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CEO Bank Reyl: «Das war kein fairer Kampf»

François Reyl, Chef der gleichnamigen Privatbank, über seine Verurteilung in Frankreich, seinen Einstieg in den US-Markt und warum die Kunden bald so viel zahlen könnten, wie sie wollen.

François Reyl und seine Genfer Bank haben turbulente Zeiten hinter sich. 2016 wurde er in Frankreich wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung des ehemaligen Finanzministers Jérôme Cahuzac verurteilt (vgl. Textbox ganz unten). Für Reyl ist das Kapitel beendet, er will neue Geschäftsfelder entwickeln (vgl. Junge Bank, viele Meilensteine). Dabei spielt auch ein kalifornisches Fintech-Start-up ein Rolle.

Herr Reyl, wegen Schwarzgelds von Ex-Finanzministers Cahuzac wurden Sie Ende 2016 in Frankreich zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt. Erst legten Sie Einspruch ein, den Sie im August 2017 zurückzogen. Wieso?
Wir konnten nur während einer kurzen Frist Einspruch einlegen. Um uns alle Optionen offenzuhalten, haben wir dies getan, um dann in Ruhe die Auswirkungen des Urteils zu analysieren.

Zu welchem Ergebnis kamen Sie?
Es ging um einen einzigen Kunden mit Vermögen von rund 600‘000 €, der vor über fünfundzwanzig Jahren von einer anderen Schweizer Bank zu uns kam. Zehn Jahre, bevor ich selbst in die Bank eingestiegen bin. Dieser Prozess war politisch hoch aufgeladen. Das war kein Kampf, den wir weiter kämpfen wollten, weil es kein fairer Kampf war.

Wird Frankreich weiter Schweizer Banken ins Visier nehmen?
Das kann gut sein, die Franzosen werden nicht zögern, Schweizer Banken für vergangene Praktiken zu verfolgen. Ich weiss aber nur von der Einigung, die HSBC getroffen hat, und den juristischen Kampf, den sich UBS dort gerade liefert.

Aus Frankreich haben Sie sich zurückgezogen. Dafür sind Sie 2016 mit einem Büro in Dallas in den US-Markt eingestiegen. Das, nachdem Schweizer Banken von den US-Behörden derart an den Pranger gestellt wurden?
Wir haben nicht am US-Programm für Schweizer Banken teilgenommen, weil wir dort keine Altlasten hatten. Als viele Banken sich zurückzogen, sahen wir unsere Chance, einen regulierungskonformen Investmentberatungsdienst für voll steuerpflichtige US-Personen zu entwickeln.

Wieso in den USA?
Es ist ein sehr attraktiver, grosser Markt mit klarem und stabilem Regelungsrahmen, an den man sich strikt zu halten hat. In Dallas haben wir ein Cluster an Kunden, darum hat es Sinn gemacht, dort eine Niederlassung zu eröffnen. Weitere könnten folgen.

Die Fälle der Panama- und Paradies-Papers haben gezeigt, dass auch heute noch auf legale Art Banken ihren reichen Kunden helfen, Steuern zu vermeiden. Können Sie verstehen, wenn das für Entrüstung sorgt?
Das kann ich verstehen. Schweizer Banken haben jahrzehntelang den legalen Spielraum vollumfänglich genutzt, und sie hatten Kunden, die zu ihnen kamen, weil sie gezielt Steuern vermeiden wollten. Ich bin der Meinung, es liegt in der Verantwortung des Kunden, seine Vermögensverhältnisse korrekt anzugeben. Andererseits dürfen Banken aber auch keine Konstrukte aufsetzen, um die wahren Verhältnisse der Kunden zu verschleiern. Diese Sorge nimmt in der gegenwärtigen Ära des automatischen Austauschs und der verstärkten Transparenz aber grundlegend ab.

Haben auch Sie ein Tochterunternehmen in Panama?
Nein, aber wie alle internationalen Banken haben auch einige unserer Kunden in der Vergangenheit von dieser Rechtsprechung Gebrauch gemacht.

Sie haben im vergangenen Jahr ihr Asset Management verkauft. 5 Mrd. Fr. an Kundenvermögen gingen an Mediobanca. Glauben Sie nicht mehr an das Geschäft?
Um das Geschäft auf das nächste Level zu bringen, um neue Produkte zu entwickeln und zu vertreiben, um auf 10 bis 20 Mrd. Fr. Kundenvermögen zu kommen, dafür braucht es ein grösseres Institut. Wir glauben an das Geschäft, darum behalten wir 7,5% daran, und hoffentlich wird dieser Anteil in fünf Jahren so viel Wert sein wie die 45%, die wir vor dem Verkauf hielten.

Werden Ihnen die Vermögen nicht fehlen?
2018 wird auf konsolidierter Basis ein starkes Jahr werden, aufgrund der Kapitalgewinne aus dem Verkauf. 2019 werden wir weniger Kundegelder ausweisen. Aber wir sind ein unabhängiges Unternehmen im Familienbesitz,  wir denken nicht in Quartalen. Wir haben Kapital und Ideen. Wir sind Unternehmer und haben in der Vergangenheit immer wieder erfolgreich neue Geschäfte aufgebaut.

Das Ziel, bis 2020 Ihre verwalteten Vermögen auf 20 Mrd. Fr. zu verdoppeln, ist damit aber passé?
Nein. Wir haben signifikante Fortschritte auf dem Weg zu diesem Ziel gemacht. Und wir haben Initiativen gestartet, die das Ziel in Reichweite bringen sollen.

Zum Beispiel die Beteiligung an der kalifornischen Online-Bank Aspiration?
Uns interessiert daran natürlich die Technologie. Aber auch das radikale Modell von Aspiration: Die Kunden bestimmen selbst, wie viel sie für den Service zahlen. Die Bank wird hier wirklich zum Partner, ich zahle ihn nicht, weil ich muss, sondern weil ich will. Und es funktioniert: Aspiration hat eine Marge von 1% auf ihren Kundenvermögen.

Zahlen auch bald die Reyl-Kunden nur noch so viel sie wollen?
Der Druck auf unsere Kommissionen wird anhalten, die Margen werden weiter schrumpfen. Den Kunden zahlen zu lassen, was er angemessen findet, könnte die Margen stabilisieren und gleichzeitig dem Kunden das Gefühl geben, dass er nicht zu viel für seine Dienstleistung bezahlt. Wir prüfen unser Preismodell, erwarten Sie aber keine Revolution.

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