Nicht Kiew, sondern Chisinau: In der Hauptstadt Moldawiens geht die Angst um, auch bald ungebetenen Besuch aus Russland zu erhalten. Diese Hotelruine, selbst zu erträglichsten Sowjetzeiten imperiumstypische Intourist-Tristesse, mahnt in Blau-Gelb an das, was nebenan geschieht. Das kleine, mausarme Moldawien empfängt täglich Flüchtlinge aus der Ukraine, und es könnten noch mehr werden, sobald Putins Invasoren die ganze Schwarzmeerküste kontrollieren – falls sie das denn schaffen. Dazu kommt, dass ein Teil ­Moldawiens seit langem von Russland beherrscht wird: Trans­nistrien, im Wesentlichen der Landstreifen östlich des Flusses Dnjestr. Während im Kernland vor allem Rumänisch­sprachige leben, sind es dort vornehmlich Slawen, die nach der Auflösung der Sowjetunion nicht ohne Grund befürchteten, als Randgruppe in einem vereinigten Rumänien zu enden. Im Pseudostaat Pridnestrowje stehen russische «Friedenstruppen». Ihnen plus aus der Ukraine einfallenden Einheiten könnte Moldawien nur symbolischen Widerstand entgegensetzen; es fragt sich, ob das Nato-Land Rumänien eine Intervention erwägt, um Putin vorsorglich fernzuhalten. Der möchte aus Chisinau gerne wieder Kischinjow machen.(Bild: Dumitru Doru/EPA)