Unternehmen / Schweiz

Cevians Missgriff

Cevian, der neue schwedische Aktionär von ABB, hat mit ihren Investments einige Erfolge vorzuweisen. Die Ausnahme ist Bilfinger, die diese Woche erneut enttäuschende Nachrichten verbreiten musste.

Niemals Fremdkapital einsetzen und niemals aufgeben. Das sind nach eigenem Bekunden zwei wichtige Credos von Cevian. Am 4. Juni löste die Nachricht, der schwedische Investor habe 3,1% an ABB (ABBN 22.33 0.95%) übernommen, in den Aktien ein Plus von 4,5% aus. Der Kursgewinn ist bereits ausradiert, was auch am Gesamtmarkt liegt. Ohnehin denkt Cevian nicht kurz-, sondern langfristig, in Zeiträumen von sieben Jahren im Schnitt.

Dass auch Cevian kein Garant für Überrendite ist, zeigt Bilfinger. Ende Oktober 2011 stiegen die Schweden mit 12,6% in den deutschen Bau- und Industriedienstleistungskonzern ein und erhöhten schrittweise auf 26%. Es reihte sich eine Enttäuschung an die andere.

Es kam zu Wechseln in der Geschäftsleitung und im Kontrollgremium (Aufsichtsrat), doch das Desaster ging weiter. Übergangs-(und Ex-)CEO Herbert Bodner konnte nicht viel bewegen, auch wenn in seine Zeit der bedeutende Verkauf von Bilfinger Construction an Implenia (IMPN 39.26 0.72%) fiel.

Zur Wochenmitte teilte Bilfinger mit, sich auf das Geschäft im Industrie- und im Immobiliensektor zu konzentrieren und den Bereich Power abzustossen. Das Geschäft mit der Sanierung von Kraftwerken leidet seit langem unter den harten Bedingungen in der Energiebranche und schrieb im ersten Halbjahr weitere hohe Verluste. Die Aktien verloren deswegen am Donnerstag 14%. Der neue CEO Per Utnegaard ist gerade erst im Juni angetreten. Die nun kommunizierte Abspaltung dürfte schon zuvor geplant worden sein – von Cevian. Bei ABB besitzen die Schweden weniger Macht als bei Bilfinger, und doch ist das Muster klar (wie auch bei ThyssenKrupp (TKA 11.565 1.89%) zu beobachten): Jedes Geschäft sollte nur vom passenden Eigentümer betrieben werden («Best Ownership»).

Cevian gibt die Performance ihrer Engagements nicht bekannt. Als Anhaltspunkt kann der Durchschnittskurs des Einstiegsquartals dienen. Gute Investments sind demnach (grob geschätzt gemäss Bloomberg-Daten) Old Mutual (+190%), Wolseley (+160%), Danske Bank (DANSKE 12.58 3.62%) (+160%) und Vesuvius (+70%). Gemessen am Gesamtmarkt befriedigend sind ThyssenKrupp (+50%), Tieto (+70%) und Panalpina (PWTN 264.6 4.58%) (+50%). Der Schweizer Transportlogistiker weist immer noch tiefe Margen auf, seit zwei Jahren tendieren die Titel seitwärts. Schwach sind RSA (–5%). In Anbetracht des langen Zeitraums sind Volvo (VOLV A 145.2 0.55%) (+40%) und Metso (+37%) recht mager. Bilfinger ist – Stand jetzt – ein Missgriff (–50%).

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