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Unternehmen / Finanz

Cat-Bonds-Anleger durchgeschüttelt

Wegen massiver Kosten für Naturereignisse verzeichnen Katastrophenanleihen grosse Ausfälle. Das ist ein Testfall für die Obligationäre.
Thomas Hengartner

Naturereignisse haben die Versicherungswirtschaft 2017 mehr als 130 Mrd. $ gekostet. Doch die Branchenunternehmen haben Teile des Risikos auf Obligationäre abgewälzt. Die Besitzer von Cat Bonds und anderen Verbriefungsformen müssen deshalb teilweise massiv für die Folgen der Karibikwirbelstürme, der Mexikoerdbeben in Mexiko und der Waldbrände in Kalifornien aufkommen.

Ausstehend sind rund 30 Mrd. $ sogenannter Katastrophenanleihen, die in der Regel 3 bis 5% Zinszuschlag offerieren, aber nach gehäuften Naturereignissen ganz oder teilweise ausfallen. Direkt zwischen Versicherern und institutionellen Anlegern strukturierte ähnliche Deals umfassen weitere rund 50 Mrd. $.

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Naturereignisse haben die Versicherungswirtschaft 2017 mehr als 130 Mrd. $ gekostet. Doch die Branchenunternehmen haben Teile des Risikos auf Obligationäre abgewälzt. Die Besitzer von Cat Bonds und anderen Verbriefungsformen müssen deshalb teilweise massiv für die Folgen der Karibikwirbelstürme, der Mexikoerdbeben in Mexiko und der Waldbrände in Kalifornien aufkommen.

Ausstehend sind rund 30 Mrd. $ sogenannter Katastrophenanleihen, die in der Regel 3 bis 5% Zinszuschlag offerieren, aber nach gehäuften Naturereignissen ganz oder teilweise ausfallen. Direkt zwischen Versicherern und institutionellen Anlegern strukturierte ähnliche Deals umfassen weitere rund 50 Mrd. $.

Bis zu 30% Kapitalverlust

Sandro Kriesch vom Investmenthaus Twelve Capital beobachtet, dass solche Portfolios je nach Zusammensetzung und Diversifikation im zurückliegenden Jahr zwischen 3 und 15% an Wert verloren haben – Hochrisikoverbriefungen gar bis 30%. Die Abrechnung unterliegender Versicherungskontrakte stehe aber noch aus. «Deshalb ist nicht nur das Ausmass des definitiven Verlusts offen, sondern es verzögert sich auch die Rückzahlung anstehender Fälligkeiten», sagt Kriesch.

Seine Anlagekunden – zumeist Pensionskassen aus der Schweiz und Skandinavien – würden jedoch nicht panikartig Gelder zurückfordern, beschreibt der Fachmann: «Einige haben rasch Neugeld bereitgestellt, andere machen solche Zusagen vom offerierten Zinscoupon abhängig.» Verbesserungen künftiger Emissionen sind indes begrenzt. Kriesch schätzt, dass auf risikoarm ausgestalteten Cat Bonds der Zinszuschlag weniger als ein Zehntel zunimmt. Bei risikoreicheren direkt vermittelten Deals läge eine Ausweitung um ein Fünftel drin.

Allen Cat-Bonds-Anlegern sei bewusst, dass diesen Obligationen ein Ausfallrisiko von jährlich durchschnittlich rund 2% innewohne, meint Kriesch: «Institutionelle Anleger vergleichen deshalb Risiko und Rendite mit den Werten des Anleihesegments High Yield Bonds, und da bleiben bis 2 Prozentpunkte Vorteil.»

Wie weit die 2017 verzeichneten Anleiheverluste den Anlegerappetit zügeln, muss sich noch weisen. Pensionskassen seien seit der Herbsthurrikanserie «weder aus Cat Bonds geflüchtet, noch haben sie zugekauft», sagt Jürgen Rothmund vom Berater Complementa auf Anfrage. Gemäss früheren Erhebungen des Unternehmens hatten die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen im Zeitraum 2014 bis 2016 den in Versicherungsverbriefungen platzierten Teil des Gesamtvermögens vorsichtig von 0,5 auf 1,2% ausgeweitet.

Swiss Re fit für Dividende

Das weltweit für Rückversicherung eingesetzte Risikokapital stand Mitte 2017 gemäss dem Broker Aon Benfield auf 605 Mrd. $. Über die beschriebenen Verbriefungen tragen Investoren ein Siebtel davon. Für den überwiegenden Teil stehen Rückversicherer wie Swiss Re gerade.

Der Schweizer Konzern wird wegen der Schadenfülle 2017 auf einen Minigewinn zurückfallen. Dank reichlichem Eigenkapital gilt die Zahlung einer unveränderten Dividende dennoch als finanziell tragbar. Treten 2018 Naturereignisse weniger gehäuft auf, ist eine merkliche Erholung der Ertragslage realistisch.