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Clariant-Aktie sackt nach schwachen Zahlen ab

Mit den roten Zahlen zum ersten Halbjahr enttäuscht die Spezialitätenchemieherstellerin. Wegen Kartellverdachts ist eine grosse Rückstellung nötig.

(AWP) Nach der Suspendierung des geplanten neuen Bereichs «High Performance Materials» zusammen mit Ankeraktionärin Sabic hält Clariant (CLN 20.42 -0.29%) am Verkauf von weniger wachstums- oder margenstarken Teilbereichen fest. Sie will sich künftig auf ihre Kerngeschäftsbereiche Care Chemicals, Catalysis und Natural Resources fokussieren. Mit diesen werde man ein überdurchschnittliches Wachstum, eine höhere Profitabilität und eine stärkere Cashflow-Generierung erzielen.

Bereits veräussert wurden die Pharma-Verpackungen. Clariant will den früher angekündigten Verkauf des Pigment-Geschäfts nun wie geplant bis Ende 2020 durchziehen. Neu will Clariant aber auch das gesamte Geschäft mit Masterbatches veräussern. Also (ALSN 145.8 -1.49%) nicht nur die Standardprodukte, sondern auch die hochwertigen Materialien. Die Planspiele mit Sabic sahen vor, dass Clariant seine Additive und hochwertigen Masterbatches in das Gemeinschaftsunternehmen einbringt.

Den Erlös aus dem Verkauf der Firmenteile will Clariant dazu nutzen, um in neue Produkte zu investieren, die Bilanz zu stärken und Kapital an die Aktionäre auszuschütten.

Tiefrote Zahlen

Zeitgleich hat Clariant auch die Gewinnzahlen der ersten Halbjahres genannt – und die hatten es in sich. Im «fortgeführten Geschäft» stagnierte der Umsatz bei 2,22 Mrd. Fr. und der operative Gewinn Ebitda vor Einmalefffekten sank um 2% auf 355 Mio. Fr.. Aber unter dem Strich wies das Unternehmen einen satten Verlust von 101 Millionen Franken aus.

Denn Clariant hat eine Rückstellung von 231 Mio. Fr. für eine laufende wettbewerbsrechtliche Untersuchung der EU-Kommission vorgenommen. Die EU-Wettbewerbshüter gehen einem Kartellverdacht nach. Sie prüfen, ob es bei Abnehmern von Ethylen zu wettbewerbswidrigen Absprachen kam. Clariant geht also wohl davon aus, für schuldig befunden zu werden.

Der Umsatz der «nicht fortgeführten Aktivitäten» wird auf 1,11 Mrd. Fr. beziffert. Damit hat Clariant genau ein Drittel seines heutigen Geschäfts ins Schaufenster gestellt.

Aktien verlieren

An der Börse wurde das Halbjahresresultat als enttäuschend eingestuft. Die Reaktion fiel ungnädig aus. Die Clariant-Aktien verloren deutlich und waren am Donnerstag das Schlusslicht im Markt.

Analysten zufolge weiss auf Konzernebene im zweiten Quartal weder die Umsatzentwicklung, noch der bereinigte Ebitda zu überzeugen. Beim Umsatz habe einzig der Bereich Catalysis die Erwartungen zu erfüllen vermocht, so heisst es. Als enttäuschend wird insbesondere die Absatzentwicklung im Bereich Care Chemicals bezeichnet.

Auch auf Stufe bereinigter Ebitda weiss der Bereich Care Chemicals nicht zu überzeugen. Der höher als erwartet ausgefallene Gewinnbeitrag aus dem Bereich Natural Resources reicht nicht aus, um diese Differenz aufzufangen.

Geplatzter Deal und Rücktritt des CEO

Dass Clariant und der Ankeraktionär Sabic die Gespräche rund um die Zusammenlegung von Geschäftsaktivitäten zu einem neuen Bereich High Performance Materials aufgrund der schwierigen Marktbedingungen aussetzen, wird von Marktteilnehmern bedauert und als enttäuschend bezeichnet. Analysten hatten sich hohe Synergien aus der Verschmelzung von Geschäftsaktivitäten der beiden Unternehmen erhofft.

Gemäss Händlern sitzt auch der Schock nach dem Rücktritt des vom Ankeraktionär Sabic zu Clariant gestossenen Konzernchefs nach gerademal neun Monaten noch immer tief. Nachdem die Pläne für die Zusammenlegung von Geschäftsaktivitäten mit Sabic auf Eis gelegt wurden, dürften immerhin die Spekulationen rund um mögliche Gründe des Rücktritts ein Ende haben.

Die komplette Historie zu Clariant finden Sie hier. »

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