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Corestate will in der Schweiz Milliarden einsammeln

Bisher hat der Immobilieninvestor in der Schweiz fast nur Superreiche und Family Offices betreut. Nun will er sich um neue Zielgruppen kümmern.

(Reuters) Der Immobilien-Investor Corestate startet eine Offensive in der Schweiz. «Wir wollen unsere verwalteten Vermögen in der Schweiz in den nächsten fünf Jahren über organisches Wachstum auf 5 Mrd. € verdoppeln,» sagte Firmenchef Lars Schnidrig in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Gegenwärtig stehe Corestate in dem Markt bei 2,2 Mrd. €. Weil es immer mehr Arbeitsnomaden gibt und Studenten immer häufiger von einer zur nächsten Universität wechseln, sieht die Luxemburger Gesellschaft etwa bei vollmöblierten Kleinstwohnungen Potential. So baut Corestate derzeit in Opfikon bei Zürich das Firmenangaben zufolge grösste sogenannte «Micro Living»-Projekt des Landes mit rund 400 Betten.

Corestate sammelt über Fonds bei Grossinvestoren Geld ein und legt es in Immobilienprojekten an. «Im Gegensatz zu anderen Anbietern in Europa offeriere wir alles aus einer Hand: Von der Planung über die Umsetzung und die Vermarktung bis zum Betrieb agieren wir als One-Stop-Shop», sagte Schnidrig. Das sei ein grosser Wettbewerbsvorteil. Von den insgesamt rund 750 Mitarbeitern seien über 400 im Property-Management tätig, also im Service und im Unterhalt von Liegenschaften.

Die stark über Zukäufe gewachsene Firma verwalte derzeit insgesamt 26 Mrd. €. «Wenn alles plangemäss verläuft, werden wir im Zuge unserer Europa-Expansion die verwalteten Vermögen anorganisch und organisch in den nächsten fünf Jahren verdoppeln und die 50-Milliarden-Schwelle definitiv durchbrechen», sagte Schnidrig. Zum Vergleich: Der grösste private Immobilienbesitzer der Schweiz, der Lebensversicherer Swiss Life (SLHN 516.6 -0.42%), kommt im Heimmarkt auf rund 32 Mrd. Fr. und insgesamt auf rund 67 Mrd. Fr. an verwalteten Immobilienvermögen.

Bis zu 7% Rendite

Über die Hälfte des Corestate-Portfolios entfalle auf Wohnimmobilien. Dazu zähle auch das Micro-Living-Angebot, also Studenten- und Businessapartments. Die andere Hälfte verteile sich auf Büros und Einzelhandelsimmobilien an Einkaufsstrassen in zweitrangigen deutschen Städten.

Bisher habe Corestate in der Schweiz praktisch ausschliesslich Superreiche und Family Offices betreut. «Nun wollen wir auch Institutionelle wie Pensionskassen und Versicherer als Kunden gewinnen», sagt der frühere Manager des Immobilienkonzerns Vonovia (VNA 53.64 1.09%). Diese Verschiebung habe Corestate in Deutschland bereits vollzogen. «Viele Institutionelle haben aufgrund der Null-Zins-Politik der Notenbanken einen unheimlichen Anlagedruck», sagte der Vorstandschef. Das führe dazu, dass Immobilienanlagen aufgestockt würden. Im Durchschnitt entfielen acht Prozent auf diese Anlageklasse, der Zielwert liegt aber bei 11%.

Mit dem anvisierten Ausbau dem Asset-Basis werde Corestate auch den Personalbestand in der Schweiz aufstocken. Derzeit arbeiteten 15 Personen in der Schweiz. Gelder, die Corestate in der Schweiz akquiriere, investiere die Firma vorzugsweise auch lokal. «Allerdings ist es in der Schweiz zunehmend schwierig, Immobilienprojekte zu finden, welche den Renditeerwartungen der Investoren entsprechen», sagte Schnidrig. Pensionskassen suchten jährliche Renditen von mindestens drei Prozent. Entsprechend werde Corestate auch grenzüberschreitende Transaktionen anbieten, insbesondere Deutschland sei attraktiv.

Zusätzlich zum Neubau in Opfikon, der 2020 fertiggestellt werden soll, prüfe Corestate laufend weitere Projekte in der Schweiz. Neben Micro Living seien auch Bestandsobjekte und Neubauten im Bereich Wohnen sowie Büroliegenschaften interessant. Für alle Produkte stellt Corestate Renditen von mindestens 3,5% pro Jahr in Aussicht. Micro-Living-Anlagen in Polen würden sogar bis zu sieben Prozent abwerfen. Corestate sieht sich selbst als europaweiter Micro Living-Marktführer. «Wir verwalten und managen für unsere Kunden mehr als 30’000 Einheiten in diesem Bereich», so Schnidrig. In Deutschland koste ein Studentenapartment zwischen 500 und 900 € pro Monat.