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Cembra frischt ihre Dividendenstory auf

Analyse | Die Konsumkreditbank will sich neu aufstellen und den Migros-Auftrag kompensieren. Die Erfolgschancen stehen nicht schlecht.

Die grosse Ankündigung ist erwartungsgemäss ausgeblieben. Die Konsumkreditbank hat an ihrem Investorentag am Dienstag keine neue Partnerschaft präsentiert, die den Verlust des Cumulus-Kreditkartenauftrags der Migros kompensieren könnte. Dennoch will sie dank umfassenden strukturellen und kommerziellen Massnahmen die Gewinnkraft nicht nur erhalten, sondern mittelfristig steigern und so wieder eine progressive Dividende anbieten.

Auch wenn die Eigenkapitalrendite wegen des Migros-Ausfalls kurzfristig auf 13 bis 14% sinkt, sollen es später wieder 15% werden. Und das operative Geschäft läuft derzeit gut: Der Gewinn wird 2021 über Vorjahr stehen, die Dividende für das laufende und das kommende Jahr soll stabil bleiben und danach angehoben werden. Das kommt gut an. Die seit Anfang Jahr stark gebeutelten Cembra-Aktien (–39%) konnten im Morgenhandel rund 3% zulegen.

Cumulus wettmachen

Trotz des Verlusts der wichtigsten Cembra-Kundin, der Migros, verströmt CEO Holger Laubenthal Zuversicht, auch für das Kartengeschäft, das bislang rund ein Drittel des Ertrags der Zürcher Bank beisteuerte. «Ich sehe keinen Grund, weshalb wir die Guidance im Kreditkartengeschäft nicht erreichen sollten», sagt er vor Medienvertretern. Ziel ist, einen Grossteil der 850’000 Cumulus-Kunden und des Gewinns zu behalten. Dass das realistisch ist, bekräftigt Laubenthal mit der Aussage, dass Cembra (CMBN 69.55 -0.43%) bei den Kreditkarten mit nur der Hälfte der Kunden rund 90% des Ergebnisses erarbeite.

Darüber hinaus führe man ständig Gespräche mit neuen Partnern, sagt er. Mit dem Auslaufen des Cumulus-Auftrags könne Cembra nun auch im Detailhandel mit potenziellen Kunden sprechen. Wobei anzumerken ist, dass in der Schweiz keiner die Grösse der Migros erreicht. Zudem will Cembra im ersten Quartal 2022 eine neue App und nach dem Auslaufen der Migros-Partnerschaft Mitte 2022 ein neues Kreditkartenprodukt lancieren.

Neben ein bis zwei neuen Partnerschaften sollen bestehende ausgebaut werden. Diese Massnahmen sowie insgesamt 1 Mio. Kunden sollen die Rentabilität des Kreditkartenportfolios sicherstellen. Der Ertrag soll so im Jahr 2023 wieder das vorpandemische Niveau des Geschäftsjahres 2019 erreichen. Auch ausserhalb der Kreditkarten will Cembra das Geschäft beleben: Bei den Privatkrediten sollen die Angebote flexibler gemacht und das Partnernetz ausgeweitet werden, beim Auto-Leasing die Prozesse vereinfacht und der Vertrieb stärker auf Wachstum getrimmt werden.

Zudem will Laubenthal dem Geschäftsfeld «Buy Now, Pay Later», also dem Kauf auf Rechnung oder in Raten, in der Schweiz zum Durchbruch verhelfen. Er gesteht indes ein, dass «der Markt hier noch nicht so fortgeschritten» sei, verweist aber auf zweistellige Wachstumsraten bei den Transaktionsvolumen. Auch das zugekaufte Geschäft Swissbilling soll forciert werden. Es biete Lösungen für den Kauf per Rechnung und liefere «beeindruckende» Ergebnisse, sagt Laubenthal. Weiter sieht er «grosses Potenzial für Querverkäufe zwischen den Bereichen».

Effizientere Bank

Finanziell absehbarer sind Cembras Pläne bei der Vereinfachung der Geschäftsabläufe. «Die IT-Struktur wird fundamental neu aufgestellt», sagt Laubenthal, wobei ein «nahtloses digitales Kundenerlebnis» entstehen soll. Standardisierung und Automatisierung sollen die Prozesseffizienz verbessern, zudem soll stärker auf cloudbasierte Infrastruktur gesetzt werden. Konkret will Cembra für die Digitalisierungsoffensive in den kommenden vier Jahren 55 Mio. Fr. in die Hand nehmen. Ab 2026 rechnet das Management mit einem jährlichen Spareffekt von 30 Mio. Fr. Schon 2024 sollen die Bemühungen im Ergebnis sichtbar werden.

All das soll zu einer effizienteren Bank führen. Ein in der Bankbranche verbreitetes Mass für die Messung dieser Effizienz – das Kosten-Ertrags-Verhältnis – will Cembra bis 2023 relativ stabil zwischen 50 und 52% halten und danach bis 2026 auf 39% senken. Hierfür komme es in einzelnen Bereichen auch zu Stellenreduktionen, hält Laubenthal fest. Auch kulturell will er das Unternehmen voranbringen und dem Zeitgeist entsprechend eine «agile, lernorientierte und kollaborative Organisation» hinbekommen.

Dividende sicher

Die Cembra-Führung hat einen realistischen Weg nach vorn aufgezeigt. Das Ziel, den Gewinn pro Aktie bis 2026 um 20 bis 30% zu steigern, ist ambitioniert, aber erreichbar, auch wenn sich noch weisen muss, ob sich die erwarteten Einsparungen und Synergien tatsächlich realisieren lassen. Die geplante Dividende von 3.75 Fr. pro Aktie für das laufende und das kommende Geschäftsjahr scheint gesichert, was die Titel aktuell mit 5,5% rentieren lässt. Darüber hinaus – ab 2023 – soll bei wachsendem Gewinn auch die Dividende wieder anziehen.

Wachstumsfantasie kommt mit dem am Investorentag Präsentierten allerdings nicht wieder auf. Die Cembra-Dividendenstory wurde aber aufgefrischt, auch wenn kurzfristig keine grossen Impulse für den Aktienkurs zu erwarten sind. Die Cembra-Titel sind mit einem Kurs-Buch-Verhältnis von 1,7 und einem KGV für 2022 von 13 bewertet und bieten sich dank Dividende als Bondalternative an. Der Einstiegszeitpunkt ist für langfristig orientierte Anleger günstig.

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