Unternehmen / Gesundheit

Clintons Tweet mit Nebenwirkungen für Pharmaaktien

Die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verschreckte mit ihrer Aussage, die stark steigenden Medikamentenpreise bekämpfen zu wollen, die Anleger.

Michael Griesdorf und Clifford Padevit

Ein Tweet der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat Biotech- und Pharmaaktien zu Beginn der Woche zugesetzt. Sie kündigte am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter an, sie werde den rasanten Anstieg der Preise für verschreibungspflichtige Medikamente bekämpfen. Die Details zu ihrem Programm für das Gesundheitswesen lieferte sie am Dienstagnachmittag während einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa nach.

«Ich will die Konsumenten schützen wie auch die Innovation fördern – und damit zugleich die Preistreiberei stoppen», sagte Clinton während einer Rede in Des Moines. Der Anteil der amerikanischen Bevölkerung ohne Krankenversicherung bewege sich zwar auf dem tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Die Kosten für rezeptpflichtige Medikamente und Krankenkassenprämien würden aber steigen, kritisiert sie.

Zudem ist die demokratische Präsidentschaftsanwärterin offen für Importe: «Wenn ein benötigtes Medikament in Kanada weniger kostet, dann sollte man es in Kanada kaufen können, solange unsere Sicherheitsstandards erfüllt werden», sagte Clinton.

Dass Medikamentenpreise zu einem heissen Thema im Wahlkampf werden könnten, macht Investoren nervös. Der Nasdaq Biotech Index verlor am Montag über 4%. Am Dienstag setzte er die Talfahrt nach Handelseröffnung fort, begann sich dann aber im Verlauf des Nachmittags zu stabilisieren. Auch die Aktien von grösseren US-Pharmakonzernen wie Bristol-Myers Squibb, Merck & Co sowie Eli Lilly litten. Titel europäischer Pharmagrössen wie GlaxoSmithKline aus Grossbritannien, Novo Nordisk aus Dänemark sowie Novartis und Roche aus der Schweiz folgten dem Abwärtstrend. Novartis gaben an einem tiefroten Börsentag 4,6% nach.

Die hohen Preise im US-Arzneimittelmarkt sorgen immer wieder für Diskussionen. Nirgendwo auf der Welt sind sie höher. Gerade spezifische Präparate, die nicht selten von Biotech-Gesellschaften stammen, haben in den letzten Jahren für einen starken Anstieg bei den Budgets der Kostenträger gesorgt. 2014 sind die Ausgaben für verschreibungspflichtige Präparate gemäss der grössten US-Medikamenteneinkaufsorganisation Express Scripts 13% auf 374 Mrd. $ gestiegen. Das ist die stärkste Aufwärtsbewegung seit 2003. Beigetragen haben die neuen Hepatitis-C-Wirkstoffe des US-Biotech-Konzerns Gilead. Die Medikamente haben sich binnen kurzer Zeit in die Gruppe von Präparaten eingereiht, die den staatlichen Versicherern Medicare und Medicaid am meisten Kosten verursachen.

Neu sind die Vorwürfe Clintons an die Adresse der Gesundheitsbranche nicht. Sie stehen bereits im Wahlprogramm der Kandidatin, die derzeit in Umfragen als Favoritin der Demokratischen Partei gilt. Im Programm heisst es konkret, dass sie sich für niedrigere Medikamentenpreise für «hart arbeitende Familien und Senioren» einsetzen will.

Die Angst der Anleger vor Hillary Clinton hat eine Geschichte. Sie hatte 1993 für ihren Gatten und Präsidenten Bill Clinton den Vorschlag einer umfassende Gesundheitsversicherung für alle Angestellten ausgearbeitet, die vor allem von Arbeitgebern finanziert worden wäre. Er scheiterte aber im Kongress.