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China startet die digitale Seidenstrasse

Kernaussagen

  • Afrika hat sich durch die chinesische Belt & Road Initiative (BRI) zu einem wichtigen Handelspartner und Investitionsmarkt für China entwickelt.
  • Die chinesischen Investitionen in Afrikas digitale Infrastruktur – insbesondere in Subsahara-Afrika – eröffnen potenzielle Anlagechancen.
  • Von der Modernisierung und Ausweitung der Technologieinfrastruktur in Afrika dürfte vor allem der Telekommunikationssektor profitieren, in erster Linie Mobilfunknetzbetreiber und Unternehmen, die Sendemasten bereitstellen.

Im September 2018 wurde Chinas BRI fünf Jahre alt. Ziel der BRI ist der Auf- und Ausbau der Handelsbeziehungen und Investitionspartnerschaften zwischen Europa, Asien, dem Nahen und Mittleren Osten und Lateinamerika. Vor dem Hintergrund der schwierigen Handels- und Investitionsbeziehung zu den USA gewinnt die BRI für China weiter an Bedeutung.


Die BRI – Daten und Fakten

  • Die BRI ist eine gross angelegte Strategie zur Stärkung der regionalen Vernetzung und Förderung der Infrastrukturentwicklung und des Wirtschaftswachstums in mehreren Regionen, wobei der Fokus auf Afrika, insbesondere Subsahara-Afrika, liegt.
  • Neben traditionellen Infrastrukturinvestitionen gewinnen Investitionen in Afrikas digitale Infrastruktur im Rahmen der „Digital Silk Road“ (digitale Seidenstrasse) zunehmend an Bedeutung.
  • Die digitale Seidenstrasse verspricht viele Vorteile, könnte aber auch eine politische Debatte über die strategischen Risiken anstossen, die mit dem potenziellen Zugriff des chinesischen Staates auf vertrauliche Daten verbunden wären.
  • Gerade angesichts Afrikas junger Bevölkerung eröffnen die chinesischen Investitionen in die digitale Seidenstrasse potenziell attraktive Geschäftschancen für in Afrika aktive Telekommunikationsnetzbetreiber und Unternehmen, die Sendemasten installieren.

Chinas zunehmende Fokussierung auf Afrika

Die BRI teilt die Welt in sieben Regionen ein: Mittel- und Südosteuropa, Zentralasien, Ostasien, Südasien, Amerika, den Nahen und Mittleren Osten und Nordafrika sowie Subsahara-Afrika.

Dabei hat China sein Engagement in Afrika – und vor allem Subsahara-Afrika – über eine steigende Kreditvergabe auf dem Kontinent besonders schnell ausgebaut. Der Handel zwischen China und Afrika hat ebenfalls deutlich zugenommen – von 11 Mrd. USD im Jahr 2000 auf 170 Mrd. USD im Jahr 2017. Koordiniert werden diese Aktivitäten über das China-Africa Co-operation Forum (FOCAC).

Beim FOCAC-Treffen im September 2018 hat China den afrikanischen Staaten weitere Projektfinanzierungen in Höhe von 60 Mrd. USD versprochen und damit die BRI in Afrika nochmals gestärkt. Ausserdem unterstreicht der FOCAC Beijing Aktionsplan (2019-2021) Afrikas Rolle als wichtiger BRI-Partner sowie den aktiven Beitrag des Forums zur gemeinsamen Umsetzung der BRI.

In Afrika hat sich vor allem Subsahara-Afrika zu einem wichtigen Handelspartner für China entwickelt. Nachdem der Schwerpunkt der BRI zunächst auf Ostafrika (Kenia, Äthiopien und Südafrika) lag, steht jetzt zunehmend die überregionale Infrastrukturentwicklung im Fokus. Beim FOCAC-Treffen im September 2018 wurden Kooperationsvereinbarungen mit mehreren weiteren afrikanischen Ländern unterzeichnet, darunter Mosambik, Sambia, Ghana, Kamerun und Nigeria.

Nirgendwo sonst auf der Welt schreitet die Urbanisierung so rasch fort wie in Afrika. Damit eröffnen sich hier allein aus demographischer Perspektive bedeutende Wachstumschance. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass afrikanische Städte unter den Top 10 der am schnellsten wachsenden Städte der Welt im Zeitraum 2018 bis 2035 alle zehn Plätze belegen werden. Mit der Expansion der Städte und Volkswirtschaften in Afrika wird auch die Bevölkerung weiter wachsen. Das führt zu einer höheren Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen einschliesslich eines grösseren Bedarfs für mobile und digitale Services.

