Unternehmen / Immobilien

Cham Group verlässt die Schweizer Börse

Hohe Kosten und geringes Handelsvolumen veranlassen die Immobiliengesellschaft zum Wechsel in den ausserbörslichen Handel.

Wolfgang Gamma

Das Gastspiel der Cham Group (CHAM 411 -2.14%) im Immobiliensegment der SIX geht nach rund einem Jahr bereits zu Ende. Die Aktien sollen dekotiert und ab dem 19. Dezember nur noch ausserbörslich über die Handelsplattform der Zürcher Kantonalbank (eKMU-X) gehandelt werden. Ausstiegswilligen Investoren bietet die Immobiliengesellschaft einen Aktienrückkauf.

Die Gruppe begründet den Weggang von der SIX in erster Linie mit dem geringen Handelsvolumen. An manchen Tagen wurden jeweils weit unter 100 Aktien gehandelt. Für typische Immobilieninvestoren war auch die Marktkapitalisierung von gut 320 Mio. Fr. zu klein. Cham Group führt auch die zunehmenden regulatorischen Vorschriften für die Aufrechterhaltung der Kotierung als Grund an. Überproportionale Kosten und ein unverhältnismässiger Aufwand liessen sich durch den Wechsel an die Ausserbörse vermeiden. Die Dekotierung der Aktien von der SIX Swiss Exchange ist auf den 18. Dezember (letzter Handelstag) beantragt. Die SIX hat der Dekotierung bereits zugestimmt.

Aktienrückkauf

Um Investoren, die nur in kotierte Aktien investiert sein können, einen Ausstieg zu ermöglichen, lanciert die Gesellschaft ein Rückkaufprogramm. Dabei sollen ab dem 16. August während vier Wochen bis zu 5% der ausstehenden Aktien zu einem Preis von 440 Fr. pro Aktie (Letzter Kurs: 431 Fr.) zurückgekauft werden. Die Finanzierung (rund 16 Mio. Fr.) ist dank hoher Eigenmittel problemlos möglich. Die Gesellschaft plant, die erworbenen Aktien bis auf Weiteres in ihrem Eigenbestand zu halten.

Gemäss Cham Group besteht für die nächsten zehn Jahre kein Kapitalbedarf, was erst den Rückkauf erlaubt. Die Finanzierung des Papieri-Projekts und die Entwicklung des Pavatex-Areals seien  finanziell gesichert. Das Eigenkapital wird per Mitte Jahr mit 238,9 Mio. Fr. angegeben. Das entspricht einer Eigenkapitalquote von 92%.

Geschäftsgang und Entwicklung im Plan

Die Cham Group, die sich auf die Entwicklung des Papieri-Areals in Cham konzentriert, hat im ersten Halbjahr 9,9 Mio. Fr. Gewinn erzielt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 83,6 Mio. Fr. gewesen, da der Erfolg aus Neubewertung 2018 mit 45,5 Mio. Fr. ausserordentlich hoch war. Im laufenden Jahr erreichte der Neubewertungserfolg 11,8 Mio. Fr. Wegen der Umstellung der Rechnungslegung und dem Verkauf des Papiergeschäfts sind die Gewinnzahlen der Gruppe kaum mit der Vorjahresperiode zu vergleichen.

Im ersten Halbjahr resultierten 1,4 Mio. Fr. Mieteinnahmen. Der Betrag wird in der zweiten Jahreshälfte abnehmen, weil der Papierhersteller Sappi das Areal verlassen hat und auch Pavatex Ende November ausziehen wird. Der betriebliche Verlust auf Stufe Ebit ging im ersten Halbjahr von 0,3 auf 0,1 Mio. Fr. zurück.

Bis 2022 erwartet Cham Group kein positives Ergebnis aus operativer Tätigkeit. Die Dividende soll dennoch auf 6 Fr. belassen werden. Ebenso will das Unternehmen die Transparenz der Berichterstattung auf hohem Niveau beibehalten.

Der Gesamtwert des Immobilienportfolios erhöhte sich um 15 auf 153,3 Mio. Fr. Die Studienauftragsverfahren für die erste Bauetappe des Papieri-Areals seien abgeschlossen, erste Baugesuche wurden eingereicht und die Abbrucharbeiten haben begonnen. Auf dem ehemaligen Gelände der Papierfabrik soll etappenweise über die nächsten 10 bis 15 Jahre ein elf Hektar umfassendes neues Quartier mit je rund 1000 Wohnungen und Arbeitsplätzen entstehen.

Angebot passt

Der Entscheid zum Aktienrückkauf ermöglicht Investoren den Ausstieg aus einem illiquiden Engagement zu einem angemessenen Preis. Dieser liegt  3% über dem Durchschnittspreis der letzten 30 Tage und 6% über demjenigen der letzten sechs Monate. Am Dienstag gewannen Cham Group knapp 1% und notierten damit noch unter dem Angebotspreis von 440 Fr. Auch die Dividendenrendite von aktuell 1,4% spricht nicht für eine Fortsetzung des Engagements.

 

Die komplette Historie zu Cham Group finden Sie hier. »

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