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Chinas Wirtschaft wächst langsamer

China wuchs 2019 so langsam wie seit fast dreissig Jahren nicht mehr. Das Plus von 6,1% liegt innerhalb der Prognosen.

(Reuters) Der Handelsstreit mit den USA hat Chinas Wirtschaft 2019 das geringste Wachstum seit fast drei Jahrzehnten eingebrockt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg nur noch um 6,1%, wie das Statistikamt am Freitag mitteilte.

Das ist zwar exakt der Wert, den Ökonomen erwartet hatten, aber gleichwohl der niedrigste seit 1990. 2018 war die nach den USA zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt noch um 6,6% gewachsen. Experten rechnen damit, dass Regierung und Zentralbank die Konjunktur weiter anschieben werden – zumal der Handelsstreit mit den USA trotz der jüngsten Teileinigung für den Exportweltmeister längst nicht ausgestanden ist.

«Wir rechnen damit, dass Chinas Wachstumsrate im laufenden Jahr unter die Marke von sechs Prozent fallen wird», sagte der Chefökonom von Sony (SNE 63.58 -0.55%) Financial Holdings, Masaaki Kanno. «Es ist aber unwahrscheinlich, dass die chinesische Konjunktur einbricht. Dagegen spricht die Regierungspolitik.» So investiert Peking in die Infrastruktur und die Zentralbank fördert die Kreditvergabe.

Impulse werden auch durch das gerade unterzeichnete Handelsabkommen mit den USA erwartet. «Nicht etwa weil Handelshemmnisse wegfallen – ein Grossteil der Strafzölle bleibt bekanntlich in Kraft, sondern weil es für mehr Klarheit sorgt», sagte der Chefvolkswirt der VP Bank (VPBN 154 -6.44%), Thomas Gitzel. «Die Nachricht ist: Es gibt mehr Planungssicherheit, was sich positiv auf die weltweite Investitionsstimmung auswirken könnte.»

«Keine starke Erholung»

Für 2020 erwarten Analysten trotz der ersten Einigung im Handelskonflikt und weiterer Anreize für die Wirtschaft eine Abschwächung auf 5,9%. Insidern zufolge plant die Regierung mit einer Zielvorgabe von rund 6%, nachdem sie für 2019 noch 6,0 bis 6,5% ausgegeben hatte.

«Die Stabilisierung der Beziehungen zwischen den USA und China ist positiv, wird aber kein starke Erholung auslösen, da viele der Zölle noch in Kraft sind», sagte Volkswirt Woei Chen Ho von UOB in Singapur. Hoffnung schöpften Analysten aus einigen Wirtschaftsdaten für Dezember. So stieg die Industrieproduktion überraschend, die Investitionen legten ebenfalls zu und die Einzelhandelsverkäufe blieben stabil.

«Grundsätzlich gilt aber: China entwickelt sich zur Industrienation», sagte VP-Experte Gitzel. «Je höher der Entwicklungsgrad eines Landes, desto geringer die Wachstumsraten.»

Die USA und China haben am Mittwoch ein erstes Teilabkommen zur Entschärfung des Handelsstreits unterzeichnet. Konkret sollen die Chinesen in zwei Jahren und verglichen mit 2017 zusätzliche US-Industriegüter im Wert von knapp 78 Mrd. $ kaufen, zudem Energie für gut 52 Mrd. und Dienstleistungen für knapp 38 Mrd. Bei letzterem geht es vor allem um den Finanzsektor. Ausserdem sprach US-Präsident Donald Trump von bis zu 50 Mrd. $ für zusätzliche Käufe von US-Agrarerzeugnissen.

An den Börsen in Asien ging es am Freitag bergauf. «Das sind alles gute Nachrichten», sagte Daniel Gerard, Stratege beim Finanzdienstleister State Street (STT 70.85 -4.27%) Global Markets mit Blick auf die chinesischen Mitteilungen zu 2019. «Alle Daten, die jetzt kommen, von der Industrieproduktion zum Einzelhandel, zeigen Anzeichen dafür, dass der konjunkturelle Boden erreicht ist.»

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