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Chinas Zentralbank beugt Liquiditätsengpass vor

Die PBoC hat das Bankensystem mit 290 Mrd. Yuan geflutet. Es handelt sich um die grösste Reverse-Repo-Auktion seit Bloomberg die Ergebnisse aufzeichnet.

Am Dienstag hat die People’s Bank of China (PBoC) Reverse Repos über 290 Mrd. Yuan (rund 39 Mrd. €) durchgeführt, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen. Es ist der höchste Auktionsbetrag an einem einzelnen Tag seit Bloomberg die Ergebnisse im 2004 aufzuzeichnen begonnen hat. Verrechnet mit verfallenden Geschäften reduziert sich der Betrag.

Gegen Monats- und Quartalsende treten Liquiditätsengpässe häufiger auf, weil die Banken regulatorische Anforderungen wie Mindestreserven ausweisen müssen. Zudem stehen in China Ferien bevor, was die Nachfrage nach Bargeld erhöht.

Angespannter Interbankenmarkt

Der chinesische Interbankenmarkt ist nach wie vor angespannt, der Shanghai Interbank Offered Rate (Shibor) hat in den vergangenen Tagen vor allem am kurzen Ende angezogen. Am höchsten notierte er mit rund 4,7% für die Laufzeit von einem Monat.

Die PBoC offerierte 190 Mrd. Yuan für 28-tägige Reverse Repos zu 3,6% und 100 Mrd. für 14 Tage zu 3,25%, wie an den Auktionen beteiligte Händler gegenüber Bloomberg erklärten. Da diese Woche Reverse Repos über 107 Mrd. und anderseits eine eigene Schuldverschreibung der PBoC über 2 Mrd. fällig werden, handelt es sich um zusätzliche Nettoliquidität über 185 Mrd. Yuan.

Reverse Repos (Reverse Repurchase Agreement) der Notenbank sind aus Sicht der beteiligten Banken Repo-Geschäfte. Dabei erhält die Bank, also der Geldnehmer, gegen den Verkauf von (akzeptierten) Wertschriften Bargeld und verpflichtet sich gleichzeitig, die Wertschriften zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzukaufen. Der Geldgeber (die Notenbank) führt dagegen einen Barkauf verbunden mit einem Terminverkauf (Reverse Repo) durch.

Die PBoC erklärte im Anschluss an das vierteljährliche Treffen der Währungshüter, weiterhin eine vorsichtige Geldpolitik betreiben zu wollen.

Inflation könnte stimulierende Absichten bremsen

Anfang September hatte die chinesische Zentralbank ihre Bemühungen gestoppt, den Banken zusätzliche Liquidität zuzuführen. Durch Repo-Auktionen saugte sie 52 Mrd. Yuan (6,5 Mrd. €) aus dem Geldmarkt, nachdem sie im vergangenen Monat 344 Mrd. Yuan in die Banken gepumpt hatte.

Der Markt erwartet weitere expansive Massnahmen in China, etwa in Form von Zins- oder Mindestreservesatzschnitten, um das verlangsamte Wachstum anzuschieben. Doch die PBoC könnte bald mit einem Dilemma konfrontiert sein, sollte die Inflation weiter anziehen. Dies stünde einer weiteren Lockerung der Geldpolitik entgegen. Die Inflation ist im August von 1,8 auf 2% geklettert.

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