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Contrarians sollten Rohstoffaktien kaufen

Die Sektoren Rohstoffe und Banken werden von Investoren weltweit gemieden. Übervertreten in den Portefeuilles sind dagegen defensive Sektoren wie Alltagskonsumgüter.

Mark Dittli

Die monatliche Fund Manager Survey von Bank of America (BAC 32.96 0.09%) Merrill Lynch gibt jeweils recht zeitnah Einblick in die vorherrschende Meinung an den Finanzmärkten – und kann von mutigen Investoren benutzt werden, um sich gegen den Markt zu positionieren.

Michael Hartnett, Chefstratege von BoA Merrill Lynch, hat diese einprägsame Grafik erstellt:

Sie zeigt eine Auswahl von Aktienmarktsektoren, Anlageklassen und Regionen sowie die jeweilige Positionierung der befragten Fondsmanager. Die blauen Balken stehen für untergewichtete Bereiche (relativ zu ihrer historischen Gewichtung), orange Balken signalisieren eine Übergewichtung.

Die Aktienmarktsektoren Materials (dazu zählen Rohstoffförderer und -verarbeiter sowie Branchen wie Stahl und Chemie) und Banken werden derzeit von Investoren am stärksten gemieden. Auch die Aktienmärkte Japans und der Eurozone stehen nicht hoch im Kurs. Übermässig in den Portfolios vertreten sind dagegen US-Immobiliengesellschaften (Reits), Pharma, Alltagskonsumgüter (Staples) sowie zyklische Konsumgüter (Discretionary).

Nun denn, liebe Contrarians, auf zum Kauf von Rohstoff- und Bankaktien!

Aber aufgepasst: Der Rohstoffsektor hängt zu einem beträchtlichen Teil an der «China-Story» (in diesem Artikel und diesem Blogbeitrag bereits behandelt). Und dort stehen die Signale auf Abkühlung, wie auch dieser Chart von Christopher Wood, Chefstratege von CLSA Asia-Pacific Markets, eindrücklich zeigt:

Der Shanghai Composite Index steht auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang 2009.

Auf ein weiteres pikantes Detail aus der Fund Manager Survey von Merrill Lynch macht Michael Hartnett aufmerksam: Die Erwartungen der Fondsmanager betreffend das künftige Weltwirtschaftswachstum hellen sich auf (in der nachfolgenden Grafik anhand der orangen Kurve dargestellt):

Der amerikanische ISM-Einkaufsmanagerindex (blaue Kurve), ein vorlaufender Konjunkturindikator, hat diese Trendwende allerdings noch nicht vollzogen (hier unsere Analyse zur aktuellen Lesung des ISM). Hartnett geht davon aus, dass die Investoren einen Anstieg des ISM auf 53 erwarten (die nächste Publikation des Indikators ist Anfang Oktober). Findet dieser Sprung nicht statt oder verharrt der ISM gar auf dem gegenwärtigen Niveau unter 50, wäre das eine herbe Enttäuschung an den Aktienmärkten.

Wir bleiben dran.

Ach, und weil Grafiken so schön sind: Das nachfolgende Stück zeigt die Marktkapitalisierung von Apple (AAPL 267.1 0.5%) – derzeit rund 633 Mrd. $ – verglichen mit einigen anderen Märkten:

Apple stellt gemäss Berechnungen Hartnetts 2,3% der Welt-Marktkapitalisierung dar; das Unternehmen ist wertvoller als die kumulierte Marktkapitalisierung Italiens, Portugals, der Türkei, Chiles, Perus, Österreichs, Ägyptens, der Tschechischen Republik, der Philippinen, Finnlands und Norwegens.

Dazu gibt es eigentlich nur einen Kommentar: Wow.

Nebenbei bemerkt: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Apple (für 2013) ist 12, wie mein Redaktionskollege Frank Heiniger in diesem Artikel schreibt. Teuer ist das nicht.

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