Luxus / Classic Cars 11:21 - 08.12.2016

Cobra CSX 2000 (1962)

Carroll Shelby kreierte mit der Cobra einen Oldtimer von Wert – dank der Hilfe von Ford.

Es sei eingestanden: Wir wissen nicht so genau, wie die Geschichte ablief. Es gibt da schon ein paar Fragezeichen. Zwar haben wir vor vielen Jahren einmal ausführlich mit Carroll Shelby persönlich über die Entstehungsgeschichte der Cobra gesprochen. Aber als er auf gewisse unklare Details angesprochen wurde, meinte er lakonisch, er müsse das jeweils auch selbst in der einschlägigen Literatur nachlesen. Carroll Shelby war immer ein schräger Vogel. Obwohl riesig und auch nicht ganz schlank, war er einer der besten Rennfahrer seiner Zeit.

Als Rennanzug benutzte er einen Over­all, wie ihn die Arbeiter auf den Hühnerfarmen in seiner texanischen Heimat trugen. Ab Ende der Vierzigerjahre gewann er, Jahrgang 1923, zahllose Rennen in den USA, vor allem in der Serie der SCCA (Sports Car Club of America), die damals besten Motorsport bot. Shelby bewegte Allard und Jaguar, aber auch ein paar Ferrari, und Mitte der Fünfziger kam er nach Europa, um auf einem englischen Produkt, Aston Martin, Erfolge zu feiern.

Der Höhepunkt seiner Karriere war sein Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans, wo er 1959 zusammen mit Roy Salvadori auf einem Aston Martin DBR 1/300 auf den ersten Rang fuhr. Doch schon zwei Jahre später, im Alter von 37 Jahren, musste er seinen Helm an den Nagel hängen. Herzprobleme seien es gewesen, die seine aktive Karriere beendeten.

Hätte Shelby noch länger Erfolge eingefahren, wäre vielleicht nie eines der unglaublichsten und wahnsinnigsten Fahrzeuge aller Zeiten auf die Strasse gebracht worden. Seinen Lebensunterhalt konnte er von der Vertretung für Goodyear-Rennreifen anfangs nur einigermassen bestreiten. Auch seine Rennfahrer-Schule auf dem Riverside Raceway in Kalifornien lief nicht schlecht. Aber Shelby war schlicht und einfach: langweilig.

Er wollte General Motors seine Idee von einem All American Sportscar andrehen. Doch die hatten gar keine Interesse. Ein paar Strassen weiter rannte Shelby offene Türen ein: Ford hatte den Wert von Rennsport-Aktivitäten erkannt, und gab damals so ziemlich jedem, der ein Projekt hatte, eine Chance.

Bild: Courtesy of RM Sotheby's

Ein erfahrener Rennfahrer

Carroll Shelby hatte klare Vorstellungen. Er war ja nicht einfach einer der vielen Bastler, die damals ihr Glück versuchten, sondern ein erfahrener Rennfahrer. Und so wusste der Zeit seines Lebens bestens vernetzte Texaner, dass Ford gerade eine neue Motorengeneration im Test hatte, darunter ein 4,3-Liter-V8, der dank einer neuen Giesstechnik und einem deshalb dünnwandigeren Zylinderblock ein geringes Gewicht aufwies. Er konnte den Chef der Ford-Stock-Car-Abteilung überreden, ihm einige dieser Motoren zu überlassen, die er dann in alte Austin-Healey-Chassis einbaute.

In Europa gab es einen englischen Hersteller, der grossen Bedarf an einem anständigen Motor hatte: AC. Die Engländer hatten in den Fünfzigerjahren wunderbare Wagen gebaut. Ford gefiel die Idee von Shelby, in diese AC einen V8 einzubauen. Und so erhielt er Anfang 1962 noch einmal einen dieser neuen Ford-Achtzylinder, diesmal verbunden mit einem 4-Gang-Getriebe von Borg Warner.

