Märkte / Makro

Chinas Wirtschaft enttäuscht erneut

Gemäss ersten Daten von HSBC befindet sich der Ausstoss des chinesischen Industriesektors im März auf einem Achtmonatstief. Der Rückgang ist breit basiert und belastet die inländische Nachfrage.

Der Flash PMI enttäuscht erneut die Markterwartungen. Der heute Morgen veröffentlichte HSBC (5 426.00 -1.49%) Flash PMI – er ist der erste Indikator für die Wirtschaftsaktivität des laufenden Monats – zeigt für den März einen Wert von 48,1, nach 48,5 im Februar. Das entspricht einem Achtmonatstief. Von Analysten erwartet worden war ein Wert von 48,7. Der vom nationalen Statistikbüro und vom Logistik- und Einkäuferverband erhobene offizielle Einkaufsmanagerindex für die Industrie betrug im Februar 50,2.

Das ist der sechste Monat in Folge, dass der Flash PMI einen Rückgang des Industrieausstosses anzeigt, und der dritte Monat in Folge, dass er die Wachstumsschwelle von 50 unterschreitet. Der Flash PMI berücksichtigt gegen 90% der 430 von HSBC erfassten Unternehmen, darunter viele kleine und mittelgrosse Betriebe. Für den offiziellen PMI befragt das nationale Statistikbüro rund 3000 Unternehmen in 21 Sektoren, mit Schwerpunkt auf den weniger zyklischen grossen Staatsbetrieben.

Breit basierter Rückgang

Chinas Wachstumsmoment scheint sich weiter abzuschwächen. Der Rückgang ist breit basiert: Die reduzierte Kreditvergabe drückt auf die inländische Nachfrage. Doch die Situation ist noch nicht so schlimm, dass eine Reaktion der Regierung in Form eines grösseren Stimuluspakets folgen dürfte. Allerdings werden gezielte Massnahmen zur Stabilisierung des Wachstums in Form von tieferen Barrieren für private Investitionen erwartet. Ebenso dürften Investitionen in den Umweltschutz, ein gezielter Ausbau von Metronetzen zur Entlastung des Verkehrs sowie mehr Aktivität im sozialen Wohnungsbau folgen.

Der offiziell ausgewiesene Industrieausstoss befindet sich immer noch in der Wachstumszone, hat sich in den letzten Monaten jedoch deutlich verlangsamt. Die jüngsten Daten mehren die Sorgen über eine stärkere Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China als erwartet. Manche Marktbeobachter rechnen damit, dass das Wachstumsziel Pekings von 7,5% im ersten Quartal nicht ganz erreicht wird.

Sämtliche Subindizes des Flash PMI haben sich im März schneller verlangsamt als im Vormonat. In Einklang dazu stiegen die Lager an fertigen Gütern. Einzig der Index für neue Exportaufträge zeigt bessere Werte. Zu erwähnen ist auch, dass der Yuan gegenüber dem Dollar letzte Woche den bislang grössten wöchentlichen Rückgang erlitten hat, weil die Peoples Bank of China (PBoC) spekulative Mittelzuflüsse reduzieren will.

Kontroverse Signale aus der Wirtschaft

Die PBoC hat am Freitag ihren vierteljährlichen Stimmungsbericht aus der Wirtschaft veröffentlicht. Die Umfrage basiert jeweils auf Daten von 20 000 städtischen Haushalten, fast 6000 Unternehmen und 3100 Banken und misst die Stimmung im Vergleich zum Vorquartal.

Für das erste Quartal 2014 waren die Resultate kontrovers: Das Vertrauen in die Wirtschaft allgemein nahm zwar zu, aber ihre eigenen Geschäftsaussichten betrachten die Unternehmen als deutlich schlechter – sogar so schlecht wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Die Banken gaben an, die Kreditnachfrage habe sich erhöht, was wohl auf die höheren Finanzierungskosten im informellen Bankensektor zurückzuführen ist. Sie bezeichnen die eher restriktive Politik der PBoC als ungeeignet und beklagen die strengeren Kreditvergabevorschriften.

Die Haushalte hingegen blicken der Zukunft positiv entgegen, in Bezug auf Einkommens- und Arbeitsplatzaussichten. Das bestätigen auch die Zahlen des nationalen Statistikbüros, die jedoch notorisch unzuverlässig sind, wie das Statistikbüro selbst zugibt. Der Wille, frei verfügbares Einkommen für Konsum auszugeben, ist jedoch seit 2009 nicht gestiegen. Aber deutlich mehr Leute als im letzten Quartal planen, eine Wohnung zu kaufen.

Die asiatischen Börsen tendierten am Montagmorgen trotz des enttäuschenden Flash PMI im grünen Bereich. Der Nikkei 225 (Nikkei 225 28'930.11 -2.13%) avancierte 1,87%, der Hang Seng (Hang Seng 29'236.79 -2.15%) in Hongkong 1,1%. Der Shanghai Composite Index kletterte 0,5%, und die Börse in Singapur legte 0,92% zu.