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Chancen in Land- und ­Forstwirtschaft

Realwerte Konservatives Anlegen heisst heute, vermehrt nichttraditionell zu investieren.

Ralph Kretschmer, EBG Investment Solutions

Trotz Niedrigzinsen und hoher ­Bewertungen von Obligationen, ­Aktien und Immobilien bieten sich institutionellen Anlegern interessante Möglichkeiten, mit bewährten Strategien und fokussiertem Investmentmanagement kontinuierlich positiven Ertrag zu generieren. Gleichzeitig wird die Diversifikation verbessert – auch dank der Integration nichtfinanzieller, jedoch erfolgs­­relevanter Aspekte, beispielsweise ESG (ökologisch und sozialverträglich) und Carbon (vgl. Seite 16).

Dass sich Realwerte wie Farm- und Timberland, also Acker- und Waldland, für institutionelle Portfolios eignen, wurde kürzlich erneut in einer Studie einer grossen US-Vorsorgeeinrichtung (TIAA-CREF) nachgewiesen. Auch wenn sich die Ergebnisse auf die USA beziehen, sind die positiven Effekte auf die Rendite und vor allem auf das Risiko des Gesamtportfolios offensichtlich. Das gilt für konservative und aggressivere Anlagestrategien. Am besten eignen sich dazu Privatmarktanlagen. Für einen Investor aus der Schweiz, der zusätzlich von der internationalen Diversifikation profitiert, lässt sich zumindest die These aufstellen, dass die Ergebnisse gerade im gegenwärtigen Zins- und Marktumfeld relevant sind, erst recht, wenn gleichzeitig ohne Zusatzkosten eine hohe Nachhaltigkeitsstufe erreicht wird.


Nettorendite von 3 bis 5%

Die Voraussetzung sind Engagement und sauberes Handwerk bei der Auswahl der Investments: Vor allem da liegen die Herausforderungen. Direktanlagen fallen häufig auch wegen der dafür benötigten signifikanten Ressourcen aus den Traktanden. Funds of Funds sind meist teuer und erlauben keine anlegerspezifische Strategie. Empfehlenswerter sind angepasste, transparente und kosteneffizientere Lösungen. Sie erlauben es auch kleineren Institutionen, in derselben Liga zu investieren wie grosse internationale Vorsorgeeinrichtungen, Versicherungen und Staatsfonds. Eine Rendite von rund 3 bis 5% (in Franken, nach Kosten und Steuern) ist realistisch.

Während Farm- wie Timberland das biologische Wachstum als Werttreiber und Diversifikationsfaktor gemeinsam haben, unterscheiden und ergänzen sie sich jedoch in verschiedener Hinsicht: Das für Investitionen in Frage kommende Marktvolumen von Farmland macht ein Mehrfaches dessen von Timberland aus, und das Ertragsprofil ist tendenziell regel­mässiger. Hingegen hat Timberland in ­institutionellen Portfolios seit längerer Zeit seinen Platz, und die Anzahl etablierter Manager ist höher.

Der Umgang mit sozialen und Umweltrisiken ist erprobt. Gerade in den USA als grösstem Markt für Agrarinvestments werden Risiken aus der Belastung der ­Böden mit Pestiziden oder Massentier­haltung in Zukunft genauer untersucht. Die Initiative eines grossen britischen Private-Equity-Managers gegen Tierfabriken ist ein Indiz dafür.


Investmentansatz Wald

Das Spektrum ist breit, etwa hinsichtlich Region, Anlagestrategie, Businessmodell oder Cashflow-Profil: Darin liegt weiteres Diversifikationspotenzial. Erfahrungsgemäss ist für eine erfolgreiche Umsetzung ein aktives Sourcing der am besten qualifizierten Fondsmanager in den attraktivsten Teilmärkten genauso notwendig wie die umfassende und konsequente Due Diligence vor Ort durch international er­fahrene Fachkräfte. Diesen Aspekten wird in der Praxis erstaunlicherweise oft nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Werden sie sorgfältig umgesetzt und transparent dokumentiert, lassen sich ausser Investment- auch Reputations- und Haftungsrisiken vermeiden oder zumindest reduzieren.

Zum Beispiel ist es bei Farm- und Timberland entscheidend, wie gross das Gewicht des biologischen Wachstums als Werttreiber tatsächlich ist und wie stark (unbewusst) in die Erwartung einer Landpreissteigerung bzw. einer Umwandlung in Bauland investiert wird. Je nachdem sind Risikoprofil und Diversifikationswert für das Portfolio sehr unterschiedlich. Sinnvollerweise findet im gleichen Zug auch eine sektor- und strategiespezifische Beurteilung der relevanten Nachhaltigkeitsfaktoren statt. Da liegt die eigentliche Substanz, und gleichzeitig wird der Prozess für alle Parteien effizienter. Bei einer tiefer gehenden Analyse zeigen sich oft grosse Unterschiede in der Qualifikation des Teams, in der Strategie, den Richtlinien und den Prozessen oder bei den bereits vorhandenen Assets. Auch wenn die Zusammenhänge auf den ersten Blick nicht immer offensichtlich sind, so können sie für den Anlageerfolg durchaus wesentlich sein.

Ralph Kretschmer, Managing Partner, EBG Investment Solutions

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