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Märkte / Emerging Markets

China geht sein Problem mit den Schulden an

Zum wichtigen Kongress der Kommunistischen Partei scheinen Krisenängste in der Volksrepublik verschwunden. Doch das Resultat der schwierigen Strukturreformen ist noch abzuwarten.
Die Perspektive für die chinesische Wirtschaft hat sich verbessert. Das dürfte bei den 2270 Delegierten, die sich ab dem 18. Oktober für den neunzehnten Kongress der Kommunistischen Partei in Peking treffen, schon einmal für gute Laune sorgen. Doch wäre Selbstgefälligkeit an dem alle fünf Jahre wichtigsten regelmässig abgehaltenen politischen Ereignis des autoritär regierten Landes fehl am Platz.

Der Internationale Währungsfonds attestiert der Volksrepublik bessere Wachstumsaussichten dank eines robusten Privatkonsums, einer überraschend stark angezogenen Auslandnachfrage und angebotsorientierter Reformen. Bereits Ende September hat die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) die Wachstumsprognose der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft für das laufende Jahr von 6,5 auf 6,7% nach oben korrigiert. Dass man sich auf den Wachstumsschätzungen nicht ausruhen will, liess Anfang Woche schon einmal Notenbankgouverneur Zhou Xiaochuan wissen. In einem Interview mit dem Finanzblatt Caijing rief er zu einer engeren Vernetzung des Landes mit der Weltwirtschaft auf. Dafür brauche es eine weitere Liberalisierung des Wechselkurssystems und des Kapitalverkehrs mit dem Ausland. Zhou erklärte: «Das Zeitfenster für Reformen ist nun offen, und die Gelegenheit muss genutzt werden. Wenn sie verpasst wird, steigen die Kosten der Reform.» Teuer erkauftes Wachstum Zhou weiss, wovon er spricht. Die Volksrepublik hat das nach der globalen Finanzkrise anhaltend rasante Wachstum teuer erkauft. Die Wirkung des 2008 geschnürten Konjunkturpakets in Höhe von 600 Mrd. $ ist längst ausgelaufen. Stattdessen hat die Regierung die Geschäftsbanken angewiesen, den Kredithahn aufzudrehen. Das Resultat ist ein Verschuldungsgrad, der nach Schätzungen von Wang Tao, Chinaökonomin der UBS, 274% des Bruttoinlandprodukts (BIP) erreicht hat. Wie gross die aus der Liquiditätsflut entstandenen makroökonomischen Ungleichgewichte geworden sind, lässt sich am überhitzten Immobilienmarkt ablesen. In der Hauptstadt Peking haben sich die Preise innerhalb von zehn Jahren verfünffacht. Trotz der wachsenden Kredite hat sich das BIP-Wachstum innerhalb von zehn Jahren fast halbiert. Mittlerweile haben die internationalen Ratingagenturen Chinas Kreditwürdigkeit herabgestuft, so zuletzt Ende September Standard & Poor’s. Ende der günstigen Kredite Die Zeit der günstigen Kredite scheint am Ende zu sein. Das lässt sich etwa aus einer mahnende Rede von Staatspräsident Xi Jingpings über den Zustand des chinesischen Finanzmarkts heraushören. In der Ansprache im Juli zählte man das Wort «Risiko» 31 Mal und das Wort «Regulierung» 28 Mal. China ist nach dem bisherigen Kreditboom nach Meinung von Ökonomen des Research-Hauses TS Lombard klar in einen neuen Zyklus eingetreten. So ist etwa das Wachstum der Geldmenge M2 dieses Jahr erstmals seit zwei Jahrzehnten unter 10% gefallen. Dieser wirtschaftspolitische Zeitenwechsel spielt sich vor dem Hintergrund eines erst zwanzig Monate zurückliegenden Börsencrashs, einer zeitweise massiven Kapitalflucht ins Ausland und kollabierenden privaten Investitionen ab. Das ist von weitreichender Bedeutung, trägt doch der Privatsektor nicht nur mehr als 60% zum Wirtschaftswachstum bei, sondern stellt 80% aller Arbeitsplätze. «Das grundlegende Problem Chinas ist, dass die privaten Investitionen in den vergangenen Jahren praktisch verschwunden sind», sagt Tao Dong, Chinaökonom der Credit Suisse. Es sei nicht möglich, dass das Land allein durch den Staatssektor nachhaltig wachsen könne. Das Ungleichgewicht ist das Resultat eines nach wie vor extrem staatslastigen Wirtschaftssystems. Trotz aller Reformanstrengungen gilt weiterhin, dass die von der Regierung kontrollierten Geschäftsbanken bevorzugt günstige Kredite an Staatsunternehmen und öffentliche Körperschaften erteilen. Ausgenommen davon sind vom Staat protegierte private Grosskonzerne wie der Onlinehändler Alibaba oder der Telecomausrüster Huawei: Sie können sich leichter Kapital beschaffen, das nicht zuletzt im Ausland. Angesammelte Schulden Als Erbe des bestehenden Systems ächzen die politisch mächtigen Staatskonzerne unter einer Riesenlast von Schulden und weisen hohe Überkapazitäten auf. Die Regierung scheint die Schwäche erkannt zu haben. Das zeigen nicht nur die eingeleiteten angebotsorientierten Reformen, die für steigende Erzeugerpreise und damit höhere Gewinne im Sektor der staatlich dominierten Schwerindustrie gesorgt haben. Langfristig von grösserer Bedeutung könnte sein, dass die Notenbank Ende September angekündigt hat, dass eine Reihe von Geschäftsbanken zukünftig gezielt Kredite an kleine und mittelgrosse Unternehmen des Privatsektors erteilen sollen. Wie wirksam diese und weitere Massnahmen sein werden, muss sich erst weisen. Es ist aber schon klar, dass die seit 1949 herrschende Kommunistische Partei marktwirtschaftliche Reformen westlichen Musters nur in begrenztem Rahmen vorantreiben will. Denn ihre Macht basiert nicht nur auf einem mächtigen Sicherheitsapparat, sondern auch auf der engen Kontrolle über einen grossen Teil der Wirtschaft. Im Zuge jüngster Unternehmensreformen wie im Fall des staatlichen Telecomkonzern China Unicom wurde der Einfluss privater Investoren denn auch nicht gestärkt, sondern geschwächt. Dem vorherrschenden Klima können sich ausländische Unternehmen nicht entziehen. China schottet ganze Branchen von der Konkurrenz ab, wie ein jüngster Report der Europäischen Handelskammer moniert. Ob sich das mit dem Parteikongress ändert, ist unklar. «Es bleibt abzuwarten, ob China willens und fähig ist, den Status quo zu überwinden oder am bestehenden System festhält», sagt Louis Kuijs, der Asienökonom von Oxford Economics.

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Ein Kommentar zu «China geht sein Problem mit den Schulden an»

  • Albert Martinovic sagt: 14.10.2017 – 10:04 Uhr

    Das ist Wunschdenken. Peking muss die ausländische Konkurrenz auf dem Heimmarkt überhaupt nicht gleich behandeln wie die eigenen Unternehmen, aus dem einfachen Grund weil China im weltweiten Unterbietungswettbewerb immer noch und bis auf weiteres die Nase vorn hat.