. . . Carthaginem esse delendam: Der ewige Wunsch des römischen Staatsmanns Cato erfüllte sich kurz nach seinem Tod. Im Jahr 146 vor Christus stürmten die Legionäre des Feldherrn Scipio Aemilianus die alte Handelsstadt Karthago und zerstörten sie. Im Gegensatz dazu hauste das wandernde Volk der Vandalen anno 439 nach Christus anscheinend ­gerade nicht klischeegetreu: Heerführer Geiserich nahm das unterdessen römisch neu erstandene Karthago substanzwahrend ein und schuf dort, auf bestehender Infrastruktur, ein germanisches Reich in Nordafrika, mit dem Kernland im heutigen Tunesien. Um 700 erfasste der arabisch-islamische Vorstoss den Maghreb und beendete die Spätantike. Von Roms Kultur zeugen noch Ruinen wie diese hier, nahe von Tunis. In Ruinen liegt bildlich gesprochen auch der «arabische Frühling». Diese Volksaufstände, die 2010/11 den ganzen Kulturraum von Mauretanien bis Jemen erfassten, gingen von Tunis aus, und Tunesien galt als dasjenige Land mit den besten Chancen auf eine halbwegs demokratische ­Modernisierung. Galt; jetzt geht’s retour. Staatspräsident Kais Saied hat den Premier entlassen, das Parlament beurlaubt, alle Macht an sich gezogen. Das Volk jubelt ihm zu.