Die Digitale Seidenstrasse – China schlägt eine neue Richtung ein

Bislang hatten sich Chinas Investitionen in Afrika primär auf traditionelle Infrastrukturprojekte wie wichtige Schienenverkehrsverbindungen konzentriert – zum Beispiel Kenias erste normalspurige Bahnstrecke zwischen Mombasa und Nairobi oder Afrikas erste vollelektrische, grenzüberschreitende Bahnverbindung zwischen Dschibuti und Addis Abeba in Äthiopien. Mittlerweile richtet sich Chinas Interesse aber zunehmend auf den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Digitale Seidenstrasse ist Ausdruck der chinesischen Vision eines weltweiten Ausbaus des Internets über eine verbesserte Telekommunikationsinfrastruktur, die Förderung von Internetdienstleistungen sowie den grenzüberschreitenden E-Commerce und Handel. Das vor kurzem gestartete Projekt soll den Aufbau eines 150.000 Kilometer langen Glasfaserkabelnetzes sowie internationaler Verbindungsleitungen, Mobilfunkbasisstationen und E-Commerce-Verbindungen für einen afrikanischen „Information Highway“ unterstützen. Das Gesamtvolumen der fast 50 geplanten Investitionsprojekte wird auf mehr als 70 Mrd. USD geschätzt.

Mögliche politische Implikationen

Voraussetzung für Investitionen in die Digitale Seidenstrasse ist, dass die erforderliche Infrastruktur ausschliesslich von chinesischen Firmen aufgebaut wird. Diese chinesische Vorgabe wird nicht nur von den BRI-Empfängerländern, sondern auch von den USA und anderen interessierten Ländern kritisch gesehen. Über die Digitale Seidenstrasse würden enorme Mengen an personenbezogenen Daten, Regierungsinformationen und Finanzdaten übermittelt, die von der chinesischen Regierung potenziell angezapft werden könnten. Angesichts dieses potenziellen strategischen Risikos wollen die USA eine Beteiligung chinesischer Ausrüster am Rollout des 5G-Mobilfunkstandards in den USA und Europa ausschliessen. Einige europäische Staaten haben ebenfalls signalisiert, dass sie weitere digitale Investitionen aus China blockieren könnten. Gleichzeitig haben mehrere BRI-Investitionsländer die Besorgnis geäussert, dass die Konditionen einiger Vereinbarungen sehr vorteilhaft für China seien und die Investitionsländer den Grossteil des Risikos schultern müssten. Derartige Entwicklungen könnten zu Gesprächsbedarf auf diplomatischer Ebene führen.

Potenzielle Chance für den afrikanischen Telekommunikationssektor

Wir sind überzeugt, dass die junge Bevölkerung in Subsahara-Afrika, die stark wachsenden Städte in der Region und der Ausbau der digitalen Technologie potenziell attraktive Anlagechancen im afrikanischen Telekommunikationssektor eröffnen. Bei einer insgesamt unterdurchschnittlichen Durchdringungsrate von Mobilfunktechnologien in Subsahara-Afrika nimmt die Internetdurchdringung durch die wachsende Zahl mobiler Internetnutzer rasch zu. Für zusätzliche positive Impulse sorgt die Tatsache, dass bis 2025 fast 300 Millionen Menschen zusätzlich online sein dürften. Schätzungen des Branchenverbands Groupe Spéciale Mobile Association (GSMA) zufolge liegt der Anteil der Internetnutzer in Subsahara-Afrika bei 44% der Gesamtbevölkerung und damit deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 66%, soll aber bis Ende 2023 auf 50% und bis Ende 2025 auf 52% ansteigen.

Neben einem Anstieg der Internetnutzer zeichnet sich in Subsahara-Afrika auch eine technologische Aufrüstung ab. GSMA zufolge soll der Wechsel vom aktuellen 2G-Standard zu 3G-Standard innerhalb der nächsten sechs Jahre erfolgen. Nach GSMA-Angaben basierten 77% der Mobilfunkverbindungen in Subsahara-Afrika im Jahr 2015 auf dem 2G-Standard, 22% auf dem 3G-Standard und 1% auf dem 4G-Standard. Der 5G-Standard wird in Afrika voraussichtlich frühestens 2021 verfügbar sein. GSMA prognostiziert bis 2025 einen Rückgang des Anteils der 2G-Verbindungen auf 13%, während der Anteil der 3G- und 4G-Verbindungen auf 61% bzw. 23% ansteigen wird und 3% der Mobilfunkverbindungen über den 5G-Standard laufen werden.

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