Märkte / Emerging Markets

Chinas Konjunktur schwächt sich weiter ab

Das Wachstum der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft fällt im zweiten Quartal mit 6,2% auf ein 27-Jahres-Tief.

Gebremst von einem schwachen Binnenkonsum und dem Handelskrieg hat Chinas Wachstumsdynamik in den vergangenen Monaten weiter an Schwung verloren. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) expandierte nach Angaben des nationalen statistischen Amtes im zweiten Quartal gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres mit noch 6,2% – am langsamsten seit den ersten drei Monaten 1992. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wuchs es 6,3%.

Regierung ist weiter gefordert

Nachdem die Exporte im Mai gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch 1,5% zugelegt hatten, gingen sie im Juni 1,3% zurück. Obwohl sich der Umsatz des Einzelhandels und die Industrieproduktion im Juni stabilisiert haben, wird die Regierung nach Einschätzung von Experten in den kommenden Tagen und Wochen weitere wachstumsstützende Massnahmen ergreifen.

Premierminister Li Keqiang liess Anfang Juli verlauten, dass mit einer erneuten Senkung des Mindestreservesatzes der Banken und weiteren Finanzinstrumenten die Wirtschaft je nach Bedarf mit genügend Liquidität versorgt werden könne. 

Kein massives Konjunkturpaket in Aussicht gestellt

Angesichts des gesamtwirtschaftlich hohen Verschuldungsgrades hat er das Schnüren eines massiven Konjunkturpakets allerdings ausgeschlossen. Es sollen vielmehr ganz gezielt einzelne Unternehmen mit den zusätzlich frei werdenden Krediten versorgt werden. 

«Wir erwarten, dass die Kreditvergabe angesichts der anhaltenden konjunkturellen Abschwächung im zweiten Semester zulegen wird», meint Tao Wang, Chinaökonomin der UBS (UBSG 12.17 1.5%).

Verunsicherte Investoren

Peking hat das Wachstum bisher vor allem mit steuerlichen Erleichterungen gestützt, doch hat die Wirtschaft nur verhalten auf diese Schritte  reagiert. Unternehmen wie auch Privathaushalte investieren infolge der internen und externen Unwägbarkeiten nach wie vor nur zögerlich. 

Doch Ökonomen der Standard Chartered (STAN 712.4 -0.72%) Bank gehen davon aus, dass sich das Investitionsklima im zweiten Semester allmählich verbessern wird.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.