrüssen sind und keine Risiken mit sich bringen. In der monatlichen Umfrage von Bank of America Merrill Lynch unter professionellen Fondsmanagern haben die meisten Befragten konsistent keine Lust auf Ausschüttungen. In guten Zeiten wollen sie grössere Investitionen sehen, in schlechten  den Abbau von Schulden.

Ausschüttungen sind oft ein Zeichen, dass das Management auf mehr Fremdkapital setzen will. Das steigert bei einem guten Geschäftsverlauf wegen des Hebeleffekts den Gewinn. Doch gleichzeitig wächst das Risiko. Aktienrückkäufe können also zum Nachteil des Aktionärs sein. Doch die Politik tut niemandem einen Gefallen, wenn sie per Gesetz dagegen vorgeht.

Leser-Kommentare

Willy Huber 11.02.2019 - 12:33
…”die meisten Befragten konsistent keine Lust auf Ausschüttungen. In guten Zeiten wollen sie grössere Investitionen sehen, in schlechten den Abbau von Schulden”. Dem kann man eigentlich nur zustimmen, ebenso wie “Ausschüttungen sind oft ein Zeichen, dass das Management auf mehr Fremdkapital setzen will. Das steigert bei einem guten Geschäftsverlauf wegen des Hebeleffekts den Gewinn. Doch gleichzeitig wächst das Risiko.” Ein… Weiterlesen »