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Christoph Brönnimann: Vom US-Giganten zum kleinen Spezialisten

Der Schweizer hat fast die ganze Karriere in der Medtech-Sparte von Johnson & Johnson verbracht. Nun wechselt er als CEO zur Basler Medartis. 

Wenn ein langjähriger und erfolgreicher CEO vom Amt überraschend zurücktritt und ein unbekannter Name als Nachfolger präsentiert wird, weckt das zunächst mal Skepsis. Doch in diesem Fall ist sie wohl unbegründet. Christoph Brönnimann, der auf Anfang September Willi Miesch als operativen Chef von Medartis (MED 55 0%) ersetzt, hat sich während nahezu 15 Jahren Tätigkeit für den US-Gesundheitskonzern Johnson & Johnson das Rüstzeug für die Führung des Basler Orthopädie-Unternehmens geholt.

Miesch (55) war Geschäftsführer von Medartis seit November 1997, als sie von Thomas Straumann (STMN 841 -1.04%) vom gleichnamigen Zahnimplantate-Unternehmen gegründet wurde. Seither ist der Mitarbeiterbestand von sieben auf rund 600 gewachsen, der Umsatz auf 120 Mio. Fr. Erst seit 2012 schreibt Medartis Gewinn, das Unternehmen kam im vorletzten März an die Börse. Gegenwärtig wird es von den Investoren mit 650 Mio. Fr. oder mit einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 47 für 2020 bewertet.

Nach mehr als 20 Jahren an der operativen Spitze ist nun in Miesch offenbar der Wunsch entstanden, in den Verwaltungsrat zu wechseln. Dort wird er die Leitung eines neuen Strategie- und Innovationskomitees übernehmen. Sein Know-how bleibt im Unternehmen.

 Ein Generationenwechsel ist es nicht. Für den nächsten Entwicklungsschritt von Medartis ist der 53-jährige Christoph Brönnimann aber möglicherweise die geeignetere Führungsperson. Medartis ist kein Start-up mehr. In den nächsten Jahren muss sie sich von einem technologie- zu einem vertriebsorientierten Unternehmen wandeln. Zudem gilt es, die internationale Position besonders in China und in den USA, dem bedeutendsten Einzelmarkt, auf- und auszubauen. In diesen grossen Märkten ist die auf kleine Implantate und Platten für die Fixation vor allem von Hand-, Fuss-, Gesichts- und Ellenbogenknochen spezialisierte Medartis noch wenig beziehungsweise untervertreten. In den USA erwirtschaftet das Unternehmen erst 16% des Umsatzes.

 Der an der ETH Zürich zum Chemiker ausgebildete Brönnimann begann die berufliche Karriere im Roche-Konzern. Seine erste Stelle als Produkt- und Marketingmanager führte ihn in die USA, wo er vier Jahre blieb. Danach sammelte er als Berater bei PriceWaterhouseCoopers Erfahrung auf dem Gebiet der Übernahmen und Fusionen (M&A). Dieses Know-how konnte Christoph Brönnimann am nächsten Arbeitsposten eins zu eins anwenden. 2005 trat er in die Welt der Medizinaltechnologie ein, als er bei Synthes anheuerte und als Erstes für die Integration von Stratec und Mathis verantwortlich war.

Später kümmerte sich Brönnimann um das Qualitätsmanagement und die Zulassung neuer Produkte, dann um die Logistik. In diesen Funktionen war der Manager viel international unterwegs, auch in Asien. Zu Johnson & Johnson stiess der neue CEO von Medartis 2012, als der US-Gesundheitskonzern Synthes für rund 20 Mrd. Fr. übernahm. Zu diesem Zeitpunkt war Brönnimann Geschäftsführer von Synthes Schweiz.

Nach der Übernahme durch J&J leitete er zunächst DePuySynthes Deutschland. Derzeit und bis Ende August hat er die Führung des Medtech-Geschäfts des US-Konzerns in Deutschland, Österreich und Schweiz (Dach-Region) inne.

 Noch zählt Christoph Brönnimann zu den 200 Top-Kaderleuten des US-Konzerns. Bald kehrt der in der Region Basel wohnhafte Vater von zwei erwachsenen Kindern und begeisterte Sportler auch beruflich in die Heimat zurück.

Medartis kennt er als Konkurrentin von Synthes, der Nummer eins im Bereich Implantate zur Behandlung von Knochenbrüchen. Ihn dürfte gereizt haben, künftig in einem kleinen, innovativen Unternehmen als CEO direkt am Markt zu wirken. Thomas Straumann erwartet sich von ihm sowohl Kontinuität wie auch neue Impulse. Die Chancen stehen gut, dass dem langjährigen NLA-Handballer des RTV Basel mit Medartis der nächste Wurf gelingt.

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