Märkte / Makro

Bak und UBS erwarten schnelleres Wachstum

Das Tempo nimmt im dritten Quartal überraschenderweise etwas zu. Die BIP-Prognosen für das Gesamtjahr werden erhöht.

(AWP/BEG) Im dritten Quartal wuchs die Schweizer Wirtschaft 0,4% gegenüber dem Vorquartal. Im Jahresvergleich entspricht dies einem Plus des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,1%. «Die Schweizer Wirtschaft schlägt sich in Anbetracht des widrigen internationalen Umfelds respektabel», kommentiert Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank.

Die Werte liegen klar über den Erwartungen. Die von AWP befragten Ökonomen hatten das Wachstum zum Vorquartal bei lediglich 0 bis 0,2% und im Vorjahresvergleich bei 0,6 bis 1% gesehen.

«Silberstreifen am Horizont»

In der Folge erhöhen die Ökonomen der Konjunkturforschungsstelle Bak Economics und der UBS ihre Prognosen für das BIP-Wachstum für das Gesamtjahr. Bak Economics sprach von einem «Silberstreifen am Horizont» für die Schweizer Wirtschaft. Neu erwarten die Ökonomen für 2019 ein reales BIP-Wachstum von 0,8%  für 2019, von 1,5% für 2020 und 1,3% für 2021, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Die bisherigen Prognosen lauteten auf 0,7, 1,3 und 1,1%.

Auch UBS sieht ein «robustes Wachstum der Schweizer Wirtschaft». Hier wurden die Prognosen für 2019 auf 0,8 von 0,7 und für 2020 auf 1,1 von 0,9% angehoben. Das sei zwar für das kommende Jahr ein leicht besseres Wachstum, liege aber «immer noch deutlich unter dem Trend».

Nur der Pharmasektor koppelt sich ab

Das Wachstum habe überraschenderweise zugenommen, womit sich die Schweiz scheinbar von den Nachbarländern abkopple, schreibt Alexander Koch, Leiter Makro-Research bei Raiffeisen. «Dies gilt jedoch lediglich für den Pharmasektor, der sich überhaupt nicht konjunktursensitiv zeigt.» Zusammen mit wetterbedingten, rekordhohen Stromexporten aus der Wasserkraft habe das verarbeitende Gewerbe deshalb weiter kräftig zugelegt.

Die Exporte seien unerwartet deutlich gestiegen, dies sei vor allem der Pharmaindustrie sowie der Energiebranche zu verdanken, bestätigt Gitzel. Beim Blick in die Details würden die staatlichen Konsumausgaben und die Ausrüstungsinvestitionen hervorstechen. Beide hätten stärker zugenommen als erwartet. Die Ausrüstungsinvestitionen machten sogar den Rückgang des Vorquartals wett.

Globale Konjunkturschwäche hinterlässt Spuren

In anderen Industriesektoren hinterlasse die globale Konjunkturschwäche aber unvermeidlich ihre Spuren, schreibt Koch. Vor allem die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Mem) müsse Federn lassen. Das Auftragsvolumen sei seit Mitte 2018 um 27% eingebrochen. Koch: «Die Korrektur erfolgt zwar von einem sehr hohen Niveau, drückt mittlerweile dennoch auf die Produktion und die Beschäftigungsplanung.»

Gitzel sieht zwar insgesamt «ein erfreulich gutes Zahlenwerk». So richtig entspannt könne man über den BIP-Zuwachs aber nicht sein. «Konjunktursensitive Bereiche kommen auch in der Schweiz unter die Räder.» Das schwache internationale Umfeld gehe nicht spurlos an der Schweiz vorbei. «Die Ausfuhren der Maschinenbauer leiden.»

Die wirtschaftliche Abkühlung hat sich bestätigt

Von tiefen Einschnitten gingen die Unternehmen bislang insgesamt allerdings nicht aus, relativiert Koch. Der Geschäftsausblick in wichtigen Handelspartnerländern habe sich zuletzt wieder verbessert bzw. stelle sich nicht mehr ganz so pessimistisch dar. Und ohne eine erneute Eskalation bei den Handelsstreitigkeiten könnte sich die globale Investitionsbremse etwas lösen.

Insgesamt habe sich die konjunkturelle Abkühlung seit Herbst 2018 bestätigt, folgert das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco). Vor allem in der ersten Jahreshälfte 2018 hatte die Schweizer Wirtschaft noch deutlich zugelegt, danach konnte sie sich der Abschwächung bei ihren wichtigsten Handelspartnern aber nicht mehr entziehen. Trotzdem hatte für das Gesamtjahr 2018 noch ein Wachstum von 2,8% resultiert.

Wetter stützt Energiebranche

Das Seco erörtert die Details. Beim verarbeitenden Gewerbe (+1,2%) habe sich im dritten Quartal das Wachstum der Vorquartale fortgesetzt, dank der dynamischen Entwicklung der Branche Chemie-Pharma. Hingegen vermeldeten konjunktursensitivere Industriebranchen, namentlich die der Maschinen und der Metalle, erneut einen Exportrückgang und folgten damit gemäss Seco der internationalen Entwicklung.

Darüber hinaus habe der Energiesektor (+8,2%) aufgrund besonders günstiger Wetterbedingungen das stärkste Wachstum seiner Geschichte erzielt, mit einem entsprechend kräftigen Anstieg der Energieexporte. In der Summe legten die Warenexporte (+0,7%) und die Warenimporte (+1,1%) leicht zu.

Die inländische Nachfrage wuchs derweil gemäss den Seco-Angaben moderat. Beim privaten Konsum (+0,2%) schwächte sich die Dynamik gegenüber den Vorquartalen etwas ab, während sie beim Staatskonsum (+0,5%) nach einem schwachen Quartal anzog. Die Bauinvestitionen (+0,2%) wuchsen kaum, ebenso wenig die Wertschöpfung im Baugewerbe (+0,1%). Die Ausrüstungsinvestitionen (+0,7%) hätten trotz des unsicheren Umfelds immerhin den Rückgang des Vorquartals wettgemacht und bewegten sich damit in etwa auf dem gleichen Niveau wie vor zwei Jahren, schreibt das Seco weiter.

Finanzsektor negativ

Das insgesamt ungünstige Umfeld lastete auch auf dem Dienstleistungssektor. Die meisten dortigen Branchen verzeichneten entweder einen bescheidenen Zuwachs oder einen leichten Rückgang der Wertschöpfung. Insbesondere entwickelte sich die Branche der unternehmensnahen Dienstleistungen (–0,1%) im Zuge der Konjunkturabschwächung zum zweiten Mal in Folge negativ.

Auch in der Finanzbranche (–0,6%) wurde ein Rückgang der Wertschöpfung verbucht. Dagegen konnte der Handel (+0,4%) nach einem negativen Quartal wieder expandieren. Die Dienstleistungsexporte (+1,1%) wuchsen gemäss den Seco-Zahlen etwa durchschnittlich, ebenso die Dienstleistungsimporte (+0,9%).