Es brauchte viel Arbeit und Können der Engländer, den Ford-Motor ins AC-Chassis zu bringen. Doch an einem Wintermorgen des Jahres 1962 soll Shelby persönlich mit über 240 km/h die Hangar-Gerade in Silverstone entlanggebrettert sein. Selbstverständlich war Shelby von seinem ersten Auto begeistert, vom CSX 0001, dem Carroll Shelby Experimental Nr. 1.

Der Wagen wurde in die USA verschifft  und neu benannt, in CSX 2000. Hier wird es in der Geschichte zeitlich eng. Also: Shelby erhielt den Motor Anfang des Jahres 1962 in Detroit, brachte ihn nach England, liess ihn in das AC-Chassis einbauen, brachte den fertigen Wagen wieder in die USA – und am 5. Februar 1962 konnte er nach einer Präsentation des Fahrzeugs einen Vertrag mit Ford unterzeichnen, der ihm die Lieferung von Motoren und Getriebe garantierte. Dies unter der simplen Bedingung, dass neben der Haube ein Sticker mit der Aufschrift «Powered by Ford» angebracht werden musste.

Ein betrunkener Teufelskerl

Shelby war zwar ein Teufelskerl und wirklich schnell auf der Strasse, aber wie genau will er das geschafft haben? Und es gibt in der einschlägigen Literatur auch die Version, dass Shelby einen AC ohne Motor in Kalifornien hatte. Dass dort der Ford-Motor eingebaut wurde.

Dass dort die ersten Probefahrten stattfanden, nicht in England – dafür im betrunkenen Zustand, wie ein Zeitgenosse sich erinnern will. Was so rein vom zeitlichen Ablauf her deutlich logischer wäre. Aber eben – wie war es wirklich? Gibt es Literatur, auf die man sich verlassen will?

Was verbürgt ist: Ende Februar war der CSX 2000 in Kalifornien, wo ihm die jüngste Version des 260er-Motors eingebaut wurde. Der Wagen sollte unbedingt auf der Ford-Oster-Show in New York ausgestellt werden, und dabei hatte er nicht mal eine Lackierung – geschweige denn einen Namen.

Lackiert wurde er in Knallgelb, allerdings so schlecht, dass die Farbe sich in kürzester Zeit in ein flockiges Weiss mit Violett-Tönen verwandelte. Aber dafür hatte Ideengeber Shelby den perfekten Namen für den Wagen: Cobra. Im Traum, erzählt er später gerne, habe er diese Eingebung gehabt, und sie auch gleich noch visualisieren können: eine grosse, schlanke Kobra quer über die Motorhaube. Das New Yorker Publikum liebte den Wagen, Ford gab sofort das Einverständnis für die Produktion.

Bild: Courtesy of RM Sotheby's

Die Story mit der Farbe ist eine wunderbare Anekdote. Einer wollte den CSX2000 in Gelb haben. Doch weil die Journalisten des Magazins «Sports Car Graphic» schon unterwegs waren und die Lackierung ohnehin nicht gut war, wurde sie wieder runtergeschrubbt bis auf das blanke Alu. Und so wurde er dann auch für das Magazin abgelichtet. Dann wurde die Cobra wieder lackiert, zuerst in Gelb, mindestens einmal auch in Blau.

Shelby hatte während der ersten fünf Monate seines neuen Unternehmens genau dieses eine Fahrzeug zur Verfügung. Und damit mussten Testfahrten gemacht werden. Und Journalisten, die Ford-Menschen sowie potenzielle Kunden begeistert. Nicht auszurechnen, was aus Cobra geworden wäre, hätte jemand das Ding zu Schrott gefahren.

Und die Sache mit den verschiedenen Farben war auch ein guter Clou, so merkte niemand, dass es nur dieses eine gute Stück gab. Diese allererste Cobra wurde am 19. August von RM So­theby’s in Monterey für 13,75 Mio. $ versteigert. Das ist verbürgt.

Bild: Courtesy of RM Sotheby's

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