Unternehmen / Energie

Der Greta-Effekt erreicht den Bonus

27% der grössten Schweizer Unternehmen integrieren Nachhaltigkeitskriterien in die variable Managervergütung.

Der Hirtenbrief von Larry Fink hatte es in sich. Der CEO von BlackRock (BLK 409.54 -6.92%), dem weltgrössten Asset-Manager, kündigte an, Nachhaltigkeit zu einem wesentlichen Bestandteil des Anlageprozesses zu machen. Das war vor zwei Wochen und längst überfällig, wie Kritiker anmerkten. Eine wichtige Folge der Ankündigung: Damit wird Nachhaltigkeit bonusrelevant.

Dabei geht es nicht um die Deklaration von mehr oder weniger allgemeinen Grundsätzen. So leicht lassen sich Anleger nicht gewinnen. Massgebend für Investitionsentscheide – und Bonuszuteilungen – sind transparente Ziele, nachvollziehbare Pläne und überprüfbare Ergebnisse. Als beispielhaft gilt die Verpflichtung des Erdölkonzerns Shell, schrittweise die CO2-Emissionen zu senken.

27 der 100 grössten SPI-Unternehmen nennen in den Vergütungsplänen für die Geschäftsleitung konkrete ökologische, soziale oder Governance-Kriterien, also Zielgrössen aus dem Nachhaltigkeitskatalog. Dies hat eine Analyse der Beratungsfirma HCM International ergeben, die diese Woche vorgestellt wurde.

Erst wenige Kriterien

BlackRock hat klargemacht, dass Nachhaltigkeitsperformance reale finanzielle Auswirkungen auf Unternehmen hat. Bis jetzt ist der angewandte Nachhaltigkeitskatalog allerdings noch ziemlich dünn.

Die Analysen von Stephan Hostettler und Axel May haben ergeben, dass die in der Schweiz für die Vergütung der Geschäftsleitung am häufigsten verwendeten Nachhaltigkeitskriterien soziale Aspekte betreffen, zum Beispiel das Arbeitsumfeld (Diversität, Mitarbeiterförderung). Auch Kundennutzen und Governance/Compliance sind öfters genannte Zielgrössen. So ist gemäss HCM International die Fluktuationsrate des Personals bei der Regionalbank Valiant (VATN 79.8 -0.62%) ein Kriterium, die Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsversorgung wird bei Novartis (NOVN 79.12 0.28%) belohnt. Baloise (BALN 126 1.53%) hat im Rahmen ihrer Risikoprozesse vergütungsrelevante Vorgaben.

Eine Frage der Fristigkeit

Die Erreichung konkreter Umweltziele ist bisher aber offenbar erst bei drei kotierten Schweizer Unternehmen bonusrelevant. Hostettler weist auf eine grundsätzliche Schwierigkeit hin: Nachhaltigkeit ist ein Langfristprojekt. Und Jahresboni sind naturgemäss kurzfristig.

Die Charakteristika der Vergütung von CEO und Verwaltungsratspräsidenten haben sich gemäss HCM in der Schweiz nicht gross geändert. Ein nicht exekutiver VR-Präsident erhielt 2018 durchschnittlich 792 000 Fr. (+0,4% gegenüber Vorjahr). Boni waren hier die Ausnahme. Im Trend liegen zunehmende Anforderungen an die Verwaltungsräte, in gewissem Umfang Aktien des Unternehmens zu halten.

Die Saläre der CEO haben stärker zugenommen, um durchschnittlich 2,5% auf 2,97 Mio. Fr., wobei starke Differenzen bestehen je nach Branche, Grösse und Internationalität des Unternehmens. Die grössten Rückschläge im Lohn für den CEO-Posten gab es bei EFG (EFGN 5.54 -0.54%), Dufry (DUFN 26.27 8.37%) und Tecan (TECN 293.4 0.41%) (–1,6 bis –1,7 Mio. Fr.). Am stärksten aufwärts ging die CEO-Vergütung bei Credit Suisse (Credit Suisse 7.838 3.65%) (3 Mio. Fr.), Nestlé (NESN 100.5 0.66%) (1,7 Mio. Fr.) und Logitech (LOGN 42.4 1.44%) (1,2 Mio. Fr.).