Unternehmen / Finanz

Digitalisierer zieht nach Zug

Analyse | Hanspeter Rhyner wechselt von der Glarner KB.

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) steht für Fortschritt, zumindest gemessen an der Vergleichsgruppe der meist eher traditionell agierenden Schweizer Staatsinstitute. Unter CEO Hanspeter Rhyner setzte die GLKB stark auf digitale Vertriebskanäle. Sie erreichte damit Kunden ausserhalb des eigenen, kleinen Einzugsgebiets und setzte die Konkurrenz unter Zugzwang.

Laut den Analysten der Zürcher Kantonalbank brachte Rhyner das Institut zudem nach Kreditverlusten in der Finanzkrise wieder in die Spur. Bevor er 2013 CEO wurde, war er ab 2009 Leiter des Firmenkundengeschäfts.

Dementsprechend ist sein Wechsel in einen anderen Kanton nach sieben Jahren an der Spitze für das Institut keine gute Nachricht. Immerhin war sein Nachfolger Sven Wiederkehr ebenso lange sein Stellvertreter und hat die Entwicklung «massgeblich mitgeprägt». Es ist also weder mit bösen Überraschungen im Zahlenkranz noch mit einem Richtungswechsel zu rechnen.

Einen Richtungswechsel, oder zumindest eine Beschleunigung, erhofft sich demgegenüber wohl die Zuger Kantonalbank (ZGKB), wo Rhyner im kommenden April die Führung von Pascal Niquille übernehmen wird. Dieses – ungleich grössere – Institut ist bisher nicht dafür bekannt, den Kunden besonders digitale Dienstleistungen anzubieten.

Sie wird hier zulegen müssen, um neben dem Kerngeschäft Hypotheken auch im Vermögensverwaltungsgeschäft wachsen zu können. Wie Bankratspräsident Urs Rüegsegger im Juli zu «Finanz und Wirtschaft» sagte, sollen namentlich Expats in den grossen internationalen Unternehmen im Kanton Zug besser angesprochen werden.

Rhyner ist es angesichts seiner Leistung bei der GLKB durchaus zuzutrauen, auch die ZGKB entsprechend voranzubringen. Die blosse Aussicht darauf rechtfertigt allerdings noch keinen Zukauf der Aktien: Mit einem Verhältnis des Aktienkurses zum geschätzten Gewinn 2021 von 25 sind ZGKB bereits jetzt hoch bewertet. Sie bewegen sich im gleichen Bereich wie Banque Cantonale Vaudoise, welche unter den Kantonalbanken zu den Investorenlieblingen gehört. GLKB handeln demgegenüber lediglich zum 15-Fachen des für nächstes Jahr geschätzten Gewinns.

Wer auf Rhyners Arbeit setzen will, sollte deshalb die Titel der GLKB wählen. Neben der günstigeren Bewertung handeln diese noch fast 10% unter dem Kurs von Anfang Januar, während ZGKB den Corona-Crash verdaut haben. Illiquid und zu stark einer Region ausgesetzt sind aber beide.

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