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China: Die Kapitalflucht geht weiter

Die Währungsreserven der Volksrepublik sinken rapide. Im November gingen sie um 87 Mrd. $ zurück – die Kapitalflucht aus China setzt sich damit fort.

Alexander Trentin

Die Währungsreserven Chinas sind dieses Jahr über 400 Mrd. $ gesunken. Das bedeutet, dass die chinesische Zentralbank, die People’s Bank of China, ihre Fremdwährungen massiv verkauft hat, um den Wechselkurs der chinesischen Währung zu stabilisieren. Noch Mitte 2014 lagen die Währungsreserven bei fast 4000 Mrd. $, nun sind sie unter 3500 Mrd. $ gefallen.

Der Trend der fallenden Reserven hat sich im November noch einmal beschleunigt – um fast 90 Mrd. $ sind sie gesunken. Dabei sah es für den Oktober noch so aus, als sei der Trend gestoppt. Damals stiegen die Reserven erstmals in diesem Jahr.

Reserven eingesetzt, um Währung zu stabilisieren

Steigen die Reserven, wird Fremdwährung tendenziell gekauft, abgesehen von den Wertveränderungen der Währungsreserven. Damit wird die eigene Währung, der Renminbi, schwach gehalten. Sinken dagegen die Reserven, wird der Renminbi von der Zentralbank durch Käufe der eigenen Währung gegen Fremdwährung gestützt.

Die untenstehende Grafik zeigt die Veränderung der Reserven (linke Skala) und die Währungsreserven (rechte Skala) in Milliarden Dollar seit 2006.

Fx1Quelle: Capital Economics

Laut Julian Evans-Pritchard, China-Ökonom von Capital Economics, sind die Währungsreserven im November im Wert um etwa 30 Mrd. $ gesunken. Damit wurden 57 Mrd. $ an Fremdwährungen verkauft. Gleichzeitig wird geschätzt, dass China immer noch einen Handelsbilanzüberschuss von 55 Mrd. $ generiert. Dieser Überschuss sorgt für Kapitalzuflüsse.

Kapitalabflüsse auf über 100 Mrd. $

Die Kapitalabflüsse aus China sind daher höher, als der Abbau der Währungsreserven suggeriert. Sie belaufen sich laut Capital Economics auf 113 Mrd. $. In diesem Artikel wird der Zusammenhang zwischen Kapitalabflüssen und der Handelsbilanz erläutert. In den letzten Jahren war der Kapitalabfluss noch nie so gross, wie die untenstehende Grafik zeigt.

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Quelle: Capital Economics

Den Grund für die anziehenden Abflüsse sieht Evans-Pritchard in der Erwartung eines schwächeren Renminbis. Wenn Investoren davon ausgehen, dass sich die Währung in Zukunft abwertet, ist es sinnvoll, in eine andere Währung zu flüchten. Auch die Aussicht auf steigende US-Zinsen könnte laut Capital Economics den Kapitalabfluss beschleunigt haben.

Ob in China tatsächlich eine grosse Abwertung ansteht, bleibt umstritten. Die Währungsreserven sind bis auf weiteres gross genug, um den Kapitalabfluss auszugleichen. Doch eine schwächere Währung könnte die Exporte unterstützen und würde auch den Kapitalabfluss selbst begrenzen – denn dann wäre eine weitere Abwertung unwahrscheinlicher. Capital Economics argumentiert allerdings, dass dies nicht geschehen wird. Die Regierung würde damit ihrem Ziel schaden, die internationale Verwendung des Renminbis zu propagieren.