Meinungen

Chinas Beitrag

Die Finanzmärkte haben viel Optimismus. Dabei droht von China Ungemach. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Der Weltwirtschaft fehlt ein wichtiges Zugpferd.»

Diesmal fehlt ein Zugpferd, das der Welt nach der Finanzkrise aus der Rezession geholfen hat: Chinas Konjunkturstimulus. Mit riesigen Staatsausgaben wurde nach 2008 nicht nur die inländische Konjunktur, sondern auch die Weltwirtschaft angekurbelt. Angesichts der hohen Verschuldung der Volksrepublik ziert sich Peking diesmal verständlicherweise, die ganz grossen Kanonen einzusetzen. Selbst auf das oftmals kritisierte, aber Märkten und Wirtschaftsakteuren immerhin Sicherheit gebende Wachstumsziel wird verzichtet.

Damit ist es sehr unwahrscheinlich, dass China seine Importverpflichtungen gemäss dem Handelspakt mit den USA erfüllen wird. Es ist eine Verschärfung des Konflikts zwischen den zwei Supermächten zu ­erwarten – eine weitere Belastung für die Erholung der Weltwirtschaft.

 Die Finanzmärkte sind weiterhin optimistisch, dass die Erholung ohne grössere Komplikationen verläuft. Das zeigen die hohen Bewertungen der Börsen und ihr nur marginaler Kursverlust seit Anfang Jahr. «Priced to Perfection» sagt man auf Englisch: Es gibt keinen Puffer, falls es doch noch nicht so gut läuft, wie erwartet.

Dabei ist klar, dass selbst wenn die Pandemie beschränkt bleibt, lang ­andauernde Folgen für die Weltwirtschaft absehbar sind. Zur Erinnerung: Auch nach der Finanzkrise war die Wirtschaft immer noch ramponiert, obwohl die faulen Hypotheken – der eigentliche Krisenauslöser – schon abgeschrieben waren. Gerade China zeigt, wie harzig die Erholung nach der Pandemie aussehen kann. Mit dem kleinen chinesischen Stimulusbeitrag fehlt nun ein weiteres Sicherheitsnetz, um neue Ungewissheit an den Börsen zu verhindern.

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