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Chinas Autobauer in Angriffslaune

Marktliberalisierung und Förderung der Elektromobilität: Die Regierung treibt den Strukturwandel selbstbewusst voran.

China ist der weltgrösste Automobilmarkt. 2017 wurden im Land 28,9 Mio. Neuwagen verkauft. Bis heute dominieren jedoch ausländische Marken das Strassenbild der Grossstädte. Besonders hervor stechen dank umfangreicher lokaler Fertigung Produkte von Volkswagen, General Motors und Honda. Jetzt erhalten ausländische Konzerne durch eine weitere Marktliberalisierung zumindest temporär noch mehr Rückenwind.

Gleichzeitig wird der von der chinesischen Regierung seit Jahren aggressiv vorangetriebene Strukturwandel noch beschleunigt. Die Elektromobilität wird intensiv gefördert. Davon sollen längerfristig dann die einheimischen Anbieter profitieren, die ohne den Ballast einer jahrzehntelangen Motorenbautradition antreten. Denn auf dem Gebiet der als zukunftsträchtig geltenden Elektroautomobile und der mit künstlicher Intelligenz gesteuerten Fahrzeuge spielt China schon heute in der obersten Liga mit.

Joint-Venture-Pflicht entfällt

Damit könnten auch auf dem globalen Automobilmarkt die Karten neu verteilt werden. Die US-Investmentbank Morgan Stanley geht davon aus, dass neue Technologien weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette der Automobilindustrie haben werden.

Bisher können ausländische Hersteller nur in Joint Ventures mit inländischen Partnern in China Automobile vom Band rollen lassen. Vergangene Woche kündigte die Regierung jedoch die Aufhebung dieser Vorgabe an. Für E-Fahrzeuge soll sie schon dieses Jahr wegfallen, für Nutzfahrzeuge und Personenwagen mit Verbrennungsmotor 2020 respektive 2022.

Der Entscheid wurde im ersten Augenblick mit sich anbahnenden Handelsdisput zwischen den USA und China in Verbindung gebracht. Als Folge davon kamen die Aktien chinesischer Joint-Venture-Partner wie SAIC, Dongfeng und Brilliance unter Abgabedruck. Analysten der Credit Suisse stuften sie denn auch prompt von «Kaufen» auf «Verkaufen» herunter.

Nur wenige Tage zuvor hatte US-Präsident Donald Trump in einem Tweet den chinesischen Automarkt als Beispiel unfairer chinesischer Handelspraktiken hervorgehoben. Mit einer Million Personenwagen spielen Importe im chinesischen Markt allerdings nur eine unbedeutende Rolle, und das fast ausschliesslich im Luxussegment. Doch verdienen ausländischen Automobilkonzerne in China bisher sehr gut. Dasselbe trifft auch auf ihre meist von Staat kontrollierten lokalen Partner zu, deren Gewinne jedoch sehr einseitig von den Gemeinschaftsunternehmen abhängen.

Es kann davon ausgegangen werden, dass nicht alle Joint-Venture-Verträge nach ihrem Ablaufen verlängert werden. Doch läutet die angekündigte Öffnung des chinesischen Automarktes nicht notwendigerweise das Ende der chinesischen Autobauer ein. Viel wahrscheinlicher ist, dass der zwar überraschend angekündigte, doch von langer Hand geplante Liberalisierungsschritt erst recht zeigen wird, wie stark die heimischen Produzenten mittlerweile geworden sind.

Sichtbar ist das unter anderem daran, dass der Marktanteil der im Vergleich günstigeren einheimischen Marken seit 2014 kontinuierlich auf 44% gestiegen ist. Das liegt nicht nur an der guten Nachfrage in den ärmeren Teilen im Inneren Chinas. Dank des massiven Technologietransfers aus dem Ausland und wegen eigener Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen stellen die chinesischen Anbieter zunehmend auch qualitativ ansprechende Fahrzeuge her.

Begleitet wurden diese Fortschritte von einer durch die Regierung vorangetriebenen Konsolidierung der bis vor kurzem noch zerstückelten Branche. Inzwischen gibt es noch rund eine Handvoll starke einheimische Anbieter wie SAIC, Great Wall und die private, in Hongkong kotierte Geely Automobile Holdings, zu denen unter anderem Volvo Cars, Lotus und Proton gehören.

Konzentration auf das Neue

Bei E-Automobilen sind die chinesischen Konzerne schon heute wettbewerbsfähig. Das Selbstbewusstsein zeigt sich daran, dass ausländische Hersteller wie Tesla schon dieses Jahr eigenständig für den lokalen Markt in China produzieren dürfen. Geht es nach dem Wille der Regierung, sollen sogenannte New Energy Vehicles 2030 rund 40% des Absatzes bestreiten. «Für die chinesische Regierung steht das Ende des Verbrennungsmotors im Automobilbau fest», heisst es in einem Report der deutschen Aussenhandelsförderungsagentur German Trade and Investment.

Der Staat steuert die Entwicklung über günstige Kredite, Quoten und eine bevorzugte Zulassung von Neuwagen. Auch werden zunehmend die grossen chinesischen Internetkonzerne wie Alibaba, Tencent und Baidu mit eingebunden, etwa durch Forschung und Entwicklung im Bereich des autonomen Fahrens.

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