Das Licht der Welt strahlt ins Südportal des Ceneritunnels, hinter Lugano. Am Freitag wird das 15,4 km lange Bauwerk eröffnet, wegen Corona diskreter als einst der Gotthard-­Basistunnel, dessen Ergänzung der Ceneri ist. Damit ist die alpenquerende Flachbahn zwischen Altdorf und Lugano fertiggestellt, das letzte Schweizer Stück des 2500 km langen Viermeterkorridors von den Nordseehäfen (Rotterdam, Zeebrugge) nach Genua. Vier Meter Eckhöhe braucht es, um ­Sattelaufleger von der Strasse auf die Schiene zu bringen. Im Süden tut sich viel: Die Zulaufstrecken Bellinzona-Luino-­Novara und Chiasso-Mailand dürften zum Ende des Jahres bereit sein; am Simplon von Brig via Domodossola nach Novara und Gallarate ist der entsprechende Ausbau in Planung. Im Norden tut sich wenig. Der Vollausbau Basel-Karlsruhe wird nicht vor 2040 (!) abgeschlossen sein. Nun versucht der Bundesrat, mit Frankreich und Belgien einen Vertrag für die Route Basel-Strassburg-Metz an den Ärmelkanal zu schliessen. Österreich und Italien ahnen diese Art von Ärger: 2028 wird der Brenner-Basistunnel so weit sein, doch der Nordzulauf in Bayern stockt. Kurios, wo doch in Deutschland sonst so inbrünstig Europa und Ökologie beschworen werden.

(Bild: Gaetan Bally/Keystone)