«Weisse Stadt», so werden Teile Tel Avivs genannt. Es handelt sich um rund 4000 Gebäude im sogenannten International Style, stark geprägt von den Bauhaus-Ideen. In den Dreissigerjahren zog eine ganze Reihe jüdischer Architekten der Dessauer Schule ins britische Mandatsgebiet Palästina; sie durften in Deutschland nicht mehr tätig sein und hatten ohnehin noch weit Schlimmeres zu befürchten. Auf den Dünen nördlich der alten arabischen Stadt Jaffa wuchs, nicht zuletzt dank ihnen, das neue jüdische Tel Aviv heran, der «Hügel des Frühlings». Unterdessen haben die salzhaltigen Meereswinde und, mitunter, Vernachlässigung die alte Pracht ­augenfällig angrauen lassen. Auch die israelische Politik scheint sturmgeprüft und renovationsbedürftig. Die Ära des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, im Amt seit zwölf Jahren (und zuvor schon von 1996 bis 1999), neigt sich dem Ende zu. Er wehrt sich mit Zähnen und Klauen; der Verlust der Immunität ist für den umtriebigen Premier unangenehm; die Justiz interessiert sich für ihn. Um Netanjahu loszuwerden, hat sich eine schillernde rechts-links-arabische Koalition zusammengefunden – alle gegen «Bibi», sonst aber völlig uneins. Wie lange dieser Frühling wohl dauert? (Bild: Jonas Opperskalski/laif)