Unternehmen / Finanz

Skandal kostet Wells-Fargo-Chef den Job

Der Skandal um fingierte Kundenkonten ist John Stumpf zum Verhängnis geworden. Nach neun Jahren im Amt tritt der CEO der US-Grossbank per sofort ab.

Christoph Gisiger, New York

Wer in Aktien von Grossbanken investiert, muss jederzeit mit einem Skandal rechnen. Das neueste Beispiel ist das Fiasko von Wells Fargo wegen fingierter Konten, das Konzernchef John Stumpf diese Woche den Job gekostet hat. Offiziell heisst es zwar, der 63-Jährige Topbanker sei freiwillig zurückgetreten. De facto stieg der öffentliche Druck auf das Finanzhaus aber so stark, dass Stumpf nicht mehr tragbar war.

Nun übernimmt Tim Sloan den CEO-Posten. Er leitet seit November 2015 das operative Geschäft und wurde seit Längerem als Kronfavorit für Stumpfs Nachfolge gehandelt. Anders als sein Vorgänger kommt er nicht aus der Retail-Division, sondern aus dem Investment- und Grosskundengeschäft der Bank. Im Verwaltungsrat übt ab sofort Stephen Sanger das Amt des Chairman aus. Das Doppelmandat von CEO und Chairman wird damit aufgelöst, was unter den grössten US-Banken bisher nur bei Citigroup der Fall gewesen ist.

Mit dem Chefwechsel will Wells Fargo ein neues Kapitel aufschlagen. Stumpf war 2007 als CEO angetreten und hat die Bank aus San Francisco relativ sicher durch die Finanzkrise gesteuert. Er genoss deshalb auch hohes Ansehen bei Warren Buffett, der mit 10% Beteiligung der grösste Aktionär ist. Der Skandal hat dem Image von Wells Fargo jedoch erheblich geschadet. Seit 2011 hatte das Institut über 2 Mio. Konten eröffnet, ohne dass die betreffenden Kunden das wussten. Rund 5300 Angestellte sind dafür gefeuert worden. Als Stumpf dazu vor dem US-Kongress aussagen musste, wirkte er unvorbereitet, was die Krise verschärfte.

Das Fiasko hat den Börsenwert des Finanzriesen über 25 auf 226 Mrd. $ verringert. Wells Fargo hat dadurch den Spitzenplatz als wertvollste Bank der Welt an J. P. Morgan Chase verloren. Wie schwer die Auswirkungen letztlich wiegen, ist unsicher. Diverse Behörden haben den Fall aufgenommen, wozu eine Kriminaluntersuchung des Justizdepartements zählt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Stumpf noch mehr von seiner Vergütung zurückgeben muss. Bisher wurden ihm gut 40 Mio. $ in Aktien abgesprochen, was knapp einem Fünftel seines Gehalts seit dem Antritt als CEO entspricht.

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