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«Unsere Begeisterung für Aktien hält sich in Grenzen»

Das Pariser Fondshaus Carmignac Gestion setzt bei Aktien auf Qualitätstitel und meidet Zykliker. Die hohe Dollarquote wird etwas zurückgefahren.

Die weitgehend auf einer Höherbewertung basierende Aktienhausse stösst vermehrt auf Skepsis. Zu den vorsichtigeren Stimmen gehört derzeit auch das Pariser Fondhaus Carmignac Gestion. «Unsere Begeisterung für Aktien hält sich in Grenzen», sagt Eduard Carmignac, Gründer und Chef des französischen Vermögensverwalters anlässlich der Eröffnung der ersten Schweizer Niederlassung in Zürich.

Grundsätzlich seien die Bedingungen angesichts der globalen expansiven Geldpolitik zwar günstig, «doch die konjunkturellen Aussichten sind nicht wirklich gut», begründet er die Zurückhaltung. Die Aktienquote im über 25 Mrd. € schweren Flagship-Produkt Carmignac Patrimoine beträgt nur 44,8% (Stand Ende März).

QE ist kein Allheilmittel

Didier Saint-Georges, Mitglied des Anlageausschusses, verweist auf die global rückläufigen Einkaufsmanagerindizes.

Dass die Anleihenkäufe (QE, Quantitative Easing) der Bank of Japan und der Europäischen Zentralbank die globale Wirtschaft nicht ankurbeln, überrascht ihn nicht. «Anleihenkaufprogramme schwächen in erster Linie die eigene Währung und kreieren so eine künstliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit», sagt Saint-Georges. So stählen die Länder mit QE das Wachstum von ihren Handelspartnern.

Auch deshalb könnte sich die US-Wirtschaft enttäuschend entwickeln. «Die Erholung der Investitionstätigkeit ist fraglich», sagt Saint-Georges. Der erhoffte Konsumschub durch die fallenden Benzinpreise sei ausgeblieben. «Die Amerikaner sparen lieber. Das heisst, dass sie nicht allzu optimistisch sind.»

US-Zinsen steigen nicht vor Ende Jahr

Carmignac erwartet frühestens gegen Ende Jahr hin eine erste Zinserhöhung der US-Notenbank. «Fed-Chefin Janet Yellen entscheidet aufgrund der Datenlage, und diese ist derzeit eher schlechter», kommentiert Saint-Georges. «Sie wird sehr vorsichtig agieren.» Im Mischfonds Carmignac Patrimoine haben die Pariser Anlageexperten die Dollarquote von rekordhohen 70% Anfang Jahr auf 51,6% gesenkt. Damit ist ihr Dollar-Exposure aber noch immer rund 10 Prozentpunkte über der Benchmark. «Die grosse Aufwertungsphase des Dollars scheint vorbei», sagt Geschäftsführer Carmignac.

Die Erholung in der Eurozone sei zwar jetzt in den Daten sichtbar, doch gebe es bereits wieder Anzeichen, dass die Dynamik nachlässt, sagt Saint-Georges. Irgendwann werde Europa wieder von der Realität eingeholt. Diese sei düster: Die hohe Staatsverschuldung schränke die Handlungsfähigkeit ein. Im Aktienfonds Carmignac Investissement sind derzeit europäische Aktien nur noch leicht übergewichtet, US-Aktien unter- und Schwellenländeraktien übergewichtet.

Dividendenperlen und Qualität

In der Aktienauswahl setzt Carmignac auf Qualitätstitel, selbst wenn sie zum Teil teuer bewertet sind. Dazu zählen die Aktien von Schweizer Vorzeigeunternehmen wie Néstle und Novartis (NOVN 77.07 -0.18%). Wegen der stabilen Gewinnentwicklung und der sicheren Dividende zählten Néstle zu den Aktien mit Bond-Charakter. Novartis gehöre wie die dänische Novo Nordisk (NOVO B 647.85 +2.11%) zu den Unternehmen mit Marktführerschaft. Diese Unternehmen könnten auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten überdurchschnittlich erfolgreich sein.

In den USA stehen Technologie-Aktien wie Amazon (AMZN 3'343.63 -0.36%), Facebook (FB 357.48 +0.5%) oder die Kabelgesellschaft Comcast (CMCSK 58.00 -2.83%) im Vordergrund. Zykliker, also Aktien von Unternehmen, die vor allem in der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs Gewinne steigern, findet Carmignac derzeit uninteressant.

Gemieden werden bei Carmignac auch die europäischen Bankaktien. «Viel interessanter sind die Anleihen», sagt Saint-Georges. Die hohen Kaptialanforderungen machten die Banken risikoscheuer und trübten ihre Gewinnaussichten. «Dadurch werden sie aber sicherer und ihr Kreditrisiko nimmt ab.»

Neu in Zürich

Seit zwölf Jahren vertreibt Carmignac Gestion seine Fonds in der Schweiz. Der französische Vermögensverwalter möchte das Geschäft in der Schweiz besonders mit Retail-Kunden verstärken und hat eine Tochtergesellschaft in der Schweiz gegründet. Die Filiale mit einem siebenköpfigen Team wurde diese Woche in Zürich offiziell eröffnet.