Unternehmen / Ausland

China wird für Foxconn zu teuer

Foxconn will Arbeitsplätze aus Festlandchina abziehen und in die USA und Indonesien verlagern.

Das taiwanesische Elektronikunternehmen Foxconn beschäftigt in Festlandchina mehr als 1,2 Mio. Leute. Doch diese Strategie wird für den weltgrössten Auftragsfertiger von Elektronikgütern zunehmend eine Bürde, denn die Lohnkosten in China sind hoch geworden. China ist nicht mehr die billige Werkstatt der Welt, das Land entwickelt sich der Wertschöpfungskette entlang nach oben – und damit verbunden sind auch Nachteile: China ist im Bereich der Billigproduktion nicht mehr wettbewerbsfähig, Unternehmen wandern in andere südostasiatische Länder ab.

Foxconn hat am Wochenende angekündigt, die Produktion von Festlandchina «wegdiversifizieren» zu wollen und Hightech-Fabriken in den USA und kostengünstige Betriebsstätten in Indonesien zu bauen.

Günstiges Indonesien

Der Standort Indonesien erstaunt nicht so sehr. Foxconn findet dort gut ausgebildete, günstige Arbeitskräfte. Der Mindestlohn in Indonesien liegt mit monatlich rund  70 $ (West Java) bis 180 $ (Jakarta) deutlich unter dem Niveau Chinas. In den chinesischen Inlandprovinzen mit dem tiefsten Mindestlohn beträgt er bereits 150 $ pro Monat, in grossen Städten und Wirtschaftszentren muss ein Vielfaches davon bezahlt werden. Zudem fallen für den Arbeitgeber in China zusätzliche Kosten von rund 27% an, unter anderem für Sozialabgaben. Die Löhne verzeichnen jedes Jahr zweistellige Zuwachsraten.

In Vietnam zum Beispiel sind die Lohnkosten in den letzten zwanzig Jahren um etwa 150% gestiegen, in China haben sie sich verzehnfacht. Erklärtes Ziel der Regierung Peking ist, den Mindestlohn auf einem Niveau zu halten, das 40% des durchschnittlichen Lohnes von Angestellten in städtischen Regionen entspricht. In manchen Provinzen wird er jedes Jahr nach oben angepasst.

Wettbewerbsfähige USA

Aber weshalb sollte eine Produktion in die USA verlegt werden? Auch das ist höchstens auf den ersten Blick erstaunlich. Während die Reallöhne in China im letzten Jahrzehnt kontinuierlich und kräftig kletterten, serbeln sie in den USA in vielen Regionen vor sich hin. Und während die Energiekosten in China sprunghaft gestiegen sind, verzeichnen die USA eine veritable Energierevolution, die sie wieder in vielen Bereichen kompetitiv macht.

Doch nicht nur die Kosten sind für viele Produzenten ausschlaggebend. Die Nähe zum Kunden und das sichere rechtliche Umfeld in den USA sind ebenfalls wichtig. Aus Gründen der Kundennähe produzieren ja auch viele Schweizer Industrieunternehmen in China, und nicht weil es günstiger ist. In den USA kommt dazu, dass die Regierung die Industrie unterstützt und in den letzten Jahrzehnten verlorene Arbeitsplätze zurückgewinnen will. Foxconn ist unter anderem mit den Behörden von Colorado und Arizona im Gespräch über den möglichen Bau neuer Produktionsstätten.

Viele Jahre war ein bedeutender Standortvorteil Chinas die Flexibilität der Produktion: Produktneuerungen konnten sehr schnell und effizient umgesetzt und auf den Markt gebracht werden. Doch auch diesbezüglich haben die USA aufgeholt – nicht immer zugunsten der Arbeitnehmer.

Bald Lohnparität?

Foxconn ist mit der Absicht, in Amerika zu produzieren, nicht allein. Rohstoffunternehmen und Chemiekonzerne haben es schon vorgemacht. Es gibt Stimmen, die sagen, die Lohnparität zwischen den USA und China sei in einzelnen Sektoren bald Wirklichkeit. Unterstützt werde dieser Trend durch die Notenbankpolitik, das Fed exportiere mit seiner exzessiv lockeren Geldpolitik die Lohninflation in Schwellenländer.

Wie China mit dieser Abwanderung von Arbeitsplätzen umgeht, ist noch nicht klar. Höhere Löhne und die Bildung einer kaufkräftigen Mittelschicht haben für Peking höchste Priorität. Doch auch die chinesische Industrie muss diese qualitative Aufwertung mitmachen, sonst leidet das gesamte Wirtschaftswachstum.