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Cisco Systems mit gutem US-Geschäft

Der US-Netzwerkgigant hat im abgeschlossenen Quartal solide Ergebnisse erzielt – auch wenn der europäische Absatzmarkt weiterhin schwächelt. Die Aktien legen rund 8% zu.

Europa ist und bleibt für Cisco Systems (CSCO 46.96 1.54%) ein Sorgenkind. Das machte am Dienstag der Quartalsbericht deutlich. Nicht nur ermässigte sich die Nachfrage vonseiten der Unternehmenskunden (Enterprise). Auch die Investitionsfreude der Telecomkonzerne ging im Vergleich zur Vorjahresperiode zurück. An dieser Misere dürfte sich vorerst nichts ändern. «Wir gehen davon aus, dass sich die Lage in Europa zuerst verschlechtert, bevor sie wieder besser wird», erklärte CEO John Chambers im Conference Call.

Trotzdem vermochten die Konzernergebnisse die (tiefen) Erwartungen des Marktes zu übertreffen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 6% auf 11,9 Mrd. $. Analysten waren im Schnitt von 11,8 Mrd. $ ausgegangen. Im Wachstum ist allerdings auch der Effekt der Übernahme des britischen Softwarehauses NDS enthalten. Unter dem Strich resultierte ein Reingewinn von 2,1 Mrd. $, was gegenüber 2011 einem Plus von 18% entspricht. Unter Ausklammerung von Sonderkosten erzielte Cisco Systems einen Überschuss von 48 Cent pro Aktie, was die Konsenserwartung des Marktes um 2 Cent schlug.

Restrukturierung verbessert Margen

Die soliden Ergebnisse sind unter anderem einer Erholung in den USA zuzuschreiben: Im Heimmarkt legten sowohl die Unternehmensnachfrage (+9%) wie auch die Investitionen aus dem Telecomsektor (+13%) zu. Damit konnte die weiterhin angespannte Budgetsituation der öffentlichen Hand überkompensiert werden.

Einen weiteren Lichtblick lieferte die Profitabilität: Auf sequenzieller Basis wuchs die Bruttomarge um 0,8 Prozentpunkte auf 62,7%. Unter Ausschluss der höhermargigen Dienstleistungen stieg sie gar um 1,1 Prozentpunkte. Zwar wies Chambers darauf hin, dass die Entwicklung stark vom Produktmix abhängig ist und es deshalb zu Fluktuationen kommen kann. Trotzdem sei man sehr zufrieden, wie sich die Restrukturierungsbemühungen und die Optimierung der Versorgungskette in einer tieferen Kostenbasis niedergeschlagen hätten.

Cisco Systems gefordert

Grosse Herausforderungen bleiben allerdings bestehen. Nicht beeinflussbar ist die politische Entwicklung: Weiterhin droht der amerikanischen Wirtschaft die Fiskalklippe (Fiscal Cliff). Wird nicht genügend schnell gehandelt, könnten die Vereinigten Staaten im kommenden Jahr neuerlich in eine Rezession abrutschen.

Im Fokus bleibt ausserdem die Konkurrenz- und Margenentwicklung in Ciscos traditionellem Kerngeschäft mit Routern und Switches (Datenverteilung in Netzwerken). In beiden Segmenten, die zusammen fast 50% zum Gesamtumsatz beitragen, sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um jeweils 2%. Zu den Risiken, die im Conference Call ausgiebig thematisiert wurden, zählt hier der technologische Wandel: Software-Defined Networking (SDN) erlaubt es, eine Softwarekontrollinstanz einzuführen, die die zentrale Steuerung von Netzwerken übernimmt. Dadurch werden die Anforderungen an die Hardwarekomponenten verringert, was die Margen unter Druck bringen dürfte.

Robert Lloyd, verantwortlich für Entwicklung und Verkauf, versuchte im Conference Call diese Gefahr in Perspektive zu setzen. Die Transformation der Datenzentren werde viele Jahre dauern und zahlreiche Zwischenformen annehmen. Dafür sei der Netzwerkgigant gut gerüstet. Auch John Chambers zeigte sich – wie immer – zuversichtlich: «Ich mag es, wie wir in diesem Bereich positioniert sind.»

Bewertung nimmt Risiken vorweg

Für das laufende Quartal prognostiziert der Konzern ein Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr zwischen 3,5 und 5,5%. Das liegt leicht über dem von Analystenseite erwarteten Plus von 4%. Die Gewinnspanne wird auf 47 bis 48 Cent pro Valor angesetzt. Ein wichtiger – jedoch schwer einschätzbarer – Faktor in der künftigen Entwicklung sei laut Chambers die Stimmung in den Führungsetagen: «Die Unternehmen verfügen über genügend Liquidität. Sie geben das Geld aber nur aus, wenn sie auch die Zuversicht für Investitionen haben.»

Im Nachgang der soliden Ergebnisse schossen die Cisco-Aktien rund 8% in die Höhe. Damit sind sie ungefähr auf dem Niveau angelangt, wo sie bereits zu Jahresbeginn notierten. Trotz der zahlreichen Unwägbarkeiten bleiben sie ein Engagement wert. Dafür spricht vor allem ihr tiefes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9 für das laufende Fiskaljahr 2013 (per Ende Juli). Die Bewertung wird noch attraktiver, wenn man die hohe Nettoliquidität von 28,7 Mrd.$ berücksichtigt. Auch operativ lassen sich positive Trends anführen: So dürfte, obwohl das meiste bereits umgesetzt wurde, die positive Margenwirkung der Restrukturierung noch eine Weile spürbar sein. Ausserdem ist das Management optimistisch, auch in den kommenden Monaten Marktanteile dazugewinnen zu können.

Beteiligung der Aktionäre

Mehrere grosse IT-Konzerne haben in den letzten Quartalen eine Dividende eingeführt oder ihre Ausschüttungen erhöht. Dazu zählt auch Cisco Systems. Im August hat das Management angekündigt, künftig mindestens die Hälfte des freien Cashflows auszuzahlen oder für Aktienrückkäufe einzusetzen. Auf Basis der aktuellen Quartalsdividende von 14 Cent pro Titel rentieren Cisco Systems mit respektablen 3,1%.